Still sitzen ist unmöglich

Die Südtiroler Band Mainfelt begeistert mit frischem und ehrlichem Folk-Rock auf dem Hofgut Hagenbach

Sie spielen handgemachten Folk-Rock mit einem ganz eigenen Stil und erzählen in ihren Eigenkompositionen Geschichten aus dem Leben. Die Band Mainfelt aus Südtirol konnte das Publikum mit ihren Rhythmen mitreißen beim Konzert im Rahmen ihrer Vice & Virtue Tour auf dem Hofgut Hagenbach.

Haben Balladen genauso im Repertoire wie Bluegrass und Rock-Songs: die Band Mainfelt.Foto: T. Sellmaier

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Mit ein paar sanften Klängen beginnen die vier Musiker von Mainfelt ihr Konzert und legen dann schon im ersten Stück so richtig los. Mitreißend ist der Rhythmus, und die Spielfreude ist ihnen anzumerken. Schon beim zweiten Song wippt und klatscht das Publikum mit und schon bald zieht es die ersten Besucher auf die Tanzfläche. Es ist Musik, bei der man einfach nicht still sitzen kann. Im Jahr 2014 taten sich die vier Musiker aus Südtirol, die inzwischen im Alter von 27 bis 32 Jahren sind, zusammen. Als „handmade und heartmade“ bezeichnen sie ihre Musik. Patrick Strobl ist Singer und Songwriter. Mit seiner kräftigen, rauchigen Stimme, die auch zur rotzigen Rockröhre werden kann, zieht er das Publikum in seinen Bann. Seine akustische Gitarre wird ergänzt durch die E-Gitarre von Kevin Prantl, der auch zum Banjo greift. Willy Theil wechselt vom Schlagzeug zum Akkordeon. Veit Rinner komplettiert das Ganze mit seinem Bass. Ist man von Bassisten oft eher den ruhigen Typ gewohnt, so hüpft Veit wie ein Gummiball auf der Bühne und reißt das Publikum mit seiner Lebens- und Spielfreude mit. Wie auch der Frontmann Patrick Strobl, der ordentlich Stimmung macht.

Ganz neu ist ihre CD „Vice & Virtue“, die im Februar 2018 erschienen ist. Erst vor einer Woche starteten die sympathischen Jungs ihre gleichnamige Tour durch Deutschland und Österreich. Rund hundert Konzerte spielen die Berufsmusiker im Jahr. Im Song „Home“ haben sie das Gefühl, unterwegs zu sein, aufgegriffen. „Wenn man tolle Leute dabei hat, kann es sich wie Zuhause anfühlen“, sagt Frontmann Patrick Strobl. „Zuhause ist, wo man sein Herz hat. Das kann auf der ganzen Welt sein“, beschreibt es Kevin Prantl. „It is over“ heißt ein Song von ihrer neuen CD. Wenn manches zu Ende geht, entstehen neue Möglichkeiten, ist die Aussage. Ein melancholisches Lied, das Frontmann Patrick für einen verstorbenen Freund geschrieben hat, ist dabei. Balladen sind genauso im Repertoire wie Bluegrass oder rockige Stücke.

Ein fetziger Titel voller sommerlicher Lebensfreude ist „Midsummer“. Es geht um laue Nächte am Lagerfeuer und darum, das Leben zu feiern. Dass draußen vor der Werkstatt des Hofguts Hagenbach am Freitagabend leise die Schneeflocken rieseln, ist im Veranstaltungsraum längst vergessen. Das Publikum klatscht begeistert mit und die Tanzfläche füllt sich. Bei Instrumentaleinlagen beweisen die Musiker ihr Können. Nur einen Coversong hat die Band in ihr Programm aufgenommen und interpretiert ihn auf ganz eigene Weise. Langsam beginnt Leonard Cohens „Hallelujah“ und steigert sich dann zu rasantem Tempo in eine Folk-Rock-Version mit schnellen Läufen auf dem Banjo. Facettenreich ist Patrick Strobls Organ. Den neuen Song „Use me“, in dem es um einen Menschen geht, der andere benutzt, präsentiert er mit