„Wir haben keinen Stillstand gehabt“

Das Interview:Seit gut einem Jahr vertritt Wilfried Klenk den Oppenweiler Bürgermeister – Neue Projekte angestoßen

Gleichzeitig Landtagsabgeordneter, Vizepräsident des Landtags und Interimsbürgermeister von Oppenweiler – für Wilfried Klenk war das seit dem Frühjahr 2017 Alltag. Vor der Übergabe an Bernhard Bühler, der sein Amt am 1. März antritt, zieht er Bilanz. In der Gemeinde sei vieles in Gang gebracht worden, sodass dem neuen Bürgermeister erst einmal nicht langweilig werde.

Die vielen Wechsel an der Spitze der Gemeinde haben für Oppenweiler keine negativen Auswirkungen gehabt, findet Wilfried Klenk. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

Gut ein Jahr sind Sie nun schon kommissarischer Bürgermeister – sind Sie froh, Ihren „Zweitjob“ bald los zu sein?

So würde ich es nicht sagen. Ich habe es sehr gerne gemacht und habe auch eine Verpflichtung darin gesehen. Ich bin seit fast 25 Jahren erster Stellvertreter des Bürgermeisters, das war über zwei Jahrzehnte eine angenehme Aufgabe, überwiegend im repräsentativen Bereich. In den letzten zwei, drei Jahren war es etwas heftiger. Herr Reber ist ja erstmals Ende 2014 ausgefallen, da war es für ein halbes Jahr. Die damalige Situation war für mich aber anders als jetzt.

Inwiefern?

Zum einen, weil es genau in die Zeit gefallen ist, als ich neu zum Landtagspräsidenten gewählt wurde und dort also eine völlig andere, neue Aufgabe übernommen habe. Gleichzeitig kam es zu dem krankheitsbedingten Ausfall von Herrn Reber. 2014 sind wir das als Gemeinderat und -verwaltung noch anders angegangen, weil wir zunächst ja nicht wussten, wie schwer er erkrankt war und wie lange das Ganze dauern würde. In diesem ersten halben Jahr haben wir im Grunde genommen versucht, die Aufgaben der Verwaltung, soweit sie vorgegeben waren, am Laufenden zu halten. Wir haben keine neuen Projekte angestoßen. Als Herr Reber Anfang 2017 erneut erkrankte, habe ich im Gemeinderat gesagt: Wir müssen es dieses Mal anders machen. Wir mussten ja davon ausgehen, dass es wieder mindestens ein halbes Jahr dauern wird. Wir mussten nicht nur die anstehenden Aufgaben erledigen, sondern auch neue Projekte angehen und weiterentwickeln. Somit können wir auch sagen, dass wir in Oppenweiler keinen Stillstand gehabt haben.

Für Sie war das dennoch eine Doppelbelastung, schließlich macht man den Job als Landtagsabgeordneter und Vizepräsident des Landtags auch nicht mal nebenher. Wie war das für Sie?

Es stimmt, es war eine zusätzliche Belastung, wenn ich auch nicht von doppelter Belastung sprechen würde. Durch meine Funktion im Landtag war es mir überhaupt erst möglich, das Amt auszufüllen. Von den Kenntnissen her, von der Erfahrung im politischen Geschäft und es gab schließlich auch Synergien. Ich habe die Bürgermeister im Kreis schon gekannt, bevor ich die Stellvertretung übernommen habe, und stand mit ihnen im Austausch. Den Draht zum Landratsamt und zum Landrat selbst hatte ich auch schon und ich konnte vieles – wie man so schön sagt – auf dem kleinen Dienstweg erledigen. Nichtsdestotrotz haben lange Abende und Wochenenden dazugehört. Ich habe es aber gerne gemacht und hatte auch nie das Gefühl, dass es mir zu viel wird. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im Haus war sehr gut. Sie mussten das auch mitstemmen. Und mit dem Gemeinderat habe ich mich von Anfang an abgestimmt, habe auch gelobt, transparent zu arbeiten. Es gab keinen Vorgang im Rathaus, über den ich die Kollegen nicht im Vorfeld informiert habe. Somit haben wir gemeinsam vieles auf den Weg gebracht, sodass es Herrn Bühler erst einmal nicht langweilig werden wird.

Für Ihre Arbeit haben Sie auch – unter anderem in der Haushaltsrede des Gemeinderats – viel Lob bekommen. Haben Sie denn nie mit dem Gedanken gespielt, selbst Bürgermeister zu werden?

Nein. Es ist viele Jahre her, ich war fast noch ein kleiner Bub, da hat meine Mutter davon geträumt, dass ich eine Ausbildung im Rathaus mache und dort vielleicht meine berufliche Zukunft finde. Im letzten Jahr habe ich gelegentlich daran denken müssen, was sie vor fast 50 Jahren für Vorstellungen hatte. In meiner jetzigen Position als Vizepräsident des Landtags war das natürlich kein Thema. In dieser Tätigkeit bin ich auch gewählt. Ich werde in wenigen Tagen 59 Jahre alt, das heißt, ich hätte theoretisch eine Amtsperiode machen können. Das halte ich für zu kurz, zwei Perioden sollte ein Bürgermeister schon machen können. Außerdem hätte ich dafür meine andere Tätigkeit aufgeben müssen. Das wollte ich nicht.

Welche Folgen hat es für die Gemeinde Oppenweiler gehabt, dass in den vergangenen Jahren die Führung so oft gewechselt hat?

