Gutachter: Das Opfer wurde frontal überrollt

Unfallsachverständiger sagt vor dem Landgericht zu dem tödlichen Unfall beim Schillinghof aus – Psychiatrisches Gutachten folgt

Von Bernd S. Winckler

KAISERSBACH/WELZHEIM. Im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen einen 20-Jährigen, der auf der Kreisstraße zwischen Welzheim und Kaisersbach beim Schillinghof einen 23-jährigen Mann überrollt und tödlich verletzt haben soll, hatte gestern der Kraftfahrzeug-Unfallgutachter das Wort. Nach seinen Ausführungen überfuhr der Angeklagte mit dem geländegängigen Wagen das Opfer frontal und durchgehend.

Die Richter der 2. Großen Strafkammer in Stuttgart befassen sich mit diesem außergewöhnlichen Verkehrsfall seit dem 7. Februar. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, fahrlässige Tötung und Verkehrsunfallflucht sowie Trunkenheit im Verkehr. Der 20-Jährige soll betrunken und nach Drogenkonsum auf der Kreisstraße zwischen Welzheim und Alfdorf – beim Schillinghof – das auf der Straße liegende, ebenfalls betrunkene Opfer überrollt haben und einfach weitergefahren sein (wir berichteten).

Dass ein schlafend auf der Straße liegender Mensch ein solches Überrollen nicht überleben kann, davon ist der Sachverständige zusammen mit der Gerichtsmedizinerin überzeugt.

Allein der Aufprall mit der Vorderseite des Fahrzeugs muss den Kopf des Opfers getroffen haben. Auf der Straße fand der Gutachter Haarbüschel, was auf schwere Kopfverletzungen hindeutet. Weiter stellte der Sachverständige anhand der sichergestellten Spuren fest, dass das Unfallfahrzeug zwar im oberen Bereich recht unbeschädigt geblieben war, jedoch die Unterseite mit dem Motor schwer beschädigt wurde.

Der Mann muss schlafend

auf der Straße gelegen haben

Beim Aufprall auf das Opfer wurde zuerst das vordere Kennzeichen abgerissen. Dann traf die tief liegende Vorderachse den Mann, danach krachte der untere Teil des Kühlers über seinen Kopf und Körper mit der Folge entsprechender Verletzungen. Dass die Verletzungen tödlich waren, beweisen auch der verbogene vordere Querträger und mehrere Abdeckungen an der Bodengruppe des Fahrzeugs. Zum Zeitpunkt des Überrollens muss das Opfer schlafend auf der Straße gelegen haben, sagte der Gutachter, denn es gebe spurenmäßig keinen Hinweis, dass das Opfer stehend getroffen wurde.

Demnach muss der 23-Jährige zuerst durch den Anprall und danach durch das Überrollen des Fahrzeugs, mit dem Auftreffen der verschiedenen Unterseitenteile wie Auspuff, Achsen, Verstärkungen, am ganzen Körper schwer verletzt worden sein, führt der Gutachter aus.

Der Unfallfahrer habe anschließend etwa 70 bis 170 Meter weiter angehalten. Das sehe man aus der Tatsache, dass die Flüssigkeit des zerbrochenen Kühlers auslief und an der Stelle des Anhaltens sich eine Pfütze gebildet hatte. An dieser Stelle fand der Sachverständige auch einen auf dem Seitenstreifen der Straße abgestellten Tabakbeutel.

Mit dem schwer beschädigten Fahrzeug, bei dem die Kühlerflüssigkeit schließlich innerhalb weniger Minuten komplett auslief, habe der Fahrer nicht mehr weit fahren können.

Nach dem vorläufigen Gutachten der Gerichtsmedizinerin trat der Tod des Opfers durch die schweren Kopf- und Rumpfverletzungen ein. Der 23-Jährige war nach einem Fest zu Fuß nach Hause unterwegs gewesen. Zuvor hatten Helfer des DRK den jungen Mann noch getroffen und ihn nach seinem Befinden befragt. Er habe sich trotz der zwei Promille Alkohol im Blut gut gefühlt, sagte gestern der DRK-Kreisgeschäftsführer.

Experte soll Auskunft über Drogen

und Alkohol beim Fahrer geben

Das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen zum Alkoholzustand des Fahrers in der Nacht zum 8. Juli vergangenen Jahres soll am Dienstag nächster Woche vorgetragen werden. Dabei will der Sachverständige auch erläutern, wie viel und welche Drogen der Angeklagte konsumiert hatte. Ein Urteil ist für den 8. März vorgesehen.