Den Kandidaten auf den Zahn gefühlt

BKZ-Wahlpodium Oppenweiler: Bühler kann sich eine Trainingshalle vorstellen, Holder will keine Versprechungen machen

In acht Tagen ist Bürgermeisterwahl in Oppenweiler, dann müssen sich die Bürger zwischen Stefan Holder und Bernhard Bühler entscheiden. Wer bislang noch nicht wusste, hinter welchem Namen er sein Kreuzchen machen soll, für den war das BKZ-Wahlpodium am Mittwochabend eine gute Entscheidungshilfe. Redaktionsleiter Kornelius Fritz fühlte den beiden Kandidaten auf den Zahn. Und über 600 Bürger hörten in der Gemeindehalle aufmerksam zu.

Die Kandidatenvorstellung der Backnanger Kreiszeitung ist bei den Bürgern auf große Resonanz gestoßen. In der Gemeindehalle blieben nur wenige Stühle unbesetzt.

Von Matthias Nothstein

OPPENWEILER. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf den vier Themenblöcken Verkehr, Ortsentwicklung, Bauen und Bürgerbeteiligung. Dabei versuchte der Hauptamtsleiter von Kernen im Remstal, Bernhard Bühler, mit tiefen Einblicken in die Örtlichkeit und mit seiner spezifischen Berufserfahrung zu überzeugen. Sozialwissenschaftler Stefan Holder hingegen versuchte damit zu punkten, dass er in seiner Laufbahn immer wieder Prozesse begleitet und moderiert habe.

Verkehr: Es ist für Oppenweiler eines der wichtigsten Themen überhaupt: Wie geht es mit der B14 weiter? Wenn es ein einfaches Thema wäre, so Holder, „dann hätten die drei Bürgermeister-Vorgänger schon die Gelegenheit genutzt, es zu vollenden“. Bei dem Projekt Ortsumfahrung geht es jedoch um das Bohren von ganz dicken Brettern. Dabei dürfe man sich nicht von den Aussagen eines Sachbearbeiters erschrecken lassen, sondern müsse immer und immer wieder nachhaken. „Es ist die Aufgabe des Bürgermeisters, Kontinuität zu beweisen und die Aufgabe immer wieder voranzubringen.“

Hartnäckigkeit ja, aber für Bühler gibt es noch einen anderen Weg. Es gelte, die Politiker, die an den Hebeln der Macht sitzen, direkt anzusprechen. „Wir haben da eine gute Position, schließlich kommt der Staatssekretär im Verkehrsministerium aus unserem Wahlkreis.“ Wichtig sei vor allem, die Planung im Auge zu behalten. Der Hauptamtsleiter weiß, wovon er spricht, wenn er fordert: „Es muss geprüft werden, ob die Planung realistisch ist.“ Wenn es dann zum Schwur kommt, müsse man sagen können: „Diese Trasse geht.“

Paradoxe Welt beim Thema Nahverkehr. Der vehemente ÖPNV-Nutzer Holder („Ich fahre kein Auto.“) lobt den verlässlichen Halbstundentakt, „auch wenn es immer ein Ideele besser geht“. Die Anbindung mit Bahn und Bus empfindet er für eine Gemeinde dieser Größe als angemessen. Dass die S-Bahn einmal bis nach Murrhardt fährt und in Oppenweiler Station macht, „da verlässt mich die Fantasie“.

Bühler hingegen sieht vor allen nachts und am Wochenende Nachholbedarf beim ÖPNV. Manche Jugendliche hätten zwar ein Mama-Taxi, aber eben nicht alle.

Ortsentwicklung: Eine recht konkrete Vorstellung bewies Bühler beim Thema Ortsentwicklung. Wie Holder erklärte auch der 49-Jährige, wohnen mache da keinen Spaß, wo die Lastwagen auf Augenhöhe am Schlafzimmer vorbeidonnern. In der ersten Reihe entlang der Ortsdurchfahrt könne er sich höchstens Handel oder Praxen vorstellen, in der zweiten Reihe dann Wohnraum. Die Hauptstraße könnte attraktiver werden, wenn die Fassaden heller gestaltet werden und einzelne Häuser abgerissen und neu gebaut werden. „Wir müssen die Bürger motivieren, Pläne vorstellen sowie Chancen und finanzielle Fördermöglichkeiten aufzeigen.“ Ganz wichtig in Bühlers Augen: Barrierefreiheit. Viele Läden und Praxen seinen nur über Treppen erreichbar. Ganz konkret plädierte er für ein Ärztehaus entlang der B14. „Dafür brauchen wir keine Umfrage zu machen.“

