Zahl der Wildunfälle im Kreis steigt

Rund 1,3 Millionen Euro Schaden allein im vergangenen Jahr – der Herbst gilt als besonders riskante Jahreszeit

Insgesamt 474 Wildtiere sind im vergangenen Jahr im Rems-Murr-Kreis in Unfälle verwickelt worden. Es entstand ein wirtschaftlicher Schaden von knapp 1,3 Millionen Euro sowie teilweise größere Personenschäden. Dabei lassen sich Unfälle nicht selten vermeiden.

Die meisten Wildunfälle ereignen sich in der Dämmerung – der ländliche Raum gilt bei diesem Thema als Risikogebiet.Foto: Fotolia

WAIBLINGEN (pm). Sobald die Tage wieder kürzer werden, steigt die Zahl der Wildunfälle. Die Monate Oktober und November sind laut einer Pressemitteilung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft am stärksten betroffen, gefolgt vom Monat Mai. Gründe dafür seien das Zusammenfallen von Dämmerung und Dunkelheit mit den Spitzenverkehrszeiten und erhöhten Aktivitäten verschiedener Tierarten. Für Autofahrer bedeutet das: Vor allem auf Landstraßen sollten sie in dieser Zeit besonders aufmerksam fahren, denn die Zahl der Wildunfälle steigt – im Rems-Murr-Kreis sogar deutlich stärker als in anderen Teilen der Bundesrepublik.

Unfällen durch angepasste Fahrweise vermeiden

Die deutschen Versicherer haben jüngst ihre Wildunfallstatistik für das Jahr 2016 veröffentlicht. Allein im vergangenen Jahr wurden demnach deutschlandweit rund 264000 Wildunfälle gemeldet. Im Jahr 2007 waren es noch 225000 Fälle. Rechnerisch kommt es damit täglich zu mehr als 720 Kollisionen – eine Steigerung von 17 Prozent. Der Gesamtschaden betrug 2016 rund 682 Millionen Euro.

Im Rems-Murr-Kreis fiel die Steigerung im Vergleichszeitraum sogar noch größer aus: 38 Prozent mehr Unfälle als noch 2007 hat es im vergangenen Jahr gegeben. Insgesamt waren hier 474 Wildtiere betroffen – 388 Rehe und 86 Wildschweine. Der Sachschaden wird mit knapp 1,3 Millionen Euro beziffert. Dazu kommen teilweise größere Personenschäden sowie zahlreiche getötete Tiere.

Die Ursache für das vergleichsweisehohe Unfallaufkommen im Landkreis ist laut einer Pressemitteilung der Kreisjägervereinigung Backnang in der ländlichen Umgebung und dem entsprechend häufigeren Wildkontakt zu sehen.

Wer einen Wildunfall verursacht hat, sollte unverzüglich die Polizei verständigen. Sie stellt eine sogenannte Wildbescheinigung zur Vorlage beim Versicherer aus. Und sie setzt sich mit dem zuständigen Jäger in Verbindung, der sich um das tote oder verletzte Wild kümmert. Auf keinen Fall dürfen die Tiere angefasst werden. Verletzte Tiere erleiden so noch mehr Stress als nötig und können durch Tritte oder Bisse auch Menschen verletzen. Außerdem kann die Gefahr einer Ansteckung mit Tollwut bestehen. Tote Tiere sind nicht mehr zu verwerten und müssen zwingend fachmännisch entsorgt werden.

„Wir stellen bei Funden und Meldungen zu Wildunfällen immer wieder fest, dass keine direkte Meldung an die Polizei und somit an den zuständigen Jagdpächter erfolgte, was unter Umständen dem betroffenen Wild vermeidbares Leiden zufügt, da es dann erst verspätet oder gar nicht aufgefunden wird“, so die Kreisjäger weiter. „Wir bitten in der Zeit der frühen Dunkelheit und Glättegefahr daher, besonders aufmerksam durch ländliches Gebiet zu fahren.“