Vorbilder für Zivilcourage

Die Initiative Sicherer Landkreis zeichnet Menschen für ihren Mut und ihren Einsatz im Alltag aus

Abdessamad El Malyani hat vor einem Jahr nicht weggeschaut. Eine 14-Jährige wurde in Waiblingen Opfer eines Räubers. El Malyani hat den Täter verfolgt und konnte ihn auch schnappen. Die Initiative Sicherer Landkreis Rems-Murr zeichnete ihn und sechs andere Mitbürger für Zivilcourage aus.

Ehrung der Initiative Sicherer Landkreis für couragiertes Eingreifen bei drohenden oder begangenen Straftaten (von links): Jürgen Klotz, Abdessamad El Malyani und Andreas Schwarz. Fotos: G. Schneider

Von Paul Morat

WINNENDEN. In sieben Fällen hatten sie geholfen, andere aus einer Gefahr zu retten oder Straftaten aufzuklären. Unter den Leitsprüchen „Hinschauen statt wegsehen“ sowie „Einmischen und helfen statt Gleichgültigkeit“ übergaben Claudia Maurer-Bantel, Andrea Palm und Klaus Auer von der Initiative die Auszeichnungen. Jedoch wollten nur drei der sieben Genannten diese persönlich annehmen. „Diese Bescheidenheit akzeptieren wir natürlich, möchten aber trotzdem die positiven Beispiele nochmals in Erinnerung rufen“, so Auer.

Zu Beginn wurde Abdessamad El Malyani für sein Einschreiten am 2. Februar letzten Jahres ausgezeichnet. Er hatte beobachtet, wie ein 14-Jähriger in Waiblingen versuchte, einer 17-Jährigen die Handtasche zu entreißen. El Malyani verfolgte den Täter zu Fuß und konnte ihn stellen. „Ich hätte auch Hilfe erwartet, wenn das Mädchen meine Schwester oder Tochter gewesen wäre“, erinnert sich der junge Mann. Er habe der Bestohlenen einfach helfen müssen.

Die Konfrontation mit dem Täter sei ruhig verlaufen. „Ich habe gesehen, dass er große Angst hatte. Ich konnte ihn ohne Aufregung fassen und dann der Polizei übergeben“, sagt El Malyani. „Solche Leute wie Sie brauchen wir mehr, leider gibt es davon viel zu wenige“, kommentierte Andrea Palm.

Im nächsten Fall hatte Jürgen Klotz – Gemeinderat in Korb – für die unmittelbare Festnahme eines Räubers gesorgt. Am 19. März sah er im Vorbeifahren, wie ein vermummter Mann sich einer älteren Frau näherte. „Ich sah aus dem Rückspiegel, wie der Mann ihr auf den Kopf schlug und ihre Handtasche entriss“, erzählt Klotz. Er habe angehalten und sei der Frau zu Hilfe gekommen. Außerdem kontaktierte er die Polizei. „Auch andere hatten die Tat gesehen und so konnten wir uns gemeinsam schnell um die Dame kümmern“, führt er fort.

Doch in ihm habe sich eine Wut breitgemacht. Er habe es nicht akzeptieren wollen, dass dem Täter womöglich die Flucht gelingen könne. „Ich dachte daran, welche Unruhe im Ort entstehen könnte, wenn der Mann nicht gefasst würde“, beschreibt der Gemeinderat. Also habe er sich wieder in sein Auto gesetzt und die Polizei erneut angerufen. Er nahm die Verfolgung des Täters auf und informierte parallel einen Streifenwagen über seinen Standort. So konnte der Räuber von der Polizei gestellt werden. Er ist mittlerweile zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Am 3. August 2017 konnte der Nachbar einer 69-Jährigen in Fellbach Schlimmeres verhindern. Er habe sich regelmäßig um diese gekümmert. Als sie trotz mehrfacher Anrufe an diesem Tag nicht reagierte, wollte er nach ihr sehen. Durch die verschlossene Haustür konnte er nur leise Hilferufe hören und alarmierte Polizei und Notarzt. Beim Eintreffen der Rettungskräfte lag die Nachbarin hilflos am Boden.

Ein Zeuge, der nicht genannt werden möchte, konnte zur Aufdeckung eines Diebstahls in Waiblingen beitragen. Am 21. September 2017 sah dieser, wie von einer Baustelle umfangreiches Baumaterial verschwand. Er notierte sich das Kennzeichen des Fahrzeugs, das die Diebe beluden. So konnte die Polizei die Täter ermitteln.

Ein weiterer Zeuge, der ebenfalls ungenannt bleiben möchte, beobachtete einen Diebstahl in Remshalden. Minderjährige hatten aus einem Lebensmittelmarkt 80 Flaschen hochprozentigen Alkohol gestohlen. Durch präzise Beschreibung der Täter wurde die Festnahme ermöglicht.

In Fellbach hatte Andreas Schwarz am 16. Oktober 2017 bemerkt, wie ein Sprinter um die Mittagszeit den Außenspiegel eines parkenden Pkw beschädigte. Doch anstatt stehen zu bleiben, entfernte sich der Wagen von der Unfallstelle. Schwarz fuhr dem Beschuldigten hinterher und konnte ihn schließlich davon überzeugen, sich zu stellen.

Letztlich wurde noch Stefan Werner Rapp geehrt. Er hatte am 26. Dezember 2017 dazu beigetragen, dass der Täter nach einem Wohnungseinbruch festgenommen wurde. Er nahm Licht in der Wohnung der Nachbarn wahr und wusste, dass diese sich im Urlaub befanden. Als der Täter das Haus verlassen wollte, konnte Rapp ihn an der Kellertür stellen. Er meldete den Einbruch per Notruf, der Täter flüchtete und versteckte sich im Gebüsch. Schließlich konnte der Einbrecher gefasst werden. „Ich freue mich, dass es Mitbürgerinnen und Mitbürger wie Sie gibt“, resümierte Klaus Auer. Dieses Verhalten sei nicht selbstverständlich. „Es zeigt jedoch umso mehr, dass Zivilcourage gefordert wird.“