Kärcher-Umsatz bei 2,5 Milliarden Euro

Der Winnender Weltmarktführer knackt neue Rekordmarke – Hartbodenreiniger erweist sich als Verkaufsschlager

Kärcher-Chef Hartmut Jenner freut sich über das große Wachstum der Firma. Foto: B. Büttner

WINNENDEN (nip). Kärcher hat im vergangenen Jahr erstmals die Umsatzmarke von 2,5 Milliarden Euro geknackt. Das ist ein Plus von 7,5 Prozent, berichtet Unternehmenschef Hartmut Jenner (52). „Wir sind doppelt so schnell gewachsen wie der Weltmarkt für Reinigungstechnik.“ Jenner berichtet von „einem erstaunlich breiten Wachstum“ in fast allen Ländern, in denen der Winnender Weltmarktführer für Reinigungstechnik aktiv ist. Besonders positiv sei die Entwicklung in Deutschland, Frankreich, Japan, Osteuropa und in Südamerika.

Seit dem Jahr 2009 ist das Wachstum ungebrochen, nicht nur bei Kärcher, sondern auch in der gesamten deutschen Wirtschaft. Was ist der Grund für diesen Erfolg? Drei Gründe führt Hartmut Jenner an: Erstens habe die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken die Wirtschaft angekurbelt. Zweitens werde Asien immer wichtiger. So habe das Wachstum in China die Ausfälle etwa in Russland mehr als ausgeglichen. Drittens bringen neue Technologien und die Digitalisierung einen neuen Schwung für die Wirtschaft.

Der neue Trend:
Reinigung wird digital

Auch Kärcher setzt auf das Thema Digitalisierung. Das Unternehmen hat jüngst eine Firmentochter mit dem Namen „Zoi“ gegründet, die das Thema bearbeiten soll. Derzeit gibt es bereits 50 Mitarbeiter an den Standorten in Stuttgart und Berlin. „Zoi“ soll weiter wachsen, noch größer werden und auch für andere Firmen tätig werden.

Doch wie funktioniert Digitalisierung in der Reinigungstechnik? Ein Trend, den Hartmut Jenner sieht, heißt: Reinigung nach Bedarf oder neudeutsch „Cleaning on Demand“. Bisher arbeiten die Reinigungskräfte nach festen Zeitplänen. So werden etwa Flughafentoiletten in bestimmten Intervallen gereinigt, egal ob viele Fluggäste kommen oder nicht. Reinigung nach Bedarf orientiert sich an der Zahl der Passagiere. So wird dann mehr gereinigt, wenn viele Flieger ankommen, und weniger gereinigt, wenn kein Flugzeug abhebt. Den Reinigungsbedarf kann man mit einfachen Messgrößen ermitteln. Regnet oder schneit es draußen? Ist der Parkplatz der Firma nur zu 30 Prozent gefüllt? Und braucht das Büro tatsächlich die volle tägliche Reinigungsleistung, wenn der Mitarbeiter zwei Wochen in Urlaub ist?

„Kärcher Manage“ heißt eine weitere Firmenlösung aus Winnenden. Das Prinzip funktioniert so: Eine Reinigungskraft macht eine leichte Vorreinigung und vermerkt dann über einen Scanner, ob weitere Arbeit notwendig ist. Eine zweite Kraft mit mehr Ausrüstung kann dann vor den Bürotüren einen Barcode auslesen und weiß dann, ob und was noch zu tun ist. „So können wir die Produktivität um 20 Prozent steigern“, sagt Hartmut Jenner. Auch in der analogen Welt feiert Kärcher Erfolge.

Winnenden bleibt Standort
für die Produktion

Der Verkaufsschlager für Privatkunden war der neue Hartbodenreiniger FC5. Mit dem Gerät kann man zu Hause zugleich wischen und saugen. Die Wischwalze reinigt das Gerät automatisch. „Wir haben von dem Hartbodenreiniger mehrere Hunderttausend Stück verkauft“, freut sich der Kärcher-Chef. Mehr als 100 neue Produkte gab es im vergangenen Jahr. Dazu gehört die zweite Generation der „Tact-Sauger“, die für die Entfernung von Feinstäuben, die etwa beim Fräsen entstehen, genutzt werden. Früher musste der Filter von Hand abgeklopft werden, damit die Arbeit weitergehen kann. Jetzt hat Kärcher eine neue Technik entwickelt, die den Saugstrom der Luft umkehrt und so den Filter automatisch reinigt. „Innovation bleibt für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor“, sagt Jenner.

Auch die Zahl der Mitarbeiter weltweit ist erstmals über die Marke von 12000 Personen gestiegen. Genau sind es 12304, ein Plus von 450 Mitarbeitern. „Wir haben in zehn Jahren unsere Mitarbeiterzahl verdoppelt“, freut sich Jenner.

Auch die Standorte Winnenden und Schwaikheim profitieren weiter vom Wachstum. In Winnenden stieg die Zahl der Mitarbeiter um 100 auf 2400. In Schwaikheim arbeiten jetzt 300 Mitarbeiter für Kärcher, ein Plus von 15 Personen. An den beiden Standorten seien in den vergangenen acht Jahren 1000 neue Stellen entstanden, betont Jenner.

„Winnenden bleibt weiter ein Produktionsstandort“, versichert Hartmut Jenner. Kärcher habe die Zusage gegeben, dass bis 2025 mindestens 160 Mitarbeiter in der Produktion arbeiten werden. Winnenden soll sich dabei auf das Segment der Scheuersaugmaschinen konzentrieren. Das Unternehmen hält zudem an der Verlagerung der Hochdruckreiniger-Produktion von Winnenden an den Standort im Oberen Bühlertal (Kreis Schwäbisch Hall) fest. Davon sind 113 Mitarbeiter betroffen, zehn arbeiten bereits am neuen Standort. „Ich verstehe jedes einzelne Schicksal“, sagt Jenner. „Wir versuchen, persönliche Härten abzumildern. Wir haben in einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat eine gemeinsame und großzügige Lösung gefunden.“

Der Kärcher-Chef listet auf: Wer freiwillig ins Bühlertal wechselt, kann eine Prämie in Höhe bis zu 30000 Euro erhalten. Die Prämie ist gestaffelt, unter anderen nach der Entfernung zum Werk. Es gibt einen kostenlosen Bustransfer oder der Mitarbeiter erhält 30 Cent pro gefahrenen Mehrkilometer. Die Mitarbeiter bekommen eine Zeitgutschrift von 2,5 Stunden pro Woche, im ersten Jahr kommt eine weitere Stunde pro Woche hinzu, im zweiten eine halbe Stunde.

Kärcher zahlt zudem 3000 Euro Umzugskosten. Es gibt eine Standortgarantie und einen Versetzungsschutz im Bühlertal. Hartmut Jenner: „Wir verlagern die Produktion 50 Kilometer weiter und gehen nicht ins Ausland. Das war eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Und wir sind die Einzigen, die noch einen Einstiegs-Hochdruckreiniger in Deutschland herstellen.“