Der lange Anlauf zum Sprung in Liga drei

Mit 17 Jahren war Sebastian Bösel bereits Stammspieler beim Regionalligisten Hof, mit 22 zählt er nun regelmäßig zu Aspachs Startelf

Geholt wurde er als Außenverteidiger. Geworden ist Sebastian Bösel zu einer zentralen Figur im Mittelfeld der SG Sonnenhof. Heute ab 14 Uhr ist der 22-jährige und technisch feine Fußballer im Heimspiel gegen Fortuna Köln wieder mitentscheidend dafür, dass Drittligist Großaspach die richtige Balance zwischen Angriff und Abwehr findet.

Technisch versiert und laufstark: Mittelfeldmann Sebastian Bösel (Mitte), der sich in Aspachs Schaltzentrale einen festen Platz erkämpft hat. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Denkt der gebürtige Oberfranke Sebastian Bösel an Fortuna Köln, dann zwickt’s in seiner Magengrube. Dabei hat er noch gar nie gegen den Ex-Bundesligisten aus der Südstadt der Karnevals-Hochburg um Punkte gekämpft. „Ich hatte 2014 bereits einen Vertrag bei der U23 des FC Bayern München unterschrieben und habe vor dem Fernseher miterlebt, wie Oliver Laux im zweiten Entscheidungsspiel um den Drittliga-Aufstieg in der 94. Minute das entscheidende Tor für Köln erzielt hat“, erklärt der Mann aus der Aspacher Schaltzentrale und sinniert: „Wenn die Bayern das 2:0 über die Zeit gebracht hätten, dann hätte ich drei Jahre früher Dritte Liga spielen können.“

Mittlerweile ist er dort gelandet, wo er sich im Sommer 2014 schon einmal fühlte. Nach 129 Spielen in der Regionalliga Bayern für den Ex-Zweitligisten Bayern Hof (64) sowie Bayern MünchenII (65) hat der lauf- und technische starke Fußballer den Sprung geschafft. Geholt als Alternative für die rechte Außenbahn, ist er mittlerweile der Mann, der im zentralen Mittelfeld neben Kapitän Daniel Hägele den Takt vorgibt. Für den in der Porzellanstadt Selb zur Welt gekommenen Bösel ist seine jetzige Position nicht neu. „Ich bin eigentlich ein gelernter Sechser.“ Erst bei der Reserve des deutschen Rekordmeisters wurde er nach rechts hinten versetzt, machte seine Sache dort aber so gut, dass der Münchner Merkur nach Bösels Vertragsunterschrift ins Schwabenland schrieb: „FC Bayern verliert Dauerbrenner an Drittligisten.“

Aspach gewann dafür einen Spieler, der schnell Ansprüche auf eine Position in der Startelf anmeldete. Egal, ob auf der Außenbahn oder in der Zentrale. Ganz ohne Rückschlag ging es allerdings nicht. Nachdem er viermal in Folge in der Anfangsformation stand, zog sich Sebastian Bösel im WFV-Pokal in Hollenbach einen Muskelfaserriss zu. Seine Freude übers mühsame 10:9 nach Elfmeterschießen war eher gezwungen. „Ich war erst mal richtig niedergeschlagen“, bekennt der Franke. Wobei seine Laune rasch wieder besser war, denn am Ende waren es neben der Pokalpartie in Bissingen „nur zwei Drittligaspiele, die ich pausieren musste“. Und: Nachdem er sich wieder fit meldete, ließ ihn Trainer Sascha Hildmann gegen Osnabrück sofort wieder von Beginn an ran.

Dass der eher schmächtige Kicker über viel Talent verfügt, fiel aber nicht erst im Fautenhau oder zuvor in München auf. In Hof war er im Sommer 2012 schon als 17-Jähriger Stammkraft im Regionalligateam. „Die A-Jugend dort hat nur Landesliga gespielt. Da wurde ich im zweiten Jahr gleich in die Erste hochgezogen und hatte dann Glück, dass es dort mit Norbert Schlegel einen Trainer gab, der mir vertraut hat“, ist Bösel dem Ex-Profi heute noch dankbar. Über die Station FC Bayern München, bei dem Sebastian Bösel auch einige Trainingseinheiten unter Pep Guardiola miterleben durfte, ist er mittlerweile in Aspach gelandet, und sagt nach den ersten vier Monaten: „Die Leute im Verein haben mich super aufgenommen.“ Und auch der Wechsel von der Weltstadt München in die schwäbische Provinz ist gar kein Problem. „Ich komme ja auch vom Dorf“, sagt der in der kleinen Fichtelgebirgsstadt Marktleuthen aufgewachsene Sportler. Überhaupt schätzt er die „familiären Verhältnisse“ bei der SG Sonnenhof. Klar habe ein Regionalligaspieler bei Bayern ein Umfeld wie bei einem Zweitligisten, aber in Großaspach sei was im Entstehen. Zudem: „Hier unternehme ich mit Mitspielern deutlich mehr als in München.“

Er fühlt sich wohl, der Oberfranke in Württemberg. Neben und auf dem Platz, wie der verbale Ritterschlag von Daniel Hägele nach dem 1:0-Sieg über den KSC zeigt. Da lobte der Kapitän, als er auf seine bereits vier Treffer in dieser Saison angesprochen wurde, den Neuen: „Basti ist extrem wichtig. Er hält mir klasse den Rücken frei.“ Ein Lob, das Sebastian Bösel gerne annimmt: „Das sehe ich ähnlich. Häges und ich, das passt ganz gut.“