In kurzer Zeit voll ausgepowert

Der Intervallsport Tabata wird in Maubach angeboten – Hohe Belastung mit kurzen Ruhephasen – Abwechslungsreiche Übungen

20 Sekunden hohe Belastung gefolgt von 10 Sekunden Pause – das ganze achtmal wiederholt. Dieses konzentrierte Intervalltraining heißt Tabata. Die Teilnehmer testen dabei ihre körperlichen Grenzen aus. Beim SV Maubach ist im Herbst der erste Kurs an den Start gegangen – mit wachsender Beliebtheit.

In kurzen Intervallen machen sich die Kursteilnehmer an verschiedene, besonders intensive Übungen. Fotos: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. „Das powert so richtig schön aus, danach brauchst du nichts mehr“, erklärt Claus Lindner lachend, nachdem er die insgesamt neun Stationen geschafft hat. Unheimlich anstrengend ist das Programm, da sind sich alle Teilnehmer einig. Gleichzeitig aber mache das Training großen Spaß. „Es ist abwechslungsreich. Wir machen immer wieder neue Übungen, da werden alle Muskelgruppen beansprucht“, sagt Sabine Häberlein. Und sie merke auch, dass sie sich Stück für Stück bessere. Bei manchen Übungen habe sie anfangs keine 20 Sekunden am Stück durchgehalten. Die schaffe sie nun. „Tabata ist kein klassisches Kardiotraining wie Joggen oder Fahrradfahren“, erklärt Trainerin Florin Rathgeb. Die Übungen dienten gleichzeitig dem Muskelaufbau und der Fettverbrennung – das mache sie auch so beliebt. Rathgeb selbst studiert in Ludwigsburg Sport auf Lehramt. Die 23-Jährige ist seit gut zwölf Jahren im SV Maubach aktiv und stieß dort auf offene Ohren, als sie die Idee eines Tabatakurses einbrachte. „Das gab es hier in der Gegend noch so gut wie gar nicht“, erinnert sie sich. Im Herbst 2017 startete der erste Kurs in der Mehrzweckhalle in Maubach. Allein zum Schnuppertraining seien mehr als 30 Interessierte gekommen, die Anmeldungen fürs Training lägen bei etwa 20 – eine zufriedenstellende Zahl, findet Rathgeb.

Tabata ist eine relativ junge Sportart. Entwickelt wurde das hochintensive Intervalltraining von dem japanischen Wissenschaftler Izumi Tabata. Er erprobte 1996 in einer Studie, an der auch das japanische Eisschnelllauf-Team teilnahm, wie sich die Übungen auf die Leistungsfähigkeit auswirken – mit überzeugenden Resultaten. Die wenigen Minuten extremer Belastungsintervalle sind gemäß den Ergebnissen seiner Studie genauso effektiv wie stundenlanges moderates Ausdauertraining. „Außerdem kommt man mal so richtig ins Schwitzen“, nennt Florin Rathgeb einen weiteren Pluspunkt. Sie wandelt das klassische Tabataprogramm manchmal auch etwas ab, kombiniert es beispielsweise mit Zirkeltraining. „In der großen Halle haben wir viele Möglichkeiten“, sagt sie. Nach dem gemeinsamen Aufwärmen geht es diesmal an neun Stationen.

Hanteltraining zielt auf die Oberarmmuskulatur ab. Auf einer weichen Matte tief in die Hocke gehen, um dann nach oben zu springen, stärkt hingegen die Oberschenkel. Der Unterarmstütz trainiert wiederum den ganzen Körper, vor allem aber Bauch und Schultern. Florin Rathgeb macht ihre Runde entlang der verschiedenen Stationen und gibt Tipps. „Versuch mal, tiefer in die Hocke zu gehen“, rät sie. Oder: „Den Rücken gerade halten!“ Wenn die sportliche 23-Jährige die Übungen vormacht, sieht es ganz leicht aus. Es dann selbst in mehreren Intervallen zu machen, ist eine andere Sache. „Das erste Intervall geht meistens noch ganz gut“, erzählt Claus Lindner aus Erfahrung. Dann werde es mit jedem 20-Sekunden-Abschnitt härter. Großen Respekt haben die Kursteilnehmer vor dem Tau. In jeder Hand haben sie dabei das Ende eines starken, mehrere Meter langen Seils, das an der Wand befestigt wird, und müssen dieses nach oben schwingen. „Das ist die härteste Übung“, sind sich ziemlich alle einig. Dennoch, sie bleiben dabei – das schweißtreibende Training hat es ihnen angetan. Bemängelt wird von manchen Teilnehmern nur, dass in den Duschen der Mehrzweckhalle oft nur kaltes Wasser komme. „Wir melden das regelmäßig, aber bisher ist nichts passiert“, sagt die Ortschaftsrätin Cornelia Rathgeb.

Sabine Häberlein nimmt im Verein auch am Frauen-Power-Kurs teil, eine Art Aerobic-Fitness. Über Flyer und Mundpropaganda sei sie auf Tabata aufmerksam geworden. „Ich habe es einfach mal ausprobiert und festgestellt, dass es eine richtige Herausforderung ist.“ Das Training beanspruche den ganzen Körper und sei „mal was anderes“. Unter anderem deshalb ist Sabine Häberlein dabeigeblieben und macht jetzt schon den zweiten Kurs. Zudem stehe für sie das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. „Ich gehe mit ein paar Nachbarinnen zum Kurs“, erzählt sie. Das motiviere zusätzlich und „man kommt sich nicht so blöd vor, wenn man etwas nicht auf Anhieb schafft“. Für Claus Lindner ist Tabata das perfekte Zeitmanagement: „In einer Stunde hat man ein vollumfängliches Training geschafft.“ Auch er ist von Anfang an dabei und nimmt auch eine Steigerung wahr: „Die Kraftausdauer ist merklich besser geworden.“ Und für die Anfänger in der Gruppe hat Lindner beruhigende Worte parat: „Der Muskelkater wird immer weniger.“