Der Winter schlägt noch einmal zu

Bei konstanten Minusgraden haben die Leute mit diversen Unannehmlichkeiten zu kämpfen – Gefahr der Unterkühlung ist groß

Kalte Luft aus dem Norden und Nordosten beschert Deutschland momentan noch einmal einen richtigen Winter. Zwar scheint oftmals die Sonne, die Temperaturen bleiben jedoch frostig – vor allem nachts zeigt das Thermometer oft zweistellige Minusgrade an. Diese Kältewelle wirkt sich auf verschiedene Bereiche des Alltags aus.

Bei zweistelligen Minusgraden bilden sich auch am Treibgut in der Murr Eiszapfen. Fotos: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Schon vor dem Wochenende hat der Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) vor der „Saukälte“ gewarnt und geraten, lange Unterhosen anzuziehen. Nun sind die frostigen Temperaturen da und so manch einer mag es an der einen oder anderen Stelle bereits zu spüren bekommen haben. Wie kann verhindert werden, dass das Auto nicht anspringt? Kann das Wasser in den Leitungen gefrieren? Wann besteht beim Aufenthalt draußen eine Gefahr für die Gesundheit? Diesen und weiteren Fragen sind wir nachgegangen.

„Zwiebellook“ ist angesagt: Wer in diesem Tagen nach draußen muss, ist gut damit beraten, sich warm anzuziehen. Aber warm allein ist nicht genug. „Mehrere Schichten wärmen besser als eine dicke. Die äußerste Schicht sollte winddicht sein“, teilt die Bergwacht Württemberg mit. Da der Mensch einen Großteil der Wärme über den Kopf verliere, sollte man nicht ohne Mütze aus dem Haus gehen. „Ein Schal kann zur Not bis unter die Augen gezogen werden und schützt die kälteempfindliche Nase- und Wangenpartien“, heißt es außerdem. Wer draußen sein muss, sollte immer wieder Aufwärmpausen einlegen, sonst drohen neben einer Unterkühlung auch Erfrierungen. Es gelte die Devise: Wer schlottert, muss rein. Kinder seien schneller unterkühlt als Erwachsene, deswegen sei bei ihnen besondere Vorsicht geboten. „Zittern, blässliche Haut und blaue Lippen sind die ersten Anzeichen“, teilt die Bergwacht mit. Unterkühlte Personen sollten schleunigst ins Warme gebracht werden. Sie sollten ihre kalte, nasse Kleidung ausziehen und sich in warme Decken hüllen. „Alkoholfreie warme – nicht heiße – Getränke mit Zucker helfen bei der Erwärmung.“

Nicht wegschauen: Weil obdachlose Menschen bei winterlichen Kälteeinbrüchen großen Gefahren ausgesetzt sind, appellierte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha an die Bevölkerung, besonders auf wohnungslose Menschen zu achten. „Bei den derzeitigen Temperaturen draußen zu übernachteten, kann lebensbedrohlich sein.“ Wer eine obdachlose Person entdeckt, die bei diesen eisigen Temperaturen im Freien übernachtet, ist verpflichtet, Hilfe zu leisten. Über die Notrufnummer 110 sollte die Polizei verständigt werden. Die Beamten organisieren dann ein Notquartier für die betroffene Person. Besteht eine akute gesundheitliche Gefahr, sollte außerdem der Rettungsdienst verständigt werden. Sogenannte Wärmebusse, die durch die Stadt fahren und gezielt nach Hilfsbedürftigen suchen, gebe es in Backnang nicht, sagt Pressesprecher Hannes Östreich. Sowohl die Stadt Backnang als auch die Erlacher Höhe stellen Obdachlosen jedoch ein Dach über dem Kopf zur Verfügung. Eine erhöhte Nachfrage sei bisher nicht festzustellen, ergänzt Östreich.

Losfahren leicht gemacht: Wer sein Auto regelmäßig checken lässt, müsse sich wegen der Kälte kaum Sorgen machen, sagt Reiner Äckerle, Pressesprecher der Kfz-Innung Stuttgart und Kreisvorsitzender Rems-Murr. Wichtig sei momentan, dass die Batterie aufgeladen ist. „Starthilfe ist nur eingeschränkt zu empfehlen“, sagt Äckerle. Denn wenn die Kabel falsch angeschlossen werden, könne die Elektronik Schaden nehmen. Er empfiehlt darüber hinaus, eine Rettungsdecke mitzunehmen – „falls man in einen Unfall gerät oder im Stau steht“. Zudem gelte es, Wischblätter sowie Wisch- und Kühlwasser zu überprüfen und mit Frostschutzmittel zu versetzen. „Den Scheibenwischer sollte man nicht betätigen, wenn er angefroren ist“, rät der Fachmann. Wer gedenkt, auf Schneeketten zu fahren, sollte das Anbringen im Vorfeld schon geübt haben.

