Starke Aufholjagd mit Remis belohnt

31:31 bei den Rhein-Neckar Löwen II: Drittliga-Handballer des HC Oppenweiler/Backnang machen Sieben-Tore-Rückstand wett

Irres Handballspiel in Östringens Stadthalle: Der HC Oppenweiler/Backnang lag im Drittligaduell beim Zweiten Rhein-Neckar Löwen II mit sieben Treffern hinten, holte mit dem Endspurt zum 31:31 aber noch einen Zähler, an den nach 45 Minuten keiner mehr geglaubt hatte. Umso wichtiger, weil auch die Konkurrenz im Abstiegskampf punktete. Als Viertletzter bleibt der HCOB knapp über dem Strich.

Hängten sich mächtig rein und holten noch einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf: Benjamin Röhrle und die HCOB-Handballer.Foto: A. Hornauer

Von Alexander Hornauer

Nach einer Dreiviertelstunde hätte keiner einen Pfifferling auf die Gäste gesetzt. Zu dominant war der Nachwuchs des Deutschen Meisters bis dahin aufgetreten, zu viele Missgeschicke waren den Murrtalern passiert. Die Abwehr fand keinen richtigen Zugriff gegen die starken Werfer. Auch vorne tat sich das Team ohne Tobias Hold (Grippe) schwer und scheiterte viel zu oft an Lukas Bauer, der unter anderem zwei Siebenmeter von Benjamin Röhrle hielt.

Der HCOB geriet zu Beginn mit 1:5 ins Hintertreffen, hatte bis dahin bereits drei Pfostentreffer zu verzeichnen. Dann wurde es etwas besser, trotzdem wuchs der Rückstand auf 5:11 an. Kämpferisch waren die Gäste auf der Höhe, danach blieb der Abstand recht konstant. Tom Kuhnle erzielte wichtige Tore, 20 Sekunden vor der Sirene sorgte Chris Hellerich für das 12:16. Allerdings folgte sofort der nächste Nackenschlag: Ruben Sigle kassierte seine dritte Zeitstrafe, für ihn war das Spiel beendet.

Auch nach dem Wechsel versiebte Oppenweiler/Backnang zu viele Torchancen. Die Junglöwen wirkten zielstrebiger, führten in der 44. Minute mit 25:18 und kurz darauf, als HCOB-Coach Matthias Heineke zur Auszeit bat, immer noch souverän mit 26:20. Die Gäste stellten die Abwehr um, wollten den Rivalen durch eine offensivere Abwehr zu mehr Fehlern zwingen. Das klappte. Die Hausherren leisteten sich nun Ballverluste, der HCOB konterte. Wie im Hinspiel setzte der Tabellenzweite auf einen siebten Feldspieler, trotzdem provozierten die Abwehrspieler der Murrtaler weitere technische Fehler der Löwen. Kevin Wolf warf zweimal in Serie aus der eigenen Hälfte in das verwaiste Tor der Einheimischen. Nur noch 24:26 – auch in psychologischer Hinsicht hatte der HCOB nun Oberwasser und legte postwendend nach. Beim 26:26 war alles wieder offen.

Die Spannung war kaum noch zu steigern. Die Rhein-Neckar Löwen II legten dreimal vor, die Gäste glichen durch gutes Zusammenspiel mit dem Kreisläufer Philipp Schöbinger umgehend aus. Dann hätten die Hausherren wieder auf zwei Tore enteilen können, doch die Referees pfiffen den Siebenmeter von Tim Ganz ab, weil er abgesprungen war. Richtig, aber zuvor war diese Ausführung viermal akzeptiert wurden. Logisch, dass die Hektik zunahm.

Erst recht, als das Kampfgericht bei einem freien Wurf von Wolf ins Spiel hupte, um wegen des aberkannten Siebenmetertors etwas mit den Schiedsrichtern zu besprechen. Der HCOB war sauer, weil Wolfs Treffer nicht zählte, Die Löwen auch, weil die Unparteiischen nach der Regel nun einen Siebenmeter pfeifen mussten. Philipp Maurer verwandelte ihn zum 29:29. Derselbe Spieler sorgte vom Punkt kurz darauf sogar für die erste Gästeführung. Das 30:30 ging auf das Konto von Ganz, dann netzte Wolf zum 31:30 für den HCOB ein. Der Favorit rannte an, fand aber ihn Keeper Sven Grathwohl seinen Meister. Beim Versuch, auf zwei Treffer davonzuziehen, fanden die Gäste keine Lücke. David Szilagyi warf drüber, als Zeitspiel drohte. So kamen die Löwen kurz vor Schluss zu ihrer letzten Möglichkeit. Wieder Siebenmeter, wieder Ganz, wieder dieselbe Wurfvariante – und dieses Mal zählte der Treffer wieder. Es blieb danach beim Remis.

Rhein-Neckar Löwen II: Boudgoust, Bauer – Schmiedt, Zweigner, Braun (4), Wichmann, Schmidt, Trost (1), Röller (3), Meyer, Kirchenbauer (7), Ganz (9/5), Keller (4), Kessler (3).

HC Oppenweiler/Backnang: Fink, Grathwohl – Florian Schöbinger (3), Röhrle, Sigle (2), Szilagyi (1), Hellerich (3), Wolf (5), Philipp Schöbinger (3), Kuhnle (6), Frank, Maurer (7/5), Raff, Köder (1).

Siebenmeter: 5/7:5/7 (Ganz scheitert an Fink und springt beim Wurf ab – Röhrle scheitert zweimal an Bauer). – Zeitstrafen: 6:12 Minuten (Röller/2, Trainer Bechtold – Sigle/3, Wolf, Florian Schöbinger, Kuhnle). – Disqualifikation: Sigle (30./dritte Hinausstellung). – Schiedsrichter: Sakovski(Schneider (Velbert/Wuppertal). – Zuschauer: 400.