Mit voller Fahrt in Richtung Zukunft

Ausbildungsmesse Fokus Beruf zieht 7500 Besucher an – Auch der 14-jährige Lukas Klausmann will dort seinen Traumjob finden

Ein Praktikum ist nicht selten ein wichtiger Schritt ins Berufsleben – auch Lukas Klausmann aus Backnang will so bald erste Erfahrungen sammeln. In welche Richtung es gehen soll, weiß der Gymnasiast aber noch nicht. Die Ausbildungsmesse Fokus Beruf, die am Freitag und Samstag auf der Maubacher Höhe stattfand, liefert ihm eine wertvolle Hilfestellung.

Friseur, Metallbauer oder doch lieber Versicherungskaufmann? Die Möglichkeiten, die es auf der Fokus Beruf zu entdecken gibt, sind vielfältig. Dem 14-jährigen Lukas Klausmann aus Backnang (Foto oben: rechts) hat es unter anderem die Vermessungstechnik angetan. Fotos: A. Becher

Von Bianca Walf

BACKNANG. Ein bisschen verloren startet Lukas Klausmann am Freitag seinen Rundgang über die Ausbildungsmesse Fokus Beruf. „Ich habe mir schon überlegt, was ich später beruflich möchte. So richtig sicher bin ich mir aber noch nicht“, erzählt der Neuntklässler, der das Backnanger Max-Born-Gymnasium besucht. In der zehnten Klasse steht dort für alle Schüler das sogenannte BOGY-Praktikum zur Berufsorientierung an. Ein bis zwei Wochen dürfen sie dabei in ein Unternehmen ihrer Wahl hineinschnuppern. Lukas muss sich bald bewerben. „Auf der Messe will ich mich deshalb vor allem über Praktikumsplätze informieren“, erklärt er.

Mit dem Hallenplan unterm Arm macht Lukas sich auf. – erster Halt Karl-Euerle-Halle. Dort stehen die Schüler bereits dicht gedrängt an und zwischen den Messeständen. Lukas hat sich die Stände, die ihn interessieren, vorher markiert und schlängelt sich in Richtung d&b Audiotechnik. Der Backnanger Hersteller von Beschallungsanlagen bietet Ausbildungsplätze für Lagerlogistiker an. „Das klingt spannend“, findet Lukas. „Generell denke ich, dass ich nach dem Abi lieber erst mal eine Ausbildung machen und praktisch arbeiten will. Studieren kann ich später immer noch.“

Azubis geben Tipps aus
der Praxis und neue Impulse

Der 14-Jährige ist nicht schüchtern. Am Stand von d&b Audiotechnik geht er direkt auf Personalreferentin Eva Burkhardt zu und fragt nach einem Praktikumsplatz. Jedoch erwartet ihn eine erste Enttäuschung. „Unser Lager ist in Ilsfeld. In Backnang bieten wir in diesem Bereich keine Praktika an“, erklärt die Personalerin. „Das ist ungeschickt für mich“, meint Lukas. „Ich habe keinen Führerschein und das Lager liegt eine ganze Ecke vom Bahnhof entfernt.“ Doch d&b-Azubi Lukas Pfeiffer hat noch eine Alternative parat: „Wie wär's mit einem Praktikum als Mediengestalter?“, fragt er. „Das geht auch in Backnang.“ Lukas Klausmann ist begeistert. „Den Beruf hatte ich bisher noch nicht im Auge. Es klingt aber interessant“, findet der Neuntklässler. „Ich bin kreativ. Der Medienbereich würde zu mir passen.“ Lukas will die Option im Hinterkopf behalten.

An seinem ursprünglichen Ziel, der Lagerlogistik hält er dennoch fest. Am Stand des Backnanger Autohauses Mulfinger in der Stadthalle sucht Lukas noch einmal das Gespräch. Azubi Ibrahim Öztürk empfiehlt ihm: „Am besten, du schaust bei uns in alle Abteilungen rein. So bekommst du am meisten mit.“ Er selbst habe fast 30 Praktika absolviert, bevor er sich vor einem Jahr für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker entscheiden konnte. „Ich finde, es ist eine riesige Herausforderung für junge Leute, einen einzigen Beruf auszuwählen. Deshalb ist es gut, so viele Einblicke wie möglich zu sammeln. Schließlich sollte man wissen, was genau hinter einer Berufsbezeichnung steckt.“

Dieser Meinung ist auch Fabian Strohmeier, der bei der Firma Hahn Automobile eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht. Der 20-Jährige nimmt sich viel Zeit, um Lukas zu erklären, welche Aufgaben in den Zuständigkeitsbereich eines Lagerlogistikers fallen. „Wie gut die Jugendlichen, die zu uns an den Stand kommen, schon informiert sind, ist extrem verschieden“, erklärt er. „Viele sind überrascht, wenn sie hören, was zu einem Beruf alles dazugehört.“ Auch Lukas gibt zu. „Einiges von dem, was er mir erklärt hat, hatte ich noch nicht gewusst. Im Großen und Ganzen klingt das immer noch gut, einiges hätte ich mir aber auch anders vorgestellt.“ Zwischenzeitlich ernüchtert Lukas vor allem eines: „Ich habe das Gefühl, so ein Praktikum besteht hauptsächlich aus zugucken. Ich würde aber schon gerne von Anfang an selbst aktiv werden. Das stelle ich mir sonst langweilig vor.“

Motivationsschub für
die Bewerbungsphase

Als letzte Station nimmt Lukas sich den Stand des Landratsamts des Rems-Murr-Kreises vor. Dort werden die unterschiedlichsten Ausbildungsberufe angeboten. Lukas jedoch erwärmt sich für eine ganz spezielle Nische: Geodäsie – die Landvermessung im Rems-Murr-Kreis. „Mein Opa hat in diesem Bereich gearbeitet“, erzählt der Schüler. „Das hat mich schon immer interessiert.“ Mit Ausbilder Jochen Glamser stimmt die Wellenlänge sofort. „Vermessungstechniker ist ein sehr vielseitiger Beruf mit super Aufstiegschancen“, erklärt er. Und: „Unsere Praktikanten können von Anfang an mit Hand anlegen, rausgehen und bei Messarbeiten helfen.“

Lukas ist begeistert. Hier will er sich auf jeden Fall um ein Praktikum bemühen. Aber auch die Idee, sich als Mediengestalter zu versuchen, hat es ihm angetan. „Von der Messe war ich insgesamt positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Leute an den Ständen für jeden Einzelnen so viel Zeit nehmen. Das hat mir schon weitergeholfen“, sagt Lukas. „Ich will jetzt möglichst bald mit meinen Bewerbungen starten. Gerade bin ich total motiviert und freue mich schon auf mein erstes Praktikum.“