Das Gackern eines selbstbewussten Huhns

Kreisverband der Kleintierzüchter Rems-Murr präsentiert zum ersten Mal bei den Kirchberger Kleintierzüchtern eine Kreisjungtierschau

Eine Kreisjungtierschau bei den Kirchberger Kleintierzüchtern – in dieser Form gab es das noch nie. „Die Idee war, sich wieder einmal vereinsübergreifend zu treffen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Bernd Müller. Neun Ortsvereine waren mit insgesamt 287 Tieren von 43 Züchtern vertreten. Entsprechend eng wurde es in der Ausstellungshalle.

Jungzüchterin Darleen Siegle mit ihrem kuschligen Freund. Fotos: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

KIRCHBERG AN DER MURR. Die Kaninchen wurden in den Außenbereich „ausgelagert“, doch bei angenehmen spätsommerlichen Temperaturen machte dies den Tieren offensichtlich recht wenig aus.

Aufmerksam blicken die Kaninchen dem Besucher entgegen. Recht entspannt und lässig liegen sie da, knabbern an ihrem Futter oder mümmeln einfach so vor sich hin. Die Deutschen Riesen stechen schon als Jungtiere zwischen all den niedlichen kleinen Kuschelhäschen hervor. Stolze sieben Kilogramm bringt so ein weißes Prachtexemplar bereits auf die Waage, und das mit neun Monaten. Beeindruckend die unglaublich großen Löffel. „Die Ohren können nicht groß genug sein“, erklärt Vorstand Bernd Müller. „Mindestens 18 Zentimeter müssen sie lang sein.“

Eine außergewöhnliche Färbung

haben die Rheinischen Schecken

Allerdings kann so ein Ohr auch an der 30-Zentimeter-Marke kratzen. Bei dem kleinen grau-weiß getigerten Kaninchen schräg gegenüber sieht das gleich anders aus. Da dürfen 5,5 Zentimeter nicht überschritten werden. Eine ganz außergewöhnliche Färbung haben die Rheinischen Schecken. Hauptsächlich sind sie weiß, doch die Ohren, ein breiter Streifen den Rücken entlang und einige ausgewählte Stellen an den Seiten und die Nase sind gestreift in verschiedenen Brauntönen. Neben den Schecken sind Hasenkaninchen ausgestellt, die „temperamentvollen unter den Kaninchen“, schmunzelt Bernd Müller. Sie haben einen eleganten schmalen Kopf, der sofort ihren Namen erklärt. Besonders flauschig sind die braun-schwarzen Castor-Rexe. Da will man am liebsten gar nicht mehr aufhören mit dem Streicheln.

In der Ausstellungshalle wird munter gekräht und gegackert. Die Tauben halten sich nobel zurück. Ab und zu wirft ein neugieriges Exemplar einen etwas hochmütigen Blick auf den Besucher, doch dann wendet man gelangweilt den Blick wieder ab. Ganz verschiedene Ausprägungen sind zu sehen. Die weißen Altdeutschen Mövchen haben einen kurzen Schnabel, das Flügelgefieder ist am Rand bräunlich gesäumt, ein hübscher Kontrast zum reinweißen Körper. Etwas ursprünglicher sind ihre Nachbarn, die hellbraunen Fränkischen Feldtauben. Gewagt metallisch funkelt das Gefieder der Kupfergimpel-Taube. Besonders elegant präsentieren sich die Modeneser Schietti mit hohem runden Kopf und einem bogenförmigen Körper. Bei den Hühnern überwiegen die Zwergrassen. „Es fehlt der Platz“, erklärt Bernd Müller die Beliebtheit der Zwergvarianten. Wobei selbst manche Zwerghühner gar nicht mal so klein sind, wie etwa die Zwergbrahmas mit ihrem hosenartigen Beinfederkleid.

Andererseits sind ihre großen Verwandten die größte Hühnerrasse, da kann auch eine Zwergvariante nicht zu klein ausfallen. Ein mahagonifarbener Orloff-Hahn mit schimmerndem Gefieder in allen möglichen Braunschattierungen gackert vor sich hin. Ebenso wie der schlanke, tiefschwarze Augsburger mit dem kronenförmigen Kamm gehört er zu einer sehr seltenen Rasse.

Eine friedliche Natur zeichnet die fluffigen Zwerg-Cochins aus. Selbst die Füße der kinderlieben Federbälle sind mit Federn bedeckt. In unzähligen Farbvarianten treten die Zwerghühner auf. Bereits die jungen Hähne besitzen beeindruckend lange Schwanzfedern. „Die Eier von Zwerghühnern haben wenig Cholesterin“, weiß Müller, „und sind somit sehr gesund.“ Auch wenn ihre Käfignachbarn recht kampflustig aussehen mit ihrem kleinen Körper, den langen Beinen und dem herausfordernden Blick, sind die Englischen Zwergkämpfer sehr zutraulich – allerdings nicht das Tier der Wahl für den Hühnerbesitzer, der sein tägliches Ei schätzt. Da sollte man sich lieber bauschige und legefreudige Zwerg-Wyandotten zulegen. Nur aus Flaum scheinen die Zwergseidenhühner zu bestehen. Dafür besitzen sie fünf Zehen anstelle der für Hühner üblichen vier, zudem sind sie gewissermaßen der Adel unter dem Federvieh, mit blauem Fleisch und blauem Blut. Besonders zur Mittagszeit ist die Schau gut besucht, es wird nicht nur Mittagessen angeboten, auch für Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Der ein oder andere verlässt das Vereinsgelände mit einem verheißungsvollen Paket für die Kaffeezeit. Radfahrer nutzen die Gelegenheit zu einer kleinen Pause. Und für Kinder sind vor allem die Kaninchen ein Quell des Entzückens.

Was passiert eigentlich mit den ganzen Tierchen? Denn behalten kann man schließlich auch nicht alle. Ein Hühnerzüchter gesteht: „Schlachten und ausnehmen geht. Aber essen – nein.“ Dafür können sich dann Freunde und Bekannte über Fleisch freuen, das von garantiert mit Liebe und Hingabe aufgezogenen Tieren stammt.