Mischanlage sorgt für Diskussion

Unternehmen Baumit möchte auf dem Zwingelhausener Steinbruchgelände der Firma Lukas Gläser ein Trockenbaustoffwerk bauen

Mehr Zuhörer als Gemeinderäte – das gibt es bei einer Sitzung des Kirchberger Gremiums äußerst selten. Rund 35 Interessierte waren im Feuerwehrgerätehaus zugegen, als es um den ersten Tagesordnungspunkt ging: Beratung und Beschlussfassung über den Bebauungsplan beim Steinbruch der Firma Lukas Gläser. Eine neue Aufbereitungsanlage ist deren Wunsch.

Die Firma Lukas Gläser betreibt am Standort Zwingelhausen seit mehr als 100 Jahren einen Muschelkalksteinbruch. Sie beabsichtigt, eine neue Aufbereitungsanlage auf dem Betriebsgelände zu errichten. Foto: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

KIRCHBERG AN DER MURR. Zwei Vorhaben, die unmittelbar miteinander zusammenhängen, wurden in der jüngsten Gemeinderatssitzung der Bürgerschaft von Bürgermeister Frank Hornek sozusagen als Gesamtpaket erläutert.

Auf dem Betriebsgelände in Zwingelhausen beabsichtigt die Firma Lukas Gläser unter anderem zur Standortsicherung, zur Optimierung der Produktionsabläufe und zur Beseitigung von Emissionen, eine neue Aufbereitungsanlage zu errichten. Mit diesen Neubauten des Schotterwerks bietet sich die Möglichkeit, die zusätzlichen Qualitätsprodukte aus dem Steinbruch über kurze Transportwege zu den Trockenbaustoffen verarbeiten zu können. Da dieser Bau aber ein anderes Verfahren und schon länger in Planung sei und man dafür auch kein Erweiterungsplanverfahren benötigte, ging es bei der Sitzung eher „um das Vorhaben der Firma Baumit“, erläuterte Wilhelm D. Kern, Geschäftsführer der Lukas Gläser GmbH & Co. KG.

Denn diese Firma wird ihren Sitz laut Hornek in Remseck am Neckar/Aldingen aufgeben und hat Interesse bekundet, in der Nähe des Steinbruchs der Firma Lukas Gläser bauen zu wollen. „Die Mischanlage mit Gebäuden wird von Baumit gebaut und ist dann auch Eigentum von Baumit“, so Kern.

Geringerer Flächenbedarf,

weniger Lagerfläche

Hornek beschrieb in der Sitzung weiter: „Mehr als 80 Prozent der notwendigen Rohstoffe zur Herstellung der Trockenbaustoffe können dabei in den neuen Aufbereitungsanlagen des Steinbruchs in der erforderlichen Qualität sehr wirtschaftlich mitproduziert werden.“ Es sei vorgesehen, die Steinbruchprodukte über ein Förderband in die Mischanlage des Trockenbaustoffwerks zu übergeben. Die daraus entstehenden Synergieeffekte führten zu einem insgesamt geringeren Flächenbedarf, insbesondere ist weniger Lagerfläche erforderlich. Außerdem führe es zu einer Reduzierung des Verkehrsaufkommens, da jährlich rund 100000 Tonnen veredelter Muschelkalkprodukte über eine Bandstraße direkt in das Mischwerk befördert werden können und damit die sonst erforderlichen Transportfahrten über das Straßennetz entfallen. Hornek: „Vor dem Hintergrund einer zukunftsorientierten Standortsicherung des Steinbruchs begründet sich das Erfordernis der vorgeschriebenen Planungen.“ Bezüglich der Überschwemmungsfläche auf dem Gelände wurde auch das Landratsamt Rems-Murr-Kreis hinzugezogen. Allerdings gehe es zunächst einmal darum, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten.

Wie genau der Bebauungsplan und die örtlichen Bauvorschriften aussehen, wurde den Gemeinderäten und den Zuhörern ebenfalls erläutert. Das Plangebiet befindet sich nördlich von Zwingelhausen an der Gemarkungsgrenze zu Aspach. Im Norden verläuft die Landesstraße1124 und im Westen die Großaspacher Straße, die teilweise in den Geltungsbereich des Bebauungsplans miteinbezogen wird. Im Süden befinden sich die Flächen des Steinbruchs. Eine Lagerfläche und eine Lagerhalle sollen direkt auf der Steinbruchfläche entstehen.

Die Flächen des Plangebiets werden als Sondergebiet gekennzeichnet, da sich die angestrebte Nutzung wesentlich von den Baugebieten unterscheide. Auch sollen keine weiteren Nutzungen ermöglicht werden, als diejenigen, die mit der angrenzenden Steinbruchnutzung in Zusammenhang stehen. Auf besondere Flächen für Garagen oder Stellplätze werde bewusst verzichtet, da diese generell überall auf der Fläche ermöglicht werden sollen, um sich in die betriebliche Organisation einfügen zu können.

Für den Feldweg gibt es noch

keine endgültige Lösung

Was mit manchen Worten einfach klingt, hängt an einem großen Planungsaufwand. Gebhard Kunzi von der Unabhängigen Bürgerschaft Kirchberg (UBK): „Der Bebauungsplan ist sehr auf die Firma Baumit zugeschnitten, er erfüllt die Anforderungen, die die Firma braucht, so scheint es.“ Hornek erwiderte darauf, dass es eine Genehmigung nur gebe, wenn eine klare Verbindung zum Steinbruch existiere. Ebenso wurden die Straßensituation und die Zufahrt zum Thema gemacht. Besonders beschäftigt das Gremium dabei ein Feldweg. Andrea Weiler (UBK) merkte an, dass man diesen Feldweg nicht außer Acht lassen sollte. „Der Weg hat durch seine landwirtschaftliche Nutzung seine Berechtigung“, sagte Hornek. Allerdings müsste eine Alternative gefunden werden. Aber da sei der letzte Groschen eben noch nicht gefallen. „Eine Lösung habe ich da jetzt noch nicht parat“, so der Bürgermeister. Wichtig aber sei, so Helmut Layher (Bürger-Union Kirchberg), den Groschen zu suchen. Hornek betonte nochmals: „Die Lösung liegt nicht so, dass man sie gleich hat.“ Dem Beschlussvorschlag stimmten die Gemeinderäte einstimmig zu: Für den im Vorentwurf dargestellten Bereich wird ein Bebauungsplan aufgestellt und der Flächennutzungsplan wird im Parallelverfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans geändert, zudem wird die Öffentlichkeit miteinbezogen. Dass einige Bürger ihren Unmut über den Neubau äußern, wurde in den Besucherreihen bei der Sitzung deutlich. Einige schüttelten bei den Ausführungen über das Vorhaben mit dem Kopf. Firmengeschäftsführer Kern gab zu, dass es einige Anrufe mit Nachfragen gab. Dennoch habe man auch schon mit vielen Bürgern im Vorfeld gesprochen. Aber die Anwohner in Zwingelhausen möchte man nicht im Regen stehen lassen: Am 22. März wird zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung im Feuerwehrgerätehaus veranstaltet, bei der die Verantwortlichen das Projekt vorstellen und mit den Bürgern ins Gespräch kommen wollen.