Riesiger Ehrgeiz und viel Lust auf Fußball

Nach 17 Monaten Pause steht Nico Gutjahr wieder auf dem Platz

Bislang sind es nur ein wenig mehr als 20 Minuten. Für Nico Gutjahr ist es vor allen Dingen aber „ein positives Zeichen, dass ich dran bin“. Nach fast eineinhalb Jahren durfte der 24-Jährige wieder in der Dritten Liga ran. Auch heute ab 14 Uhr zählt er im Heimspiel gegen die Spvgg Unterhaching zum Aufgebot der SG Sonnenhof Großaspach.

Nach fast eineinhalb Jahren zurück in Liga drei: SG-Mittelfeldspieler Nico Gutjahr. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

Am 19. Oktober 2016 war es, als sich der Mittelfeldspieler bei einem Zusammenprall im Training verletzte. „Ich dachte, dass es nicht schlimm ist und habe noch versucht, weiterzutrainieren.“ Doch die Schmerzen im linken Knie waren zu groß. Ein Stück des Knorpels war abgesplittert. Was folgte, war eine rasche Operation und die Ansage: Wenigstens drei Monate Pause. Ein harter Schlag für den jungen Südbadener, der erst sieben Wochen zuvor einen Vertrag bis zum 30. Juni 2018 unterschrieben und Ende September gegen Zwickau sein erstes Drittligator erzielt hatte. Der von Zweitliganeuling Würzburger Kickers gekommene Gutjahr schien drauf und dran, sich in Aspach in die Mannschaft zu spielen. Dann die Verletzung und ein Heilungsprozess, der sich hinzog. Statt Fußball stand Reha auf dem Plan. Fast ein Jahr dauerte es, ehe der Rechtsfuß wieder am Ball war. Im Benefizspiel für den von einer Überschwemmung geschädigten TSV Braunsbach wurde Nico Gutjahr am 6. Oktober gegen Zweitligisten 1. FC Heidenheim eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt. Beinahe weitere fünf Monate dauerte es, bis er wieder in einem Drittligaspiel aktiv mitmischen durfte.

Viel Unterstützung

von Mitspielern, Freunden

und der Familie

Keine einfache Zeit für einen jungen Menschen, der von sich sagt: „Fußball ist das, was mir am meisten Spaß macht.“ Vielleicht dachte der 1,80 Meter große Kicker deshalb nie so richtig daran, aufzugeben. Der 24-Jährige erzählt: „Ich wollte es einfach schaffen, wieder zu spielen. Und ich denke, dass ich ein gutes Durchhaltevermögen habe.“ Das und die Unterstützung von Mitspielern, Freunden und der Familie halfen ihm, die Schinderei zu überstehen, die für ihn sehr lange vor allem neben dem Platz oder nur am Spielfeldrand vonstattenging. „Meine Eltern waren oft da“, blickt Nico Gutjahr auf die Zeit zurück und gesteht: „Der Zuspruch tat gut.“ Vor allem auch, weil die Verletzung „eine alte Wunde aufgerissen hat. Denn bereits in Würzburg hatte ich Probleme mit der Syndesmose gehabt, als es gerade sehr gut für mich lief. Ich hatte eine solche harte Situation also schon einmal mitgemacht.“

Vielleicht halfen ihm ja die erfolgreichen Jahre als Jugendspieler des SC Freiburg, um auch den zweiten Rückschlag zu überstehen. Die Erinnerungen an zwei DFB-Pokalsiege als A-Jugendlicher, bei denen im ersten Jahr Freiburgs heutiger Bundesliga-Trainer Christian Streich sein Coach an der Seitenlinie war. Eventuell war es aber sein Selbstverständnis. „Dranbleiben“, sagte sich der Mittelfeldmann immer wieder und bestätigt, dass die Wochen und Monate auch für den Kopf Schwerstarbeit gewesen sind. Selbst Kurzeinsätze in Testspielen waren für den am Schwarzwaldrand groß gewordenen Gutjahr Erfolgserlebnisse. „Ich habe gesehen, dass mein Knie hält“, erklärt der Fußballer und hofft, dass die Einwechslung in der 69. Minute in Osnabrück ein weiterer Schritt zurück war. „Für mich war es ein super Feedback, dass ich der Mannschaft helfen kann.“

Dabei soll es nun aber nicht bleiben. Die gut 20 Minuten an der Bremer Brücke betrachtet der Badener als guten Anfang, als etwas, das „Lust auf mehr“ gemacht hat. Dabei ist dem vielseitigen Kicker durchaus klar, dass er Geduld benötigt und er „weiterhin Gas geben“ muss, um die fehlenden Monate der Spielpraxis aufzuholen. Dabei scheint er auf einem guten Weg zu sein. „Nico macht einen sehr guten Eindruck“, lobt Trainer Sascha Hildmann seinen Spieler. Der wiederum weiß, dass solche Worte schön sind, in erster Linie aber Taten zählen: „Wenn meine Chance kommt, dann muss und will ich sie nutzen.“ Egal, ob in 10, 20 oder am liebsten 90 Minuten.