Ideen für den Bahnhof der Zukunft

Sieger des Architektenwettbewerbs für die Backnanger Mobilitätsdrehscheibe gekürt – Erster Preis geht an Berliner Büro

Backnang hat viele schöne Ecken, der Bahnhof und sein Umfeld gehören nicht dazu. Deshalb soll dieser Bereich in den kommenden Jahren neu gestaltet werden. Ideen dafür wurden nun in einem Architektenwettbewerb gesammelt. Der erste Preis ging an ein Büro aus Berlin, was aber noch nicht heißt, dass dessen Pläne auch realisiert werden.

So könnte der neue Backnanger Busbahnhof in einigen Jahren aussehen: Architektin Eva-Maria Boemans aus Berlin schlägt als Wetterschutz eine Ringkonstruktion mit V-förmigen Stützen und einer Holzbeplankung an der Unterseite vor. Visualisierung: TDB Landschaftsarchitektur

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Zehn Stunden lang hat sich das Preisgericht, bestehend aus Vertretern der Verwaltung, Stadträten und externen Experten, am vergangenen Freitag mit den 16 eingereichten Vorschlägen beschäftigt und am Ende drei Preise sowie zwei Anerkennungen vergeben. Die prämierten Arbeiten wurden am Montagabend in der Kundenhalle der Volksbank Backnang öffentlich vorgestellt.

Die teilnehmenden Büros hatten die Aufgabe, ein Gesamtkonzept für den etwa 600 Meter langen, schlauchförmigen Abschnitt zwischen dem Park-and-ride-Parkhaus und dem Parkplatz an der Oberen Bahnhofstraße zu entwickeln. Wichtigstes Element ist dabei ein neuer Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB), der an der Stelle gebaut werden soll, wo momentan noch der Güterschuppen steht. Im Bereich des heutigen ZOB soll dafür eine sogenannte Mobilitätsdrehscheibe entstehen: Geplant sind dort unter anderem ein Fahrradparkhaus, Ladestationen für Elektroautos sowie Stellplätze für Carsharing und Kurzzeitparker.

Erneuert werden muss außerdem die Verbindungsbrücke zur Maubacher Höhe: Mit Aufzügen soll sie künftig einen barrierefreien Zugang zu allen Bahnsteigen schaffen. Auch der Bahnhofsvorplatz wird neu gestaltet: Von einem „Stadtbalkon“ aus können ankommende Besucher dort künftig einen ersten Blick über Backnang werfen. Und schließlich haben sich die Architekten auch Gedanken über ein neues Bahnhofsgebäude gemacht, wenngleich die Stadt dort selbst gar nichts verändern kann, weil die Immobilie der Deutschen Bahn gehört.

Bahn will Bemühungen

der Stadt unterstützen

Der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Franz Pesch von der Universität Stuttgart, stellte am Montagabend die preisgekrönten Entwürfe vor und lobte die hohe Qualität der Beiträge: Alle Teilnehmer hätten sich „kritisch und kreativ mit diesem Ort auseinandergesetzt“. Das Votum für den ersten Preis sei am Ende dennoch einstimmig ausgefallen: Das überzeugendste Konzept hatte aus Sicht der Jury das Büro TDB Landschaftsarchitektur eingereicht. Die Berliner hätten „eine besonders schöne Idee für den Gesamtraum entwickelt“, lobte Pesch.

Das von Eva-Maria Boemans und Karl Thomanek entwickelte Konzept sieht vor, das bestehende Bahnhofsgebäude durch einen L-förmigen Neubau zu ersetzen, der vorne vier Stockwerke hat, im hinteren Bereich aber nur einstöckig ist. Durch die Form des Gebäudes entstehe davor eine „ganz eigene, geschützte Räumlichkeit“, sagte Pesch. Gut gefallen hat der Jury auch der Vorschlag für den ZOB: Ein ringförmiges Dach auf einer filigranen Stahlkonstruktion soll die Wartenden bei schlechtem Wetter schützen.

Das Park-and-ride-Parkhaus wollen die Planer erhalten, es soll jedoch durch eine begrünte Fassade ein neues Gesicht bekommen. Im Bereich des heutigen ZOB soll ein Zwischengeschoss eingezogen werden, in dem Fahrradboxen und Ladestationen für Pedelecs untergebracht werden. In Richtung Bürgerhaus sieht der Siegerentwurf ein weiteres dreistöckiges Parkhaus vor, das jedoch ein Stück in die Erde eingelassen wird, damit es den Blick ins Tal nicht verstellt.

Für den ersten Platz erhält das Büro TDB ein Preisgeld von 36000 Euro, allerdings noch nicht den Zuschlag, das Konzept auch umzusetzen. Wie Baudezernent Stefan Setzer erläuterte, werden auch die Entwürfe, die auf den Plätzen zwei und drei gelandet sind, noch einmal intensiv geprüft und bewertet.

Neben der Architektur geht es dann auch etwa um die Frage, ob die Büros über das Know-how und die nötige Erfahrung verfügen, um ein solches Projekt umzusetzen. Bis Jahresende soll der Gemeinderat dann darüber entscheiden, welches Konzept weiterverfolgt wird. Für Oberbürgermeister Frank Nopper hat die Umgestaltung des Bahnhofs hohe Priorität: „Wir wollen sobald als möglich so viel wie irgend möglich vom Geplanten in die Realität umsetzen“, sagte er am Montagabend. Der Backnanger Bahnhof solle zu einem „architektonischen Ereignis“ werden, erklärte der OB und nahm dabei auch die Bahn in die Pflicht: „Wir brauchen auch ein neues oder zumindest ein besseres Bahnhofsempfangsgebäude“, forderte Nopper an die Adresse von Michael Groh, der bei der Bahn-Tochter DB Station & Service AG für die Bahnhöfe im Südwesten zuständig ist. Der machte zwar keine Zusagen, erklärte aber grundsätzlich die Bereitschaft der Bahn, die Bemühungen der Stadt zu unterstützen: „Auch wir wünschen uns dort eine Verbesserung“, sagte Groh.

Wann der Backnanger Bahnhof im neuen Glanz erstrahlen wird, ist noch offen. Aufgrund der Kosten, die im zweistelligen Millionenbereich liegen dürften, werde die Stadt das Projekt nur stufenweise umsetzen können und sei dabei auf Zuschüsse von Bund und Land angewiesen, verdeutlichte Baudezernent Setzer.

Erster Baustein ist die neue Brücke: Sie wird im Zuge der von der Bahn geplanten Anhebung und Verlängerung der Bahnsteige gebaut und soll bis 2020 fertig sein. Anschließend sollen der ZOB und die weiteren Teilabschnitte folgen. Im besten Fall könnte das Gesamtprojekt laut Stefan Setzer in fünf bis sieben Jahren abgeschlossen sein, sofern sich die finanzielle Lage der Stadt in dieser Zeit nicht wesentlich verschlechtert.

  Die preisgekrönten Wettbewerbsbeiträge können bis zum 15. März während der Öffnungszeiten in der Kundenhalle der Volksbank Backnang in der Schillerstraße 18 besichtigt werden.