Umstrittener Amtsleiter im einstweiligen Ruhestand

Hans-Werner Schif nicht mehr an der Spitze des Bauamts in Auenwald – Mögliche Nachfolger stellen sich dem Gemeinderat vor

Von Florian Muhl

 

AUENWALD. Über 30 Jahre arbeitete Hans-Werner Schif im Auenwalder Baumt. Als dessen Leiter hatte er nicht nur Freunde. Immer wieder machte er von sich reden, im Positiven wie im Negativen. Beispielsweise im Jahr 1999, als er als 39-jähriger Familienvater das kleine Wildschwein Frieda wie einen Haushund hochpäppelte. Oder die unendliche Geschichte mit der Erdauffüllung. Im Mai 2014 war publik geworden, dass Schif an zwei Stellen auf Auenwalder Markung Erdaushub abgelagert hatte – mit Zustimmung der damaligen Grundstückseigentümer. Vor allem die Erdauffüllung in einer Klinge bei Lippoldsweiler – unweit seines privaten Bauvorhabens – hatte für Ärger gesorgt. Es folgten diverse Gerichtstermine und Einsprüche. Letzter Stand: Schif ist mit seiner Klage gegen das Landratsamt beziehungsweise das Land Baden-Württemberg gescheitert. „Die Planungen für den Rückbau sind abgeschlossen“, teilte die Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage am Montag mit. Weiter heißt es: „Für den Rückbau sind jedoch Vorarbeiten notwendig, die sich verzögern. Das liegt zum einen daran, dass die Maßnahmen auch Grundstücke Dritter betreffen und deshalb mit deren Eigentümern abgestimmt werden müssen. Zum anderen hat die sehr feuchte Witterung alles verzögert.“

Jetzt wurde Schif, der zuletzt als Amtsleiter von vielen Gemeinderäten nicht mehr tragbar war, mit Wirkung vom 1. Februar 2018 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Wie Bürgermeister Karl Ostfalk am Montagabend im Rahmen der Sitzung des Technischen Ausschusses weiter bekannt gab, wurde „Herr Schif, der seit Januar vergangenen Jahres dienstunfähig erkrankt war, seit über einem Jahr nicht mehr gesehen und eine Amtsärztin hat festgestellt, dass er seine dienstliche Tätigkeit nicht mehr ausüben kann“. Nach seiner Ausbildung für den gehobenen nicht technischen Dienst hatte Schif im Juli 1984 im Bauamt seine Tätigkeit bei der Gemeinde Auenwald begonnen.

Auch der Verlust der stellvertretenden Bauamtsleiterin schmerzt die Gemeinde. Nachdem Simone Sauer dem Bauamt unfallbedingt längere Zeit nicht zur Verfügung stehen konnte, wechselte sie vor vier Monaten zur Stadt Murrhardt und übernahm dort die Leitung der Bauverwaltung (wir berichteten). So hatte Ostfalk in seiner Haushaltsrede Ende Januar gesagt, dass die Gemeinde – trotz aller Unterstützung der Kollegen – den Ausfall von zwei gehobenen Beamten nicht auffangen könne. „Wenn zwei fehlen, das kannst du nicht einfach wegstecken.“

Und wie geht’s weiter im Bauamt, das Hauptamtsleiterin Yvonne Bader seit dem ersten Krankheitstag von Schif kommissarisch beziehungsweise stellvertretend leitet? Beide Führungsstellen sollen neu besetzt werden. Als Nachfolgerin für die Bauverwaltungsstelle von Sauer hat Ostfalk eine junge Fachhochschulabsolventin an der Hand, die bereits zugesagt, aber den Vertrag noch nicht unterzeichnet habe. Aus diesem Grund könne er Näheres noch nicht bekannt geben.

Auch für die technischen Aufgaben gäbe es Bewerber. Die Kandidaten würden sich am kommenden Montag im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung vorstellen. Sollte sich nach einiger Einarbeitungszeit, nach etwa einem halben Jahr oder auch länger, wie Ostfalk sagt, herauskristallisieren, dass einer der beiden neuen Mitarbeiter das Zeug zur Führungsposition habe, dann spreche nichts gegen eine Amtsleiterstelle.

Und wie stehen die Fraktionssprecher zur Personalie Schif? „Die Zeit, die er im Amt war, muss man relativieren. Er war die letzten wenigen Jahre nicht unumstritten“, sagt Ulrike Rückert. „Aber er war ein ausgezeichneter Bauamtsleiter zu Friedrichs Zeiten. Er kannte jede Vermessungsstelle, jedes Grundstück, jeden Kanaldeckel, und das, ohne in eine Akte zu schauen“, so die Sprecherin der Bürgerlichen Wählervereinigung. Rückert wörtlich: „Im Moment fehlt er massiv. In der Verwaltung ist gerade keiner, der sich richtig auskennt.“ Manchmal hat’s geheißen, er sei chaotisch – das mag sein, aber er hatte auch wahnsinnig viel zu tun. Das machen heute zweieinhalb Leute, was er früher alleine gestemmt hat.“ Natürlich hätten sich die Akten gestapelt, aber er sei auch viel draußen gewesen. „Ich kenne ihn als kompetenten, freundlichen Menschen, den man ansprechen und sicher sein konnte: Das wird gemacht. Er war auch für den Bauhof zuständig.“ Die Aufgaben, die er damals allein erledigt habe, seien heute auf viele Schultern verteilt.

„In der Zusammenarbeit mit Herrn Schif hat’s schon länger gegrummelt“, sagt Franz Matyas. Die Gründe dafür sieht der Sprecher der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWA) in der Art und Weise, wie sich der Bauamtsleiter gegeben hat. „So allwissend.“ Und Schif habe keine Kritik annehmen können. „Das war ja auch im privaten Bereich zum Beispiel mit den Jägern so, mit denen er sich zerstritten hat, weil er sich für unantastbar hielt“, sagt Matyas. „Das mit der Krankheit, das ist ja das Mysteriöse, das kam ja erst nach dem Polizeieinsatz beim Kaufland hoch. Vorher war das ja nie im Gespräch, dass er erkrankt ist“, erinnert sich der UWA-Sprecher. „Für uns ist es gut, dass das Thema gelöst worden ist.“ Und wie geht’s im Bauamt weiter? „Wir haben uns dafür starkgemacht, dass es keine Bauamtsleitung mehr gibt, sondern dass die beiden Beschäftigten, die da eingesetzt werden, innerhalb des Hauptamts unter Frau Bader angesiedelt werden.“

Kein gutes Haar lässt Karl Meister an der Person Hans-Werner Schif. „Mir hat er Übelstes angetan. Der hat Sachen gemacht, die er hätte nicht tun dürfen. Beispielsweise hat er eine Entwässerung gemacht, dass meine Apfelbäume kaputt gegangen sind“, schimpft der Sprecher der Freien Wählervereinigung. Und SPD-Rat Dieter Seiter: „Der Herr Schif ist wohl mit vielen in der Gemeinde über Kreuz gelegen, mit Gemeinderäten und ehemaligen Gemeinderäten, ich kann dazu ehrlicherweise gar nichts sagen.“