Erster Kandidat stellt sich vor

Bisher nur zwei Bewerbungen auf das Amt des Bürgermeisters von Oppenweiler – Stefan Holder wirft seinen Hut in den Ring

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. „Das Amt des Bürgermeisters ist nicht mehr so attraktiv, wie es mal war“, stellt Wilfried Klenk mit Bedauern fest. Der stellvertretende Bürgermeister von Oppenweiler hat bisher nur zwei Bewerbungen für die Wahl am 14. Januar entgegengenommen. Das ist nicht viel, zumal die Bewerbungsfrist schon am 18. Dezember, also in weniger als zwei Wochen, endet.

Einer der beiden Bewerber ist Stefan Holder (siehe Infokasten). Der 45-jährige Heidelberger beschreibt das Murrtal als seine Heimat. „Oppenweiler kenne ich schon ewig“, sagt er und bezeichnet die Gemeinde als Ort, „an dem die Welt noch in Ordnung ist.“ In Oppenweiler wolle er beispielsweise beim Thema B14 dort anknüpfen, wo die drei vorherigen Bürgermeister bereits viel Arbeit investiert haben und für eine Ortsumfahrung kämpfen. „Ein ganz dickes Brett“, weiß er. Außerdem kann sich der kulturell interessierte freiberuflich arbeitende Diplom-Sozialwissenschaftler das eine oder andere kulturelle Highlight vorstellen, das Oppenweiler aus dem Status der Durchfahrtsgemeinde reißen soll. Er habe aber nicht vor, das Rad neu zu erfinden, erklärt Holder. Er setze auf Kontinuität. „Ich bin kein Ehrgeizling, der dieses Amt als Sprungbrett für Größeres sieht. Ich komme, um zu bleiben.“

Im Sommer hatte sich Holder um das Amt des Bürgermeisters der Stadt Neresheim beworben. Auch zu dieser Kommune habe er einen persönlichen Bezug, erklärt er. „Ich würde mich nicht bewerben, wo ich diesen nicht habe.“ Im ersten Wahlgang erhielt der 45-Jährige aber nur 0,6 Prozent der Stimmen. Holder erklärt es sich unter anderem damit, dass die Neresheimer ihn als Fremden betrachtet hätten, während seine Mitbewerber viele Unterstützer aktivieren konnten. Der zweite Bewerber für das Amt in Oppenweiler ist noch nicht bekannt.

Dass das Amt an Anziehungskraft verloren hat, kann Klenk nachvollziehen. „Wer gewählt wird, für den steht in der Regel erst einmal ein Wohnortwechsel an. Vermitteln Sie das mal jemandem, der vielleicht gerade in einer anderen Kommune ein Haus gebaut hat oder dessen Familie woanders verwurzelt ist.“ Manche Interessenten hätten zudem eine bestimmte Kommune im Blick, von der sie wissen, dass dort bald Bürgermeisterwahlen stattfinden. Oppenweiler habe sich da unverhofft dazwischengeschoben. Eine stärkere Bewerbung der Stelle vonseiten der Gemeindeverwaltung hält Klenk nicht für nötig. „Das bringt nichts. Diejenigen, die sich dafür interessieren, wissen genau, wo sie die Stellenausschreibungen finden“, sagt er. Seit 27. Oktober ist die Stelle im Staatsanzeiger Baden-Württemberg ausgeschrieben.

Dass sich nicht mehr Interessenten gemeldet haben, überrascht

Die Pressesprecherin des Gemeindetags Baden-Württemberg, Kristina Fabijancic-Müller, glaubt hingegen nicht, dass das Amt heutzutage weniger begehrt ist. „Ein Trend ist nicht ersichtlich, es ist von Ort zu Ort unterschiedlich.“ In Rudersberg haben sich beispielsweise schon vier Kandidaten präsentiert. „Eine Rolle spielen bei der Attraktivität der Stelle sicherlich die Infrastruktur der Kommune, Eigenbetriebe, die finanzielle Lage, Angebote im Bereich Kinderbetreuung und Freizeit sowie die Größe der Kommune.“ Zwar ist Oppenweiler nicht allzu groß, was jedoch die anderen Aspekte angeht, steht die Sturmfedergemeinde gut da. „Insofern ist es schon komisch, dass es da nicht mehr Interessenten gibt“, wundert sich die Pressesprecherin des Gemeindetags.

Klenk verweist darauf, dass in Oppenweiler 2010 sogar nur ein Kandidat zur Wahl stand – der spätere Bürgermeister Steffen Jäger. „Noch bin ich entspannt“, sagt der stellvertretende Bürgermeister. Wenn es dann auf den 18. Dezember zugehe und sich nichts weiter getan hat, dann könne sich das noch ändern. Es hätten allerdings einige Interessenten im Rathaus Interesse bekundet und etwa den Haushaltsplan angefordert.

Auf Gudrun Rauh, Fraktionsvorsitzende der Freien Gemeindeliste im Gemeinderat Oppenweiler, ist bisher noch niemand mit einem konkreten Vorschlag zugekommen, sagt sie. Die Fraktion werde darüber beraten, ob die Gemeinderäte an dieser Stelle etwas tun können, und wenn ja, was. „Das sind schon Dinge, die mir zurzeit durch den Kopf gehen“, gibt sie zu. „Es ist verflixt, dass wir in sieben Jahren schon zum dritten Mal nach einem Bürgermeister suchen müssen“, sagt Rauh und spricht damit wohl vielen Bürgern aus der Seele. Dass es bisher so wenige Bewerber gibt, habe sie „überrascht und enttäuscht“, sagt Rauh. Zumal Oppenweiler finanziell besser dasteht als viele andere Kommunen. Allerdings sieht Rauh auch, was manchen Interessenten daran abschrecken könnte: „Es ist nicht so wie in größeren Städten, wo man für alle Aufgabengebiete noch einen Fachbürgermeister zur Seite stehen hat. Man muss alles abdecken.“ Das bedeute zwar viel Verantwortung, gleichzeitig aber auch Gestaltungsmöglichkeiten und viel Raum für Ideen.

Kristina Fabijancic-Müller plädiert für etwas mehr Geduld. „Es kommt öfter vor, dass sich in der Woche vorher noch ein Interessent einen Ruck gibt.“ Sie sieht die Situation in Oppenweiler, wo die letzten beiden Bürgermeister jeweils nur vergleichsweise kurz im Amt waren, als Chance für die Bewerber. „Ein Nachfolger kann jetzt richtig durchstarten und viele Projekte angehen, für die die Vorgänger vielleicht nicht die Zeit hatten.“