Gar keine. Zumindest nicht negativ. Es war bestimmt aufmerksamkeitserregend in der Öffentlichkeit. Für die Mitarbeiter hatte es Auswirkungen, sie mussten sich in kurzer Zeit auf drei verschiedene Chefs einstellen. Das war sicherlich eine Herausforderung – auch für den Gemeinderat zu einem gewissen Grad. Aber für die Gemeinde selbst hatte es keine negativen Auswirkungen. Wir haben nichts liegen gelassen, haben ganz im Gegenteil das eine oder andere angestoßen und aufbereitet.

Bei der Bürgermeisterwahl waren zum Schluss noch zwei Kandidaten im Rennen. Für eine Gemeinde wie Oppenweiler, die eigentlich gut dasteht, scheint das doch wenig zu sein. Wie erklären Sie sich das?

Da gebe ich Ihnen recht. Schon 2010 waren wir verwundert, als Herr Brischke nach 32 Jahren in den Ruhestand ging, haben wir – das muss ich ehrlich sagen – alle gedacht, die Bewerber würden Schlange stehen. Bei der Infrastruktur, bei der Finanzlage der Gemeinde muss es doch für junge Verwaltungsfachkräfte attraktiv sein, sich hier als Bürgermeister zu bewerben. Wir sind hier auch kein zerstrittener Gemeinderat. Man kann unterschiedlicher Meinung sein und manches ausdiskutieren. In meinen 38 Dienstjahren als Gemeinderat habe ich aber noch nie erlebt, dass wir nach außen hin ein schlechtes Bild abgegeben hätten. Daher: Wir verstehen das selbst nicht, dass es mit Herrn Jäger damals nur einen – Gott sei Dank qualifizierten – Bewerber gab und auch, dass es jetzt eine ähnliche Situation gab.

Wir sind gerade in der Übergangsperiode von Ihnen zu Herrn Bühler. Worauf legen Sie dabei wert, was wollen Sie ihm vermitteln?

Ich werde eine sehr ordentliche Übergabe mit ihm machen, an diesem Freitag ganztägig. Wir werden dabei auch in der Gemeinde unterwegs sein. Ich möchte Herrn Bühler die eine oder andere Baustelle zeigen, das eine oder andere Projekt, das wir angestoßen haben. Es stehen viele Dinge an, was Sanierung, Erwerb von Grundstücken und Gebäuden angeht, der Neubau des Kindergartens und, und, und. Es gibt aber auch Baustellen, die die Bevölkerung vielleicht nicht in der Form interessieren – kommunale Einrichtungen wie die Kläranlage beispielsweise – wo im Lauf der Jahre Sanierungsmaßnahmen anstehen. Das alles will ich ihm nicht nur hier am Tisch in Papierform oder im Gespräch, sondern auch vor Ort vermitteln. Ich kenne die Gemeinde aus dem Effeff, aus dem Gemeinderat und dadurch, dass ich seit meiner Geburt hier lebe. Da kennt man jeden Winkel, aber auch die Pappenheimer. Das hat es mir in dem Jahr vielleicht auch leichter gemacht. Für den Bürgermeister ist es nicht unwichtig zu wissen, wer, mit wem und wo, warum.

Was sehen Sie denn für Herrn Bühler als künftige Herausforderungen?

Einige größere Projekte, aber was er wohl auch zuerst tun wird, ist, das Gespräch mit den Mitarbeitern zu suchen. Er muss sie kennenlernen, vielleicht will er ja auch etwas umstrukturieren. Da würde ich ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aber er ist in seiner bisherigen Aufgabe ja auch für das Personal verantwortlich, insofern bringt er da Erfahrung mit. Und dann kommen natürlich die großen anstehenden Dinge: Die Sanierung der nördlichen Hauptstraße, die Sanierung des Friedhofs, der Kindergartenneubau steht an, wir warten auf den Zuschuss für die Innenentwicklung in Zell – da gibt es viel zu tun.

Sie verlassen das Bürgermeisterbüro dann. Gibt es auch Seiten ihres „Zweitjobs“, die Sie vermissen werden?

Ich bilde mir ein, die Aufgabe des Bürgermeisters zu Teilen von meiner politischen Tätigkeit schon gekannt zu haben. Ich habe aber im vergangenen Jahr noch mal eine andere Erfahrung gemacht, eine überwiegend positive. Ich wundere mich deshalb, warum nicht mehr junge Verwaltungsbeamte dieses Amt anstreben. Man kann doch sehr viel in einer Gemeinde bewegen. Was wir in der Zeit alles umgesetzt und auf den Weg gebracht haben – da geht man abends heim und kann sagen: Jetzt haben wir wieder was geschafft. Das können auch Kleinigkeiten sein, wie der Gehweg zum Sportgelände. Da kann ich in 20 Jahren noch rauslaufen und sagen: Das haben wir damals, in jenem Jahr umgesetzt. Diese unmittelbaren Erfolgserlebnisse haben sie in der großen Politik nicht. Da wird von morgens bis abends diskutiert und teils gestritten und das Ergebnis der Entscheidungen wirst du oft nicht direkt wahrnehmen oder erleben können. Von daher war es eine schöne Aufgabe, die ich gerne gemacht habe.

Bleiben Sie der Gemeinde als Gemeinderat erhalten?

Ich habe – Stand heute – vor, wieder zu kandidieren.