Erst ein Konzept, dann gibt es Geld

Was die Aspacher Gemeinschaftsschule angeht, befinden sich die Gemeinderäte in einer wahren Zwickmühle

Erst seit kurzer Zeit ist die Conrad-Weiser-Schule in Großaspach eine Gemeinschaftsschule. Um diese zu stärken, bedarf es klarer Zahlen und Pläne. Doch diese fehlen bisher. Foto: A. Becher

Von Renate Häußermann

ASPACH.Die Aspacher Gemeinderäte haben sich dafür verkämpft, dass die ehemalige Großaspacher Werkrealschule eine Gemeinschaftsschule wird. Jetzt ist sie es. Doch die Freude ist getrübt. Klar zum Ausdruck kam dies in den Haushaltsreden der Fraktionen in der jüngsten Gemeinderatssitzung. An eine Gemeinschaftsschule, wie die Conrad-Weiser-Schule (CWS) es nun ist, werden besondere Anforderungen gestellt. Will heißen: Die Gemeinde als Schulträgerin muss ordentlich investieren. Doch da hauen die Gemeinderäte jetzt die Bremse rein.

Peter Hanisch sagte es deutlich: „Es fehlen uns leider wesentliche Informationen und Sachstände. Bei der zum Beispiel wichtigen Zielsetzung zur Ertüchtigung unserer Schule eiern wir seit über einem Jahr herum.“ Der Sprecher der CDU/BWL-Fraktion bemängelte, dass bisher für die erforderliche Planung kein Auftrag vergeben wurde. Dabei müssten die vom Land vorgegebenen Antragsfristen auf Landesmittel doch eingehalten werden. Auch Wolfgang Schopf (SPD) mahnte Auskünfte über künftige Schülerzahlen und Konzepte an. Kein Konzept, kein Geld, ist auch seine Devise. Denn: „Hier ist schnell etwas gebaut, was nachher gar nicht oder in anderer Form benötigt wird.“

Klare Worte auch von Gerd Raichle, der der Freien Wählervereinigung Aspach (FWA) vorsteht. „Wir müssen eine Grundsatzentscheidung treffen: Wollen wir eine weiterführende Schule in Aspach?“ Auch er ärgert sich darüber, dass dem Gemeinderat noch keinerlei Pläne, eventuelle Kosten und konkrete Schülerzahlen vorgelegt wurden. Es werde von Kosten in einer Höhe von über 5,5Millionen Euro gesprochen. Deshalb müsse genau geprüft und beabsichtigte Maßnahmen auf ihre Notwendigkeit hinterfragt werden.

Es blieb nicht bei der Drohung, den Geldhahn vorerst zuzudrehen. Da soll etwa die Schulküche für einen Aufwand von 130000 Euro erneuert werden. Gerd Raichle lehnte dies ab, wollte erst eine Besichtigung der Schulküche durch den Gemeinderat. „Das Thema Besichtigung können wir gerne aufgreifen“, erwiderte Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner. Die Gemeinderäte gingen noch weiter. Als sie nämlich bei einem weiteren Tagesordnungspunkt die Honorarkosten über 50000 Euro für die Planungen zur Sanierung der WC-Anlagen und der Schulküche genehmigen sollten, lehnten sie dies rundweg ab. Markus Kaumeyer (FWA) stellte den Antrag, diese Vergabe so lange zu verschieben, bis die Schulküche besichtigt wurde. Die Mehrheit des Gemeinderats stimmte für die Vertagung.

Mit dem Verschieben ist das Problem freilich nicht gelöst. Die Gemeinderäte befinden sich in einer wahren Zwickmühle. Investieren sie in die Gemeinschaftsschule, ist trotzdem nicht sicher, dass die Schule überlebt. Die Gemeinde müsste über Jahre Schulden abtragen und sich im schlimmsten Fall irgendwann vorwerfen lassen, eine Fehlinvestition getätigt zu haben. Entscheiden sich die Gemeinderäte jedoch gegen die Investitionen, würde dies das sichere Aus für die einzige weiterführende Schule in der Gemeinde bedeuten. Dann gäbe es in der Gemeinde nur noch Grundschulen. Es wäre beschämend für eine Gemeinde mit 8000 Einwohnern. Peter Hanisch sieht eine „gute Option, die Gemeinschaftsschule in Aspach durch Schüler aus den Nachbargemeinden Burgstetten und Kirchberg zu beschulen“. Er blickt optimistisch in die Zukunft und sieht durch bauliche Maßnahmen und eine gute Kooperation zwischen Schulen und den Gemeinden die Chance, „die Gemeinschaftsschule zu einer großartigen, bei den Schülerinnen und Schülern beliebten Bildungsstätte“ zu machen. Die vielen Vorteile, so Hanisch, müssten an die Öffentlichkeit getragen werden. Außerdem mahnt er zu raschem Handeln, was das erforderliche Gebäude angeht. Er erwägt eine Erstellung in Holzbauweise.

Einen anderen Aspekt greift noch Gerd Raichle auf. Er hatte sich einst für den Erhalt der Grundschule Rietenau verkämpft, die dann aber geschlossen werden musste, weil ein Kind zu wenig angemeldet wurde. Deshalb seine Feststellung, dass das Wohl und Wehe der Schule letztlich an den Eltern liege. Sie müssten bereit sein, ihr Kind auf die Gemeinschaftsschule zu schicken. Raichle schlug deshalb eine Befragung aller Eltern vor.

Das prächtige Schulgebäude in Rietenau fristet ein trauriges Dasein. „Ein leer stehendes Gebäude verkommt“, sagt Raichle und macht folgende drei Vorschläge für die künftige Nutzung: Verwendung als Außenstelle oder Ersatz für die Containerlösung an der Conrad-Weiser-Schule, Umzug der Bücherei aus dem Großaspacher Rathaus in die Rietenauer Schule und schließlich die Einrichtung einer Kindertagesstätte mit Ganztagsbetreuung und Umzug des Kindergartens Trinkgasse in die Schule.

Nun gehen Gemeinderat und Verwaltung demnächst auf eine Klausurtagung. Die Conrad-Weiser-Schule wird eines der wichtigsten Themen sein.

  Bei einem Nachmittag der offenen Tür am Dienstag, 27. Februar, 16 bis 19.30 Uhr gibt es Aktionen und Einblick in das Schulprofil der Gemeinschaftsschule.