Mehr Biolebensmittel in Kantinen und Mensen

Landkreis prüft, ob der Anteil biologisch erzeugter Produkte aus der Region in kreiseigenen Einrichtungen erhöht werden kann

Was kommt in den Kantinen der Kliniken auf den Teller? Die Kreisräte wollen erreichen, dass Biolebensmittel künftig stärker berücksichtigt werden. Foto: Rems-Murr-Kliniken

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Der Landkreis soll eine Vorbildfunktion einnehmen und mehr Biolebensmittel in Kantinen und Mensen einsetzen. Das fordern zahlreiche Kreisräte. Die Rede ist von einem zehnprozentigen Anteil, der in den kreiseigenen Einrichtungen verwirklicht werden soll.

Das Thema hatten Linke und ÖDP aufs Tapet gebracht. Zur Haushaltsberatung im vergangenen Herbst legten sie einen Antrag vor, der die Förderung der regional-biologischen Landwirtschaft zum Ziel hatte. Sowohl aus ökologischer als auch aus gesundheitlicher und erzieherischer Sicht habe es Sinn, regional und biologisch erzeugte Lebensmittel verstärkt einzusetzen, so argumentierten die Antragsteller.

Die Kreisverwaltung indes zeigte sich zunächst zögerlich. Sie verwies auf die vielfältigen bereits laufenden Programme, vom Direktvermarkter-Label „Natur von hier“ bis hin bis zur Aktion „Gläserne Produktion“ oder zur Interessengemeinschaft „Limes plus“. Im Angebot sind auch Workshops unter dem Titel „Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule“, unter anderem am 27. Juni in Murrhardt. Darüber hinaus können Erzeuger an Fördermöglichkeiten der EU und des Landes partizipieren.

Doch das genügt den Kreisräten nicht, wie jetzt im Umwelt- und Verkehrsausschuss deutlich wurde. So beklagte Thomas Bezler (ÖDP) den unfairen Wettbewerb, der die kleinen biologisch wirtschaftenden Betriebe benachteilige. So auch Dr. Astrid Fleischer (Grüne): Sie bemerkte einen „Zielkonflikt“ von regionalen Produkten einerseits und biologischen Erzeugnissen andererseits – beides zusammen wäre optimal. Die Biobetriebe könnten im Wettbewerb aber nicht mithalten: „Sie kommen in die Vermarktungsstrukturen nicht rein“, sagte sie.

An dieser Stelle hakte Hermann Beutel (CDU) ein. Der Landwirt forderte, Nägel mit Köpfen zu machen – der Landkreis müsse seiner Vorbildfunktion gerecht werden. Spontan stellte Beutel im Ausschuss den Antrag, zehn Prozent der Lebensmittel, die in den Kantinen der Kliniken und in den Mensen der beruflichen Schulen auf den Teller kommen, aus biologischem Anbau zu schöpfen.

Bislang, so räumte daraufhin der Erste Landesbeamte Michael Kretzschmar ein, werde für die Speisenversorgung nicht gezielt bio eingekauft. Das sei in den Kliniken auch schwer umzusetzen, dort müssten für die Patienten vielfach auch Diätpläne beachtet werden. Gleichzeitig gab er zu bedenken, um welches Volumen es in der Speisenversorgung geht – allein die Zahl der Mittagessen in den Kliniken betrage 700000 im Jahr. Würde ein fester Anteil Biowaren eingeführt, sei mit zusätzlichen Kosten zu rechnen. Kretzschmar sprach von fast einer Million Euro und riet dazu, auf einen Bioanteil zu sehen, wenn Pachtverträge neu ausgeschrieben werden. Das empfahl auch Landrat Richard Sigel, der im Übrigen daran erinnerte, dass die Speisenversorgung am Klinikum Winnenden erst im vergangenen Jahr für rund eine Million Euro neu aufgestellt wurde. Seitdem liege die Beschwerdequote bei null.

Doch Beutel ließ nicht locker. „Das Essen wird nicht um einen Euro teurer, wenn zehn Prozent bio ist“, hielt er dagegen und forderte, dass über seinen Antrag abgestimmt werden soll. Das stieß bei Jürgen Hofer (FDP/FW) auf Bedenken wegen der Verfahrensweise: Zu einem Antrag aus der Mitte der Kreisräte müsse die Verwaltung erst einmal eine Stellungnahme bringen. Deshalb könne man nicht jetzt und sofort darüber abstimmen. Wenn die Verwaltung aber eine entsprechende Zusage mache, sei das okay. Seine Fraktionskollegin Gudrun Wilhelm befand derweil, dass man im Landkreis schon auf dem richtigen Weg sei, und sprach sich gegen den ursprünglichen Antrag von Linke/ÖDP aus.

Landrat Sigel zeigte sich sodann bereit, Beutels spontan gestellten Antrag als Prüfauftrag auf- und mitzunehmen. Das fand auch ÖDP-Kreisrat Bezler gut: Die Verwaltung möge prüfen, was machbar ist, pflichtete er bei. Klaus Riedel (SPD) stimmte dem ebenfalls zu, man solle den Weg weitergehen und den Anteil biologischer Lebensmittel erhöhen. Gleichzeitig wies er aber noch auf einen speziellen Punkt hin: Bio sei nicht immer gleich ökologisch. Im Auge hatte er dabei Produkte, die in fernen Ländern zwar biologisch hergestellt werden, die aber erst mit viel Aufwand über weite Strecken transportiert werden müssen, um hierzulande auf den Markt zu kommen.