Bekanntes in jazzigem Gewand

Winterkulturtage: Entspannte Atmosphäre beim Konzert des Trios Euroblue in Sechselberg

Traditionelle Melodien sind die Grundlage ihrer Arrangements (von links): Andreas Spätgens, Bodo Ernst und Andreas Pastorek. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

ALTHÜTTE. Europäische Folksongs, Kinderlieder oder Weihnachtslieder verpacken sie in ein jazziges Gewand. Zwischen Improvisationen klingen selbst die Melodien von Kirchenliedern an. Das Trio Euroblue präsentierte „Folk, Jazz und Spirit“ in der Gaststätte Krone in Althütte-Sechselberg im Rahmen der Winterkulturtage. Die Band ist dem europäischen Jazz auf der Spur. Traditionelle Melodien sind die Grundlage ihrer Arrangements. Irische oder britische Folksongs kommen bei ihnen als jazzige Klänge daher. Auch aus dem Fundus deutschen Liedguts schöpfen die drei Musiker aus dem Remstal.

Die Melodien der deutschen Vorlagen sind den meisten Besuchern bestens bekannt. Doch klingen sie auf dem Piano von Andreas Spätgens nur kurz an und verlieren sich dann wieder in den Improvisationen, wie etwa beim Lied „Die Gedanken sind frei“. Andreas Pastorek kombiniert das Ganze mit den unterschiedlichsten Perkussionsinstrumenten. Die Schlitztrommel gibt dem Stück einen afrikanischen Touch. Zusammen mit Bodo Ernst am Bass produzieren sie ihren ganz eigenen Sound. Als „Weltmusik mit europäischen Einflüssen“ bezeichnet das Instrumental-Trio seine Musik. Den französischen Canon „Frère Jacques“, in Deutschland bekannt als „Bruder Jakob“, spielen sie in einer temporeichen spanischen Variante im Flamenco-Stil, und der vielseitige Perkussionist Andreas Pastorek kombiniert das Ganze mit Cajón und Kastagnetten. Selbst Klassiker aus dem Kirchengesangbuch, wie „Jesu geh voran auf der Lebensbahn“ oder „Nun danket alle Gott“ haben sie im Repertoire und präsentieren die Kirchenlieder instrumental mit Jazzakkorden und südamerikanischen Rhythmen. Die geistliche Musik bekommt ein ganz neues Kleid. Ihre CD, die 2016 erschienen ist, trägt übrigens den Titel: „Xangbuch“.

Das Grundthema lässt sich mitunter nur vage erahnen

Auch bei den Ohrwürmern aus der Kinderzeit, wie „Alle Vöglein sind schon da“ oder „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ klingen die Tonfolgen nur als Grundthema an. Kaum hat man die Melodie erkannt, schon driftet das Thema wieder ab in Improvisationen oder Soli der Musiker. Manchmal lässt sich das Grundthema nur vage erahnen, etwa, wenn es um das „Moorsoldatenlied“ oder „Bella Ciao“ von Hannes Wader geht. Für die Besucher gerät das Konzert zum heiteren Liederraten.

Eine entspannte Atmosphäre herrscht beim Konzert des Trios in der Gaststätte Krone. Rund fünfzig Besucher sind zu dem Beitrag zur Veranstaltungsreihe „Winterkulturtage im Schwäbischen Wald“ nach Sechselberg gekommen. Beim stark rhythmisierten „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ von Paul Gerhardt wippen die Zuhörer mit. Es ist erfrischend, was die Musiker aus dem Lied aus dem 17. Jahrhundert machen.

Um Liebe und Treue gehe es, kündigt der Pianist Andreas Spätgens, der übrigens Ex-Bürgermeister von Remshalden ist, ein Stück an. Die gefühlvoll gespielte Ballade entpuppt sich als das Weihnachtslied „Oh Tannenbaum“. In nur wenigen Akkorden taucht die bekannte Melodie auf, um dann wieder in jazzige Improvisationen abzuschweifen, sich in ganz andere Gefilde zu begeben und schließlich wieder zu Fetzen der altbekannten Melodie zurückzukehren.

Nach einem Abstecher zu keltischen Volksliedern geht es bei der instrumentalen Reise wieder zurück in die Heimat. Zum Abschluss gibt es noch etwas zum Mitsingen für das Publikum, sofern es bei dem Tempo mithalten kann. Spaß haben die Besucher beim Rappen und Mitklatschen zum schwäbischen Lied: „Auf ’m Wasa graset d’ Hasa“. Mit viel Spielfreude haben die Musiker des Trios altbekannte Lieder zu ihrer ganz eigenen musikalischen Spielwiese gemacht.