Neue Toilette reinigt sich selbst

Bis zum Sommer bekommt der Annonaygarten eine moderne WC-Anlage für 140 000 Euro

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Um Geld zu sparen, hatte der Backnanger Gemeinderat beim Bau des neuen Annonaygartens auf eine Toilette verzichtet. Inzwischen sind sich alle Fraktionen einig, dass das ein Fehler war, denn der Weg bis zum nächsten öffentlichen WC an der Bleichwiese ist vor allem für Eltern mit kleineren Kindern zu weit. Deshalb soll das Versäumte möglichst schnell nachgeholt werden: Im Ausschuss für Technik und Umwelt hat die Verwaltung nun ihre Planung für eine öffentliche WC-Anlage vorgestellt.

Das neue Toilettenhäuschen soll nur eine Kabine für beide Geschlechter haben. Darin befinden sich ein behindertengerechtes WC, ein Pissoir und ein Wickeltisch. Gebaut werden soll es neben dem Imbisswagen zwischen Annonaygarten und dem Parkplatz Bleichwiese. Hauptargument für diesen Standort: Dort gibt es bereits Anschlüsse für Wasser, Strom und Abwasser, während man die Leitungen an anderer Stelle erst aufwendig verlegen müsste. Außerdem liegt er zentral und ist von allen Seiten gut einsehbar: „So gibt es auch eine soziale Kontrolle“, sagt Baudezernent Stefan Setzer. Denn die Erfahrung hat gelehrt, dass die Vandalismus-Schäden an einsam gelegenen Orten noch größer sind.

Wobei Verschmutzung und Zerstörungswut ein generelles Problem bei öffentlichen Toiletten sind. Deshalb will die Stadt erstmals in Backnang eine Toilette anschaffen, die nicht nur vandalismussicher ist, sondern sich auch selbst reinigt. Sowohl die Klobrille als auch der Fußboden werden nach der Nutzung vollautomatisch gereinigt und desinfiziert. Außerdem ist die gesamte Innenausstattung inklusive Kloschüssel aus unzerstörbarem Edelstahl. Das Häuschen selbst besteht aus Beton, könne von außen aber mit farbigen Glas- oder Kunststoffplatten optisch ansprechend gestaltet werden, erklärt der Leiter des Stadtbauamtes, Hans Bruss.

Gebühr von 50 Cent soll
Vandalen abschrecken

So viel Luxus hat seinen Preis. Und so ging ein hörbares Raunen durch die Reihen der Stadträte, als Erster Bürgermeister Siegfried Janocha die Kostenschätzung bekannt gab: 140000 Euro. „Das ist schon sehr teuer“, räumte Janocha ein, konnte zur Beruhigung der Räte aber ergänzen, dass mit einem Zuschuss von 60Prozent aus dem Sanierungsprogramm Stadtumbau West zu rechnen sei. Der Eigenanteil reduziert sich dadurch auf 56000 Euro. Im Gegenzug spart die Stadt Kosten beim Unterhalt, denn dank der Selbstreinigungsfunktion muss sie keinen Putztrupp losschicken. Trotzdem werde die Toilette mindestens einmal täglich von einem Mitarbeiter kontrolliert, verspricht Hans Bruss.

Wer die neue Toilette nutzen will, muss an der Eingangstür eine 50-Cent-Münze einwerfen. Dabei gehe es weniger um die Einnahmen als darum, Vandalen abzuschrecken, sagt Bruss. Denn wer eine Toilette beschädigen möchte, hat in der Regel keine Lust, dafür zu bezahlen. Auch bei der Toilette an der Bleichwiese hat die Stadt deshalb vor einiger Zeit einen solchen Münzeinwurf nachgerüstet. „Seitdem ist es dort deutlich besser geworden“, berichtet Bruss.

Bei den Gemeinderäten stößt der Vorschlag auf breite Zustimmung, lediglich Karl Scheib (Bürgerforum Backnang) äußerte Kritik: „Ich würde die Toilette nicht an einer so prominenten Stelle bauen“, erklärte Scheib. Stattdessen schlug er einen Standort in der Nähe des Feuerwehrhauses vor. Die Verwaltung hält davon aber nichts: Erstens werde es dort wegen der fehlenden Anschlüsse noch teurer, zweitens sei der Standort zu versteckt, argumentierte Baudezernent Setzer. Die Mehrheit der Stadträte schloss sich seiner Meinung an.

Nun wird das etwa elf Quadratmeter große Häuschen wie vorgeschlagen zwischen Park und Parkplatz errichtet, der Imbisswagen soll dafür um ein paar Meter verschoben werden. Den Auftrag muss die Stadt jetzt öffentlich ausschreiben. Der Bau ist laut Hans Bruss nicht allzu aufwendig, da der Hersteller das Häuschen bereits fertig montiert anliefert. Vor Ort muss es dann nur noch auf die Fundamente gesetzt und angeschlossen werden. Wenn alles läuft wie geplant, soll die neue Toilette bis zu den Sommerferien einsatzbereit sein.

Die Vorgabe des Gemeinderates, für den Bau des Annonaygartens nicht mehr als eine Million Euro auszugeben, ist nun zwar nachträglich verfehlt worden. Einziger Trost: Hätte man die Toilette schon damals gebaut, wäre es laut Hans Bruss auch nicht viel billiger gewesen.