Holder kritisierte Bühler mehr oder weniger subtil: „Ich bin vom Grundsatz her ganz anders unterwegs. Das Könnte, Müsste, Hätte, Sollte geht so nicht.“ Er erklärte hingegen: „Ich schaue mir die Rahmenbedingungen an. Was ist vorgegeben? Was wollen die Leute? Wenn die B14 verlegt ist, was können wir auf dieser Achse machen?“ Holders Erfahrung zum Ladensterben: „Wenn ein Laden erst einmal zu ist, dann bleibt er zu oder es kommt nichts Gleichwertiges nach. Was bislang entlang der B14 an Läden und Gasthäusern niederging, wird so nicht wieder auferstehen. Die ländliche Gemeinde der Zukunft ist nicht mehr jene der 60er-Jahre.“ Deshalb seien jetzt Zwischenschritte vonnöten. „Der große Wurf, das dauert.“ So gelte es, das zu pflegen, was heute existiert, wie etwa das rege Vereinsleben. Holder: „Und das, was keine Zukunft hat, muss man manchmal auch ziehen lassen.“

Auf die Frage des Moderators nach Ideen, auf welchem Feld die finanziell gut gestellte Gemeinde investieren sollte, listete Bühler etwa ein Seniorenmobil auf. „Das wäre etwas für Oppenweiler.“ Die Gemeinde kauft einen VW-Bus, und Ehrenamtliche chauffieren die Senioren bei Bedarf. Auch glaubt er an die Zukunft von Geschäften, die frische Ware anbieten. „Backwaren, Gemüse – wenn ein gutes Angebot besteht, dann kommt auch die Nachfrage.“ Bühler relativierte den Reichtum der Gemeinde. Für den fälligen Hochwasserschutz werde viel Geld benötigt. Er erinnerte an die Flut von 2011. „Wenn man weiß, was man tun könnte, dann muss man es auch tun. Jeder Euro ist da wirklich gut angelegt.“ Bühler wollte zwar nicht so weit gehen, den Sportlern gleich eine neue Halle zu versprechen. Vielmehr gelte es, erst einmal die Belegungspläne zu optimieren. Grundsätzlich aber könnte er sich eine Trainingshalle vorstellen. „Das ist nicht so das Riesenprojekt.“ Oder eine überdachte Trainingsfläche ohne Heizung, eine Freilufthalle.

„Auch auf die Gefahr hin, dass ich der Spielverderber bin“, wiederholte Holder seine Zurückhaltung, was konkrete Projekte angeht, und seine Kritik am Konjunktiv seines Kontrahenten: „Wenn man das Hätte, Sollte, Müsste weglässt, dann wird es recht schnell...“ Er beendete den Satz nicht. „Mein Ansatz ist ein anderer. Natürlich habe auch ich Visionen, was man machen sollte.“ Trotzdem gefiel ihm Bühlers Vorgehen nicht. „Aber vielleicht muss man das im Wahlkampf so machen, ich möchte mich davon befreien.“ Holder sagte: „Ich bin gebürtiger Schwabe, ich kann mit Geld umgehen und lasse meiner Fantasie nicht freien Lauf, Luftschlösser kann ich keine bauen.“

Bauen: Die Nachfrage nach Bauland ist groß. Kornelius Fritz wollte von den Kandidaten wissen, ob die Gemeinde wachsen oder lieber die Einwohnerzahl halten solle. Laut Holder wird Wachstum zwar für manches Problem als klassische Lösung angesehen, doch dies sehe er distanziert. Die Frage laute schließlich nicht: „Will Oppenweiler Große Kreisstadt werden?“ Holder plädierte vielmehr für eine dezente Nachverdichtung, auch wenn dies manch einem Nachbar nicht gefallen werde. Der Kommune prophezeite er unter seiner Amtsführung ein sanftes Wachstum.

Als Kommune müsse man attraktiv bleiben, sagte Bühler. „Und attraktiv ist man, wenn man für jeden Geldbeutel Wohnraum verfügbar hat. Also nicht nur das typische Einfamilienhaus auf der grünen Wiese, sondern auch günstige Miet- oder Eigentumswohnungen. Es stelle sich auch die Frage, wie es mit Dörfern wie Aichelbach oder Zell weitergehe. „Haben die landwirtschaftlichen Strukturen dort noch Zukunft?“ Die Flächen gehörten überplant. So könne man den Bürgern Planungen präsentieren und müsse dann schauen, ob sie darauf ansprechen.

Bürgerbeteiligung: Eins ist sicher. Facebook-User des modernen Formats sind beide Kandidaten nicht. Dass sie trotzdem den hohen Stellenwert der Bürgerbeteiligung betonen, ist in ihren Augen kein Widerspruch. Für Bühler ist die Überlegung bei jedem Projekt ein Muss. „Wie nehme ich den Bürger mit.“ Entscheidungen dürften auf keinen Fall im stillen Kämmerlein getroffen werden. Zumindest der Gemeinderat müsse bei jeder Entscheidung mitgenommen werden. Holder sieht’s auch so: „Der Bürgermeister sitzt nicht im Rathaus und regiert vor sich hin.“ Vielmehr gelte es, dass Gemeinwesen von der Wiege bis zur Bahre zu organisieren. „Ich bin beim Thema Facebook erzkonservativ und nutze es nicht. Die Bürger werden mich jeden Tag auf der Hauptstraße treffen, wenn ich beim Bäcker einkaufen gehe.“ Auch Bühler räumte ein: „Ich bin kein Verfechter von Facebook, aber es gibt diese Medien, man kann sich ihnen nicht verschließen.“