Stadt plant neue Sport-Kita in der Plaisir

Einrichtung für 120 Kinder soll neben der Schule entstehen –TSG Backnang 1846 steht als Kooperationspartner bereit

Obwohl die Stadt die Zahl der Betreuungsplätze in den vergangenen Jahren bereits deutlich ausgebaut hat, herrscht in Backnang weiterhin akuter Mangel bei den Kitaplätzen. Dem will die Stadt nun auch mit einem Neubau entgegenwirken: Neben der Plaisirschule soll eine sechsgruppige Kita entstehen. Das geplante Sportprofil sorgt im Gemeinderat allerdings für Diskussionen.

Mit der Kindersportschule hat die TSG Backnang 1846 bereits Erfahrung gesammelt. Jetzt steht der Verein als Kooperationspartner für eine Tagesstätte mit Sportprofil bereit. Archivfoto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Im Baugebiet Katharinenplaisir hat die Stadt kürzlich 41 Bauplätze verkauft, auch an der Aspacher Straße und an etlichen anderen Stellen in der Stadt entstehen neue Wohnungen. Unter den künftigen Bewohnern werden viele Kinder sein: Bis 2021 rechnet die Stadt mit dem Zuzug von mehr als 500 Kindern unter sechs Jahren sowie mehr als hundert im Grundschulalter. Hinzu kommt eine noch nicht kalkulierbare Zahl an Flüchtlingskindern, und auch die Geburtenzahlen sind zuletzt gestiegen. Der Kindersegen bringt die Verwaltung ganz schön ins Schwitzen. Denn obwohl bereits mehrere Kindergärten erweitert werden – unter anderem im Heininger Weg, im Heimgarten und in Sachsenweiler –, fehlen schon in diesem Jahr mehr als 100 Betreuungsplätze.

Mit 120 Plätzen wäre es

die größte Kita der Stadt

Deshalb soll jetzt im Backnanger Norden so schnell wie möglich eine weitere Tagesstätte gebaut werden. Mit sechs Gruppen und insgesamt 120 Plätzen wäre es die größte in ganz Backnang. Entstehen soll sie auf dem Gelände der Plaisirschule. „Es ist sinnvoll, so eine Einrichtung an einen Schulcampus anzudocken“, erklärt Regine Wüllenweber, Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung. So könne man die Räume, wenn sich der Bedarf ändert, später auch für die Hortbetreuung nutzen. Außerdem können Schule und Kita beispielsweise bei der Essensversorgung kooperieren. Bevor der Gemeinderat im März über den Standort entscheidet, werde es aber noch eine Informationsveranstaltung für die Anwohner geben, kündigt der städtische Pressesprecher Hannes Östreich an.

Die neue Kita soll nach Vorstellungen der Verwaltung einen besonderen Schwerpunkt im Bereich Sport haben. Die Stadt greift damit eine Idee der TSG Backnang 1846 auf, die vor zwei Jahren über eine eigene Sport-Kita auf dem Hagenbach-Gelände nachgedacht hatte. Diese Pläne scheiterten jedoch am hohen Aufwand: „So eine Einrichtung verlässlich zu betreiben, ist nicht ohne. So weit sind wir im Moment noch nicht“, sagt der TSG-Vorsitzende Rainer Mögle.

Gerne würde sich der Verein aber als Kooperationspartner in einer städtischen Sport-Kita einbringen: „Wir könnten qualifizierte Übungsleiter stellen, die mit den Kindern Sport treiben“, sagt Mögle. Auch die hauptamtlichen Erzieherinnen sollten zumindest sportaffin sein, sagt Regine Wüllenweber. Durch das neue Sportprofil werde das Betreuungsangebot in der Stadt vielfältiger und damit attraktiver für die Eltern.

„Es sollte keine

Kaderschmiede werden“

Im Gemeinderat stößt das Projekt auf breite Unterstützung: „Wir brauchen die Plätze dringend“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Ulfert. Auch das Sportprofil hält sie für sinnvoll: „Wir begrüßen Vielfalt in der Betreuungslandschaft. Das wird von den Eltern geschätzt.“ Ob die neue Einrichtung wirklich Sport-Kita heißen soll, ist unter den Stadträten allerdings umstritten. „Ein gewisses Profil ist in Ordnung, man sollte allerdings nicht damit assoziieren, dass dieser Kindergarten nur für Kinder mit besonderen sportlichen Ambitionen gedacht ist“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Franke. Auch Eric Bachert (Bürgerforum) befürchtet, dass der Name Sport-Kita falsche Erwartungen wecken könnte: „Es sollte keine Kaderschmiede werden. Wir wollen auf keinen Fall, dass Kinder ausgegrenzt werden.“

Grünen-Fraktionschef Willy Härtner sieht noch eine andere Gefahr: „Es könnte der Eindruck entstehen, dass dies der einzige Kindergarten in Backnang ist, in dem Sport getrieben wird.“ Angesichts der zunehmenden motorischen Probleme bei Kindern sei es aber wichtig, dass Bewegung in allen Einrichtungen gefördert werde. Über Namen und Konzept der neuen Kita wollen die Stadträte deshalb noch einmal beraten.

Klar ist allerdings schon, dass die neue Kita den akuten Betreuungsbedarf nicht decken kann, denn je nach Bauweise dauert es eineinhalb bis zwei Jahre, bis der Neubau steht. „Wir suchen deshalb nach Möglichkeiten, wie wir die Plätze schon früher zur Verfügung stellen können“, sagt Regine Wüllenweber.

Geplant ist nach Informationen unserer Zeitung, ab September vier Kindergartengruppen in angemieteten Containern neben der Sporthalle Katharinenplaisir unterzubringen, eine weitere soll in leer stehenden Räumen der Talschule Waldrems ihr Quartier beziehen. Dass solche nicht gerade billigen Übergangslösungen nötig sind, hänge mit dem raschen Anstieg der Kinderzahlen zusammen, sagt Regine Wüllenweber. „Der Bedarf ist schneller gewachsen als gedacht.“

SPD und Grüne im Gemeinderat machen aber auch die Verwaltung für den Engpass mitverantwortlich: „Wir sind jetzt unter Druck, weil die Verwaltung bei diesem Thema in der Vergangenheit etwas zurückhaltend war“, sagt Heinz Franke. Auch Willy Härtner hat den Eindruck, „dass das wahrscheinlich unterschätzt wurde“. Einig sind sich alle Fraktionen darin, dass die fehlenden Plätze nun so schnell wie möglich geschaffen werden müssen. Schließlich könne man Eltern, die heute einen Kitaplatz benötigen, nicht zwei Jahre vertrösten.