Mineralwasser als Nachtisch und Karotten zum Tee

Aktion Fastenstaffel: Redaktionsleiter Kornelius Fritz hat eine Woche auf Süßigkeiten verzichtet

Ein Tag ohne Süßigkeiten – das gab es für BKZ-Redaktionsleiter Kornelius Fritz bisher nie. Für die Aktion Fastenstaffel musste er jetzt sogar eine ganze Woche aushalten, ohne zu naschen. Überrascht hat er dabei festgestellt, dass sich Schokolade und Gummibärchen gut durch gesunde Lebensmittel ersetzen lassen.

Abendlicher Snack auf dem Sofa: Statt Kekse und Schokolade gönnt sich Kornelius Fritz Karottenstücke und getrocknete Tomaten. Foto: P. Pauli

Von Kornelius Fritz

Ja, ich gebe es zu: Ich hatte vor dieser Woche wirklich Respekt. Schokoriegel, Kekse und Gummibärchen sind für mich seit vielen Jahren lieb gewonnene Alltagsbegleiter. Mit reichlich Sport gelingt es mir bisher zwar trotzdem, mein Gewicht zu halten, aber dass so viel Süßes nicht gesund sein kann, wird mir klar, wenn ich in der Buchhandlung Titel wie „Pur, weiß, tödlich: Warum der Zucker uns umbringt“ entdecke.

Die BKZ-Fastenstaffel ist ein guter Anlass, mit der schlechten Gewohnheit zu brechen. Bevor ich meine Fastenwoche beginne, muss allerdings noch geklärt werden, was überhaupt als Süßigkeit gilt: Bei Schokolade und Fruchtgummi ist die Sache klar, aber wie sieht es mit Kuchen, Pudding und Nutella aus? Alles verboten, entscheiden die strengen Kollegen. Lediglich das Marmeladenbrot zum Frühstück und vielleicht ab und zu ein Fruchtjoghurt werden mir gnädigerweise gestattet. Um mich auf die harte Zeit vorzubereiten, befrage ich vorher noch Dr. Google. Der empfiehlt den Artikel „7neue Tricks gegen Heißhunger auf Süßes“, den ich augenblicklich verschlinge. Wobei ich doch gewisse Zweifel an der Wirksamkeit mancher Tipps habe. Unter anderem empfiehlt der Autor, ich solle die ungesunden Lebensmittel mit „unappetitlichen Bildern und negativen Emotionen“ verbinden. So soll ich mir zum Beispiel vorstellen, die Schokolade sei verschimmelt und die Gummibärchen in den Matsch gefallen. Ob das hilft?

Eine Anregung erweist sich in der folgenden Woche allerdings als nützlich: Wasser trinken. Der Körper deute Durst oft fälschlicherweise als Hunger, behauptet der Verfasser des Artikels. Außerdem füllt es den Magen und zügelt den Appetit. Das funktioniert bei mir tatsächlich. Vor allem, wenn der Körper nach dem Essen einen süßen Nachtisch verlangt, trinke ich nun immer ein volles Glas Sprudelwasser, selbst wenn ich gar keinen Durst habe. Das funktioniert erstaunlich gut: Der Süßhunger ist meist schon nach kurzer Zeit verschwunden.

Die Süßigkeiten zwischendurch versuche ich durch „Ersatzdrogen“ zu ersetzen. Meine Schreibtischschublade fülle ich mit Äpfeln und Bananen und besorge mir im Drogeriemarkt außerdem verschiedene Trockenfrüchte. Richtig lecker sind die getrockneten Mangostücke, beim Blick auf die Packung habe ich allerdings schon wieder Gewissensbisse: Mit 304 Kalorien pro 100 Gramm liegen sie schon fast im Bereich von Gummibärchen. Dann doch lieber getrocknete Tomaten, natürlich ohne Öl: Mit 123 Kalorien definitiv ein gesünderer Snack.

Auch abends zum Tee ersetze ich Süßes durch Gemüse: Karottenstücke erweisen sich als gute Alternative, denn sie knuspern fast so schön wie Kekse. Wirklich schwer fällt mir dieser Umstieg überraschenderweise nicht: Offensichtlich ist es gar nicht so wichtig, was ich nebenher mampfe, solange ich an meinen Essgewohnheiten festhalten kann.

Interessant wird es noch mal an meinem wöchentlichen Sportabend: Gewöhnlich ein guter Anlass, um sich nach der Anstrengung mit allerlei Süßem zu belohnen. Aber ich erinnere mich an ein Werbeplakat im Fitnessstudio, auf dem ein Eiweiß-Shake angepriesen wird, der angeblich Heißhungerattacken vorbeugen soll. Das will ich testen: Der Eiweiß-Drink mit Vanillegeschmack soll kalorienarm sein, ist aber trotzdem recht süß. Aber Getränke stehen ja nicht auf dem Index, oder? Mehr nehme ich an diesem Abend nicht mehr zu mir, außer Wasser natürlich. Der Hunger meldet sich zwar, aber er ist auszuhalten. Die Müdigkeit ist eindeutig stärker.

Mit jedem Tag verliert die Fastenwoche ihren Schrecken: Die Sorge, an Unterzuckerung zugrunde zu gehen, war unbegründet. Wobei ich zugegebenermaßen auch Glück hatte, denn in dieser Woche gab es weder Geburtstage noch Einladungen zu Kaffee und Kuchen. So fiel der Verzicht leichter als gedacht und nebenbei habe ich auch noch ein halbes Kilo abgenommen. Den imaginären Fastenstaffelstab gebe ich nun weiter, neue Äpfel für die Schreibtischschublade habe ich mir aber trotzdem schon gekauft.

  Bei der Aktion Fastenstaffel verzichtet sechs Wochen lang jeweils eine Redakteurin oder ein Redakteur für eine Woche auf etwas, das bisher unverzichtbar schien. Nächste Woche berichtet Bianca Walf darüber, wie sie es ohne Internet ausgehalten hat.