Kritik und Lob für ZOB-Entwurf

Auf Facebook werden die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs kontrovers diskutiert

Die Ideen des Büros TDB aus Berlin für die Neugestaltung des Backnanger Bahnhofsbereichs und den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) sorgen im Netz für heiße Diskussionen. Auf der Facebook-Seite der Backnanger Kreiszeitung melden sich zahlreiche Leser kritisch, einige aber auch lobend zu Wort.

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Aus 16 Wettbewerbsbeiträgen hatte ein 17-köpfiges Preisgericht am vergangenen Freitag einstimmig die Pläne der Berliner Landschaftsarchitekten Karl Thomanek und Eva-Maria Boemans ausgewählt und mit dem ersten Preis ausgezeichnet. In der Bevölkerung fällt das Meinungsbild allerdings nicht so eindeutig aus. Nachdem die BKZ gestern eine Visualisierung des neuen Busbahnhofs in der Zeitung und auch auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hat, wird die Frage, ob der Entwurf gelungen ist oder nicht, im Netz kontrovers diskutiert. Wobei sich, wie meistens in solchen Fällen, vor allem die Kritiker zu Wort melden.

„Das passt absolut null zur Altstadt Backnang. Viel zu modern“, lautet etwa das Urteil von Userin Mari Ini. „Scheußlich und Platzverschwendung“, kommentiert Sigrid Geierhas, und Andrea Schramm findet den Entwurf „so furchtbar wie in Schwäbisch Hall“ und fragt: „Gibt es in Deutschland keine normalen Architekten mehr?“ Neben Geschmacksfragen äußern auch etliche Leser Bedenken im Bezug auf die Funktionalität. „Dach viel zu klein, da werden die Wartenden definitiv nass“, befürchtet Jörg Günther. Ähnlich äußert sich auch Monika Eimert: „Das Teil sieht aus, als würde es darunter ziehen wie Hechtsuppe. Dazu ein Dach mit Loch in der Mitte. So was kann sich nur einer ausdenken, der nicht täglich bei Wind und Wetter auf den Bus warten muss.“

Aber es gibt auch Lob für die Pläne: „Ich finde den Entwurf sehr schön und ansprechend“, schreibt Userin Jüli De. „Sieht gut aus“, findet auch Flo Götz. Und Britta Lippok erinnert an frühere umstrittene Bauprojekte in Backnang: „Was haben sich die Bürger über unsere rostige Treppe am Stadtturm aufgeregt oder den Würfel auf der Bleichwiese – alles hat sich gut integriert.“

Baudezernent sieht Pläne

als Diskussionsbasis

Den Backnanger Baudezernenten Stefan Setzer überrascht die Kritik nicht, denn er weiß, dass Visualisierungen in der Öffentlichkeit gerne als unverrückbare Tatsachen aufgefasst werden. Tatsächlich stehe man aber erst ganz am Anfang eines langen Verfahrens: „Das ist ja noch ein Vorentwurf und nicht das, was am Ende gebaut wird“, erklärt Setzer. Selbst wenn sich der Backnanger Gemeinderat tatsächlich für den preisgekrönten Entwurf von TDB entscheidet, was noch nicht sicher ist, bedeute das nicht, dass dieser genau so umgesetzt wird, wie er in den jetzt vorgestellten Plänen dargestellt ist. Sollte sich im weiteren Verfahren etwa herausstellen, dass der Wetterschutz nicht ausreichend sei, müsse die Dachform eben noch mal überarbeitet werden. Auch von der Tatsache, dass in der Visualisierung des neuen ZOB kaum Sitzbänke zu sehen sind, dürfe man sich nicht irritieren lassen. „Selbstverständlich wird es Sitzgelegenheiten in ausreichender Zahl geben“, verspricht Stefan Setzer.

Auch den von einigen Usern geäußerten Vorwurf, hier werde über die Köpfe der Backnanger hinweg entschieden, lässt der Baudezernent nicht gelten. „Es wird zu diesem Thema noch diverse Veranstaltungen für die Bevölkerung geben. Dafür brauchen wir aber eine Basis, über die wir diskutieren können, und kein weißes Blatt Papier.“ Als eine solche Diskussionsbasis seien die nun vorgelegten Architektenentwürfe zu verstehen.

In einem Punkt ist sich aber auch die Facebook-Gemeinde einig: So, wie er heute ist, sollte der Backnanger Bahnhof nicht bleiben. „Seid doch froh, dass überhaupt Bewegung in diese Angelegenheit kommt. Oder wollt ihr zu Montagsdemos aufrufen: ‚Rettet unser tristes Bahnhöfle‘?“, schreibt Hermann-Georg Haller. Auch Marc Hamacher nimmt das Ganze mit Humor: „Solange keiner den Bahnhof unterirdisch legen will, sind alle Entwürfe besser als in Stuttgart.“