Kunsthandwerk mit der Kettensäge

Bei den Rietenauer Holzkunsttagen arbeiten erfahrene Bildhauer und interessierte Anfänger gleichermaßen mit dem Naturmaterial

Eine Woche lang finden in Rietenau erstmals die Holzkunsttage statt, bei denen Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Vorkenntnissen Skulpturen aus dicken Baumstämmen schaffen. Initiator und Leiter ist Miklós Vajna vom Heimat- und Kulturverein Rietenau. Am Tag des Schwäbischen Waldes werden die Arbeiten ausgestellt.

Katharina Vajna studiert Bildhauerei – im Pfarrgütle arbeitet sie an einer Skulptur.Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

ASPACH. Schon von Weitem sind das Hämmern und das Geräusch von Kettensägen in Rietenau zu hören. Auf dem Dorfplatz und dem Pfarrgütle am Waldrand werden von Montag bis Freitag aus dicken Holzstämmen kunstvolle Skulpturen geschaffen. Miklós Vajna hat die Holzkunsttage ins Leben gerufen. Der Pianist und Lehrer an der Jugendmusikschule Backnang hat neben Musik auch Kunst studiert und ist Mitglied beim Heimat- und Kulturverein Rietenau. Seit etwa einem halben Jahr ist der Verein unter neuer Leitung. Der neue Erste Vorsitzende ist Hans-Ulrich Sorg und auch die Zusammensetzung der planenden Mitglieder habe sich verändert, so Miklós Vajna. Mit seiner Idee für die Holzkunsttage sei er sofort auf große Unterstützung gestoßen.

Zwischen freier Assoziation und präziser Planung

Die Teilnehmer haben ganz unterschiedliche Vorkenntnisse und brauchen daher mehr oder weniger Anleitung. Auf der Wiese des Pfarrgütles bearbeitet Michael Weick seinen Baumstamm mit der schweren Motor-Kettensäge. Er hat schon zweimal am Internationalen Bildhauersymposium in St. Blasien teilgenommen - und gewonnen. Aus dem vollen Holz arbeitet er Ringe, die Löcher in Holzkörpern durchdringen. Äußerst präzise Planung ist dafür nötig, weiß Weick, der früher als Konstrukteur gearbeitet hat. Für ihn ist es eine schöne Erfahrung, zusammen mit anderen zu arbeiten und sich gegenseitig auszutauschen.

Auch Katharina Vajna ist keine Anfängerin. Die Tochter des Initiators studiert Bildhauerei in Freiburg. Schon mehrfach hat sie mit der Kettensäge gearbeitet. Ganz im Gegensatz zu Weick folgt sie bei ihrer Skulptur einem Impuls, und ein Schritt entwickelt sich aus dem nächsten. Eine freie Form entsteht, die Assoziationen zu einem weiblichen Körper weckt.

Auf dem Dorfplatz bearbeitet derweil Andrea Blum ihren Baumstamm mit Beitel und Klüpfel. Sie hat Kunst an der Freien Kunstschule Stuttgart studiert und gibt als freischaffende Künstlerin Kurse, unter anderem an der Volkshochschule Backnang. Vorwiegend widmet sie sich der Malerei, aber auch der Glaskunst und Bildhauerei. Noch nie hat sie jedoch eine Holzskulptur in dieser Größe geschaffen. Bei Andrea Blum entsteht aus dem Stamm das abstrahierte Paar eines Mannes und einer Frau in inniger Umarmung.

Kreatives Miteinander in der Natur

Die künstlerischen Vorkenntnisse spielen jedoch bei den Holzkunsttagen keine Rolle. Matthias Dimmler fühlte sich einfach nur von der Ankündigung angesprochen und hatte Lust, die Bildhauerei einmal auszuprobieren. Er lässt sich von Miklós Vajna anleiten, wenn er mit der Kettensäge in groben Schnitten einen Kopf aus dem Holz entstehen lässt. Sylvia Bollinger hat auch noch nie Kunst aus Holz geschaffen, aber sie hat einen Bezug zu dem Material, denn sie hat in einem Holzbetrieb gearbeitet und ist am Waldrand aufgewachsen. „Etwas Künstlerisches damit zu machen, stand schon lange auf meiner To-do-Liste.“ Zunächst sollte eine Frauenfigur entstehen, aber dann kam sie weg von diesem Gedanken. Nun arbeitet sie an einer abstrakten Form. Das Miteinander gefällt ihr bei den Holzkunsttagen besonders gut.

Traute Dilger hat schon zahlreiche Kurse in Bildhauerei belegt, ihr Material ist aber vorwiegend Stein. Mit so einem großen Holzstamm zu arbeiten, könne man ja gar nicht allein, betont sie. Die Teilnehmer helfen sich gegenseitig beim Umlagern des Stammes, oder, wenn es gilt, ein Stück mit der Kettensäge abzutrennen. Aus ihrem Baumstamm entsteht eine Quellnymphe mit Kopf, auf deren Rücken Wasser stufenförmig hinunterfließen könnte. Passend zur Ausstellung am Tag des Schwäbischen Waldes am
17. September hat sie dieses Motiv gewählt. Im Rahmen der traditionell stattfindenden Hocketse an diesem Tag werden die Arbeiten der Holzkunsttage im Ortskern von Rietenau zu sehen sein.