Die Arbeit geht weiter: Trotz der eisigen Kälte komme es auf den Baustellen in Backnang nicht zum Stillstand, sagt der Pressesprecher der Stadt, Hannes Östreich. Erdaushub sei auch dann möglich, wenn der Untergrund gefroren ist. „Beton- und Asphaltarbeiten sind momentan aber nicht möglich“, schränkt er ein. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs seien trotz Minustemperaturen im Einsatz. „Sie sind natürlich mit besonderer Wärmeschutzkleidung ausgestattet“, erklärt Östreich. Grünarbeiten stünden genauso auf dem Plan wie der Winterdienst oder die Stadtreinigung. „Da kann ohne Einschränkungen gearbeitet werden“, sagt der Pressesprecher.

Obstbauern bleiben entspannt: Im April 2017 hat der Frost bei den Obstbauern zu großen Einbußen geführt. Zu dieser Jahreszeit sind die Auswirkungen der Kälte weitaus geringer. „Ich rechne deshalb nicht mit Schäden“, sagt Obstbauer Martin Körner aus Backnang-Strümpfelbach. Im Gegenteil, die meisten seiner Zunft freuten sich darüber, dass es nun noch einmal richtig Winter geworden ist. „Sonst lockt das Wetter die Blüten zu früh raus. Wir haben ja gesehen, wie das ausgehen kann“, sagt Körner im Hinblick auf das vergangene Jahr. Kulturen wie Aprikosen oder Pfirsiche seien zu dieser Jahreszeit schon etwas weiter, da könne der Frost schädliche Auswirkungen haben. Bei Erdbeeren und Getreide sei eher der Sonnenschein das Problem: „Der verleitet die Pflanzen dazu, Fotosynthese zu betreiben. Weil sie aber aus dem Boden kein Wasser ziehen können, vertrocknen sie.“ Da die Kälteperiode aber nicht allzu lange ist, sei das alles noch kein großes Problem. „Ich bin derzeit noch entspannt“, sagt Körner.

Festgefrorener Müll: „Auch wenn sich die Müllwerker noch so anstrengen, kann es vorkommen, dass insbesondere bei feuchten Bioabfällen, Tonnen nicht oder nur teilweise geleert werden können“, informiert die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM). Der Grund dafür sei Müll, der an den Tonnen festgefroren ist. Sofern möglich, rät die AWRM dazu, die Tonnen in der Garage, im Schuppen oder nahe der Hauswand zu platzieren. Auch könne es helfen, den Boden der Biotonne mit zerknülltem Zeitungspapier, Ast- und Strauchschnitt oder Eierkartons auszulegen. Auch Zwischenlagen aus dem gleichen Material werden empfohlen. Laut der AWRM können betroffene Bürgerinnen und Bürger die Bioabfälle, die nicht mehr in die Tonne passen, bei der nächsten Leerung in geeigneten Behältnissen bereitstellen.

Wenig Gefahr für Wasserleitungen: Auch wenn es sich gefühlt anders verhält, für ernsthafte Schäden an den Wasserleitungen war es noch nicht lange genug richtig kalt. „Erst wenn es mal für ein bis zwei Wochen Dauerfrost hatte, kann es da zu Schäden kommen“, erklärt Hannes Östreich. Aber selbst dann sei das für die Stadtwerke keine besonders ungewöhnliche Aufgabe: „Dann wird der Boden aufgegraben und der Schaden behoben.“ Anders sieht das Ganze bei Außenleitungen aus. Jan Kusche von der Freiwilligen Feuerwehr Backnang kennt das Problem vor allem für die Anschlüsse im Garten: „Das könnte zum Problem werden, denn wenn die gerissenen Leitungen wieder auftauen, läuft gerne mal der Keller voll.“ Viel gefährlicher sei allerdings, wenn die Betroffenen versuchen, ihre Leitungen selbst wieder aufzutauen – beispielsweise mit einer Lötlampe. Das an einer Holzfassade – da habe der Besitzer bald andere Sorgen als eine zugefrorene Leitung. Besser seien da Haartrockner, Heizlüfter, Heißluftgebläse, ein Dampfstrahlgerät oder Tücher, die in heißes Wasser getaucht wurden.

Keine Einschränkungen für Einsatzkräfte: Auch wenn sich auf manch einem Gewässer inzwischen eine Eisschicht gebildet hat, kann die Feuerwehr Entwarnung geben: Das Löschwasser bleibt flüssig. „Unsere Hydranten liegen sehr tief“, beruhigt Jan Kusche, der Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Backnang. Da könne eigentlich nichts passieren. Achtgeben müssen die Einsatzkräfte eher, weil sie sich selber oft länger im Freien aufhalten. „Auch wir müssen uns warm anziehen und sind froh, wenn wir eine Wollmütze dabei haben“, sagt Jan Kusche. Vor allem, wenn die Wehrleute nach einem Einsatz verschwitzt zurückkehren, müsse besonders darauf geachtet werden, sie schnell wieder ins Warme zu bringen.

Bessere Aussichten: Mindestens bis Donnerstag bleibt es laut Deutschem Wetterdienst im Süden frostig. Ab dem Wochenende würden die Temperaturen hingegen milder, bei überwiegend sonnigem Wetter. Zu Anfang der kommenden Woche könnten sogar schon wieder zweistellige Plusgrade erreicht werden.