Dickes Vorstrafenregister

Brüderpaar aus Backnang schon öfter wegen Betrugs verurteilt

Von Bernd S. Winckler

BACKNANG/STUTTGART. Der Prozess am Stuttgarter Landgericht gegen ein Brüderpaar aus Backnang wegen gemeinschaftlicher und gewerbsmäßiger Geldwäsche und Drogenhandels geht demnächst zu Ende. Die beiden 27-Jährigen sollen etwa 370000 illegal eingenommene Euro über dunkle Kanäle gewaschen haben (wir berichteten). Die Vorstrafen der beiden sind recht einschlägig.

Mit dubiosen Tricks soll das Brüderpaar von 2013 bis letzten Jahres zunächst die Schwachstellen von Internetnutzern gesucht und gefunden und dann abkassiert haben. Die erschwindelten Beträge für nicht gelieferte aber bezahlte Waren gingen an erfundene Personen, die ihrerseits das Geld in virtuelle Münze (Bitcoin) verwandelten – und dann wieder in Euro auszahlten. Möglich war dies mittels geklauter und über das sogenannte Phishing betrügerisch erlangter Kreditkartendaten. Zusätzlich ist einer der beiden Männer noch wegen Rauschgiftbesitzes angeklagt.

Betrugsgeldgeschäfte sind den 27-jährigen Backnangern offensichtlich nicht ganz fremd, wie das am gestrigen Verhandlungstag öffentlich verlesene Vorstrafenverzeichnis offenbart: Bereits im Jahr 2008 hat demnach der eine über das Internet mit geklauten Kreditkarten über ein Jahr lang eingekauft. Dabei ging es vornehmlich um teure elektronische Geräte wie Handys und Computer. Der Schaden wird in dem damaligen Urteil des Amtsgerichts Backnang mit einer fünfstelligen Summe bezeichnet. Mit zwei Jahren Haft auf Bewährung war der Angeklagte damals glimpflich davongekommen.

Die weitere Vorstrafe aus dem Jahr 2015 betrifft beide Angeklagten: Erneut ging es in diesem Urteil des Waiblinger Amtsgerichts um bandenmäßigen Betrug und Hehlerei sowie Computerbetrug in 149 Fällen. Während sein Bruder nur wegen Beihilfe mit einer Geldstrafe davonkam, setzte es jetzt für den Haupttäter eine zweieinhalbjährige Haftstrafe ohne Bewährung. Aber er hatte Glück. In der Berufungsinstanz sahen die Richter eine „günstige Zukunftsprognose“ und setzten den Strafausspruch auf zwei Jahre herunter, mit Strafaussetzung zur Bewährung. Diese Bewährung läuft jetzt noch. Den Richtern der Berufungsinstanz war damals noch nicht bekannt, dass die Brüder inzwischen bereits dicke im Geldwäschegeschäft sind.

Mit diesem Verhandlungstag hat die 19. Große Strafkammer das umfangreiche Beweisprogramm geschlossen und wird die restlichen Einlassungen des Brüderpaars am 7. März entgegennehmen. Einen Großteil der Betrugs- und Geldwäschevorwürfe sollen eingestellt werden. Bereits vor zwei Wochen hat das Gericht hinsichtlich der zu erwartenden Strafen ein Signal gesetzt: Bei Geständnissen nicht über drei Jahre Haft. Allerdings will die Staatsanwältin Freiheitsstrafen im Bereich von viereinhalb bis fünfeinhalb Jahren erreichen. An diesem 7. März als letzten Prozesstag wird plädiert und noch am selben Abend – so die verbindliche Ankündigung des Gerichtsvorsitzenden – das Urteil verkündet.