Eingang zur Stadt soll attraktiver werden

Außengastronomie statt Autostellplätzen – Öffentlicher Raum rund um die Aspacher Brücke wird kräftig umgebaut

Die Zeiten, in denen Stadtplaner nahezu alles dem Autoverkehr untergeordnet haben, sind vorbei. Auch Backnang setzt mit der Neugestaltung des Bereichs rund um die Aspacher Brücke ein deutliches Zeichen für die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer und sorgt zugleich für eine optische Aufwertung des Stadteingangs. Das Gesamtprojekt kostet insgesamt vier Millionen Euro. Die Umsetzung zieht sich bis ins Jahr 2020. Der Ausschuss Technik und Umwelt hat sich einstimmig dafür ausgesprochen.

So stellen sich die Planer die künftige Eduard-Breuninger-Straße vor. Die Belange von Fußgängern und Radfahrern werden stärker berücksichtigt. Visualisierungen: BHM-Stadtplanung

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Aspacher Brücke ist in den vergangenen Tagen abgerissen worden. Dies war notwendig, weil das Bauwerk wegen seiner geringen Durchlasshöhe im Falle eines Hochwassers die Murr aufgestaut hätte. Den jetzt fälligen Neubau der Brücke nutzt die Stadt, um gleich mehrere Ziele zu verwirklichen. So möchte sie dieses wichtige Einfallstor zur Stadt mit seinen Straßen- und Platzflächen gestalterisch aufwerten. Bislang war der Stadteingang im unteren Bereich der Eduard-Breuninger-Straße und der Schillerstraße nämlich eher stiefmütterlich behandelt worden, die Optik musste hinter den funktionalen Aufgaben zurückstehen. Nun jedoch haben sich die Verantwortlichen der Stadt vorgenommen, „einen erkennbaren Stadteingang“ zu formen. In diesem Zug soll auch das zweite Ziel verwirklicht werden, die bessere Verknüpfung der Gerberstraße mit der Innenstadt. Denn nach dem Brückenneubau wird der benachbarte Kreisverkehr, der bislang nur als Provisorium existierte, endgültig ausgebaut. Weil dies wiederum Auswirkungen auf die zuführenden Straßen hat, gibt es auch dort Änderungen, die allesamt der Aufwertung des Stadtbilds dienen. In der Sitzung des Ausschusses Technik und Umwelt stellte Baudezernent Stefan Setzer die wichtigsten Änderungen vor.

Eduard-Breuninger-Straße: Nach dem Brückenneubau, der wohl im Juni abgeschlossen werden kann, sollen die Arbeiten in der Eduard-Breuninger-Straße und dem Eingangsbereich der Schillerstraße weitergehen. Dort soll die Trennung zwischen Fahrbahn und Fußgängerbereichen – soweit möglich – optisch aufgelöst werden. Setzer: „Dies sorgt in den künftig als Tempo 30 ausgewiesenen Zonen für ein gleichberechtigtes Miteinander der Verkehrsteilnehmer.“ Setzer räumte ein, dass dies nicht einfach sei, schließlich handele es sich bei der Eduard-Breuninger-Straße um eine viel befahrene Verbindung. Geplant sind breitere Gehwegzonen und ein Aufenthaltsbereich mit Außengastronomieflächen im Bereich des Kinos. Natursteinelemente mit witterungsbeständigen Holzauflagen dienen als Sitzbänke. Die vier Stellplätze vor dem Kino entfallen. Mehrere Bäume müssen aus verschiedensten technischen Gründen gefällt werden. Gleichzeitig werden jedoch mehrere Baumquartiere geschaffen, sodass die Natur nach der Umgestaltung besser zur Geltung kommt. An verschiedenen Stellen werden Abstellmöglichkeiten für Fahrräder samt einer E-Ladestation (Gerberstraße) realisiert. Geplant ist ferner eine Änderung bei den Buslinien, so könnte die Bushaltestelle in die Gerberstraße verlegt werden. Die Neugestaltung der Eduard-Breuninger-Straße endet vorerst an der Einmündung Grabenstraße, soll aber – wenn die Projekte Kronenhöfe und Engelkreuzung umgesetzt werden – in einem Guss durchgezogen werden.

Kreisverkehr: Als nächster Schritt folgt der Bau des Kreisverkehrs am Knotenpunkt Aspacher-/Gerber-/Talstraße. Der Außendurchmesser beträgt 28 Meter, der Durchmesser des inneren Rings neun Meter. Wie bei der Brücke auch wird die Fahrbahn zum Teil 50 Zentimeter angehoben werden. An allen Armen des Kreisels gibt es Fußgängerüberwege.

