Die Jüngsten fürs Kochen begeistern

Im Gastromobil werden gastronomische Berufe authentisch erlebbar gemacht – Tests an der virtuellen Rezeption und am Herd

2,55 Meter breit, 12 Meter lang und 3,30 Meter hoch – das sind die Maße des Gastromobils. Dieser multimedial ausgebaute Linienbus macht die Berufe im Gastgewerbe erlebbar. Der Bus bietet abwechslungsreiche Spiele, Aktionen und Aufgaben und ist im Rahmen der Kampagne „Wir Gastfreunde“ des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in ganz Baden-Württemberg unterwegs. Das Gastromobil hat Halt in Backnang gemacht – an der Gemeinschaftsschule in der Taus.

Siggi Lechler (rechts) und sein Kollege Martin Eberhard stehen vor dem Bus und geben den Schülern einen Einblick, was sie gleich im Gastromobil erwarten wird. Fotos: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG.Wer Siggi Lechler zuhört, der könnte direkt Lust bekommen, in der Gastronomie zu arbeiten. Der Mann mit dem kräftigen Händedruck und dem freundlichen Lachen hat vier Jahrzehnte lang als Koch gearbeitet. „Es ist meine Leidenschaft“, gibt er offen zu. „Da geht nix drüber.“ Er stand auf Kreuzfahrtschiffen hinter dem Herd, in Klubs in Südeuropa und – bis zu einem schweren Motorradunfall – im Catering der Autorennserie Formel1. Jetzt betreut er das Mobil des Gaststättenverbands Dehoga, wirbt in dem umgebauten Linienbus zusammen mit dem ehemaligen Gastronomen Martin Eberhard aus Schiltach um künftige Köche und Hotelfachangestellte.

„Wir rocken heute hier den Bus“, lacht Lechler und wartet auf die erste Schülergruppe. Das Gastromobil hat für ein paar Unterrichtsstunden auf dem Hof der Gemeinschaftsschule in der Taus in Backnang Halt gemacht. „Den Bus hat man mit 800000 Kilometer von den Stadtwerken München übernommen und zu diesem Zweck umgebaut. In München war er als normaler Linienbus im Einsatz“, erläutert Lechler und beschreibt, was auf die Schüler zukommt.

Auszubildende zu gewinnen und den Fachkräftenachwuchs für das Gastgewerbe zu sichern, ist das Ziel der Kampagne „Wir Gastfreunde“. Herzstück ist dieses Gastromobil, in dem die Schüler unter Einsatz von Multimedia-Elementen eine virtuelle Fahrt durch die Welt der Hotellerie und der Gastronomie erleben. Aber nicht nur das: Im Bus gibt es eine Reihe von mit der Gastronomie und Hotellerie zusammenhängenden interaktiven Aktionen. Beispielsweise mit dem Kennenlernen und dem richtigen Einsatz von Gewürzen und Küchenutensilien. Gewichte schätzen, Kommunikation an einer Rezeption üben, Gerätememory spielen, Kochen üben oder einen Tisch virtuell eindecken – das sind nur einige Aufgaben, die in diesem Gastromobil erledigt werden können. Der Gastrosurfer ist eine besondere Attraktion – eigentlich: Nur an diesem Tag spinnt die Technik. Normalerweise erleben die Schüler hier eine virtuelle und zugleich bewegende Fahrt durch die Welt der Hotellerie und Gastronomie.

In der Gastrolounge werden

viele Fragen gestellt

Die erste Schülergruppe betritt den Bus. „Wir machen zwei Gruppen“, sagt Siggi Lechler. Die eine Gruppe macht sich daraufhin mit den verschiedenen Aktionen vertraut, die andere begibt sich in die Gastrolounge: Hier hören die Schüler aufmerksam und interessiert zu. Sie schauen sich einen Werbefilm an, in denen alle Azubis strahlen. Beispielsweise Mehmet, der eine Ausbildung zum Restaurantfachmann macht, oder Jasmin, die Hotelfachfrau lernt. In der Gastrolounge können die Schüler Fragen stellen. „Wie sind die Arbeitszeiten? Was verdienst man so?“ – das sind die am häufigsten gestellten Fragen, die Siggi Lechler schon geläufig sind. Immer wieder beantwortet er das gerne und schmunzelt dazu: „Aber auch wenn beispielsweise das Schichtarbeiten anstrengend sein kann – es macht eben auch einen riesen Spaß mit so einem Job. Und man kann sich vor allem immer in jegliche Richtung weiterbilden.“

Valentina, Sude und Viktoria stehen an der Gewürzbar und ordnen verschiedene Gewürze den benamten Dosen zu. „Gar nicht so einfach“, sagt Valentina, macht die Augen zu und konzentriert sich ganz auf den Duft, der ihr da aus der Dose entgegenkommt. „Das ist Zimt“, sagt sie voller Überzeugung.

Eine andere Gruppe ordnet beim Gastromemory verschiedene Geräte bestimmten Berufen zu, zum Beispiel die Knoblauchpresse dem Koch, oder die Eiswürfelzange dem Kellner. Bevor sich Clara, Melanie und Angelina an der virtuellen Rezeption betätigen und Kunden eines Hotels, die in Kurzfilmchen auftreten, freundlich empfangen, versuchen sie sich am virtuellen Kochen. Ein vorgegebenes Produkt wird angezeigt und die drei Mädels müssen mittels eines überdimensionalen Kochlöffels an der Wand die Zutaten berühren, die für dieses Essen benötigt werden. Beispiel: Pommes. Clara nimmt den großen Löffel in die Hand und berührt zielstrebig Kartoffeln, Salz und Fett – „Gewonnen“ zeigt der Monitor an. Viktoria steht mittlerweile vor einem Monitor und hat Kopfhörer auf: „Köche backstage“ ist diese Station betitelt. Ein Promikoch – in diesem Fall konnte man für diesen Kurzfilm den Stuttgarter Gastronomen Frank Oehler gewinnen – lässt die Schüler hinter die Kulissen blicken: Die Jugendlichen bekommen einen exklusiven Einblick in seine Küche. „Das ist total spannend“, sagt Viktoria. Ob sie allerdings mal einen gastronomischen Beruf erlernen möchte, kann sie jetzt noch nicht sagen.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich der Gastroexpress, der vor dem Bus steht. „Das macht irre Spaß“, sagt ein Junge und lacht. „Es ist wie in einem Fahrstuhl.“ Die Schüler reisen mit dem Gastroexpress sozusagen rund um die Welt von Hotel zu Hotel – da darf das obligatorische Selfie natürlich nicht fehlen. Somit bekommt jeder Schüler noch ein Andenken gratis mit.

Übrigens: Das Gastromobil ist heute, Freitag, 2., und morgen, Samstag, 3. März, (von 9 bis 16 und von 9 bis 15 Uhr) auf der Ausbildungsmesse Fokus Beruf auf dem Hallengelände Maubacher Höhe, Stadthalle, Jahnstraße 10, in Backnang.