Gerberstraße: Große Änderungen sind auch in der Gerberstraße geplant, in der das Gestaltungskonzept mit den gleichen Materialien fortgeführt wird. So werden auch hier niedrige Bordsteine gesetzt, die als „dezente Abgrenzung zur Asphaltfahrbahn“ dienen. Die Parkplätze im Bereich Windmüller werden künftig senkrecht zur Fahrbahn angeordnet und können so aus beiden Richtungen angefahren werden. Die beiden Bushaltestellen sind künftig dank eines 21 Zentimeter hohen Busbordsteins barrierefrei, insofern Niederflurbusse eingesetzt werden.

Aspacher Straße: Die Aspacher Straße wird nach dem Kreisverkehr vorerst auf einer Länge von 60 Metern ausgebaut. Der Rest folgt, wenn der Kreisel zur Schöntaler Straße/Friedrichstraße gebaut wird. Die reine Fahrbahn (ohne Schutzstreifen) wird auf 6,5 Meter verengt und die Gehwege werden verbreitert. Für Radfahrer werden beidseitig Schutzstreifen angelegt. Die sind dann 1,5 Meter breit und haben noch einen zusätzlichen Sicherheitstrennstreifen zu den Pkw-Längsstellplätzen. Stadtbauamtsleiter Hans Bruss: „Die verdienen dann auch den Namen Schutzstreifen.“ Auch in diesem Bereich werden mehrere Bäume neu gepflanzt.

Talstraße: Die Talstraße wird auf einer Länge von 120 Metern ausgebaut. Die Gesamtfahrbahnbreite beträgt hier im Mittel 9,5 Meter. Auf der Seite zur Murr hin wird eine Hochwasserschutzmauer errichtet. Direkt nach der Aspacher Brücke schließt sich ein Tiefufer an, zu dem Besucher von beiden Seiten über Treppen zur Murr hinabsteigen können. Die Längsstellplätze entfallen. Die Bushaltestelle Stadtmühle wird barrierefrei umgebaut. Der Wertstoffcontainerplatz wird in die Seitenfläche integriert und um zwei Containerstellplätze und zwei Stellplätze für Autos erweitert.

Aspacher Brücke: Bei der Neugestaltung wird besonderen Wert auf die Optik gelegt. Dies beginnt schon bei der Beleuchtung der Brücke. In den Brückenköpfen werden Leuchtstelen integriert, die den Stadteingang betonen und die nicht nur die Brücke, sondern auch die Vorplätze beleuchten. Die vier skulpturalen Brückenköpfe selbst werden individuell an die jeweilige Situation vor Ort angepasst. Sie werden aus beschichtetem Stahl hergestellt und bilden den technisch komplexen Übergang zwischen dem Geländer der Brücke und dem Geländer der anschließenden Hochwasserschutzmauern. Als gestalterisches Highlight und als Reminiszenz an das Brückenhäuschen, das bis zum Zweiten Weltkrieg an der Ecke Aspacher Brücke/Gerberstraße stand, wird die Silhouette des Häuschens am alten Standort aus Stahl nachgebildet. Besucher können auf einer Sitzbank Platz nehmen und haben durch das Tor den Blick auf die Murr und das gegenüberliegende Ufer. Auf der Glasbrüstung im unteren Bereich ist als Illustration eine historische Stadtansicht zu sehen.

Die Ausschussmitglieder waren insgesamt sehr zufrieden mit der Planung. Heinz Franke (SPD) befürchtete lediglich, dass die Durchfahrt durch die verkehrsberuhigte Grabenstraße mit der direkten Anbindung an die Eduard-Breuninger-Straße als unerwünschter Nebeneffekt noch attraktiver werde, da der Schlenker über den Kreisverkehr wegfällt. Alfred Bauer (BfB) forderte, die Zebrastreifen weiter vom Kreisel abzurücken. Er befürchtete ansonsten ein Verkehrschaos. Laut Straßenverkehrsordnung ist dies jedoch nicht möglich, erklärte Setzer. Zudem würden Passanten die Überwege nicht nutzen, wenn sie dafür einen zu großen Umweg in Kauf nehmen müssten. Sabine Kutteroff (CDU) regte an, die Aspacher Straße zügig weiterzubauen, „sonst würden die Fahrradstreifen im Nirwana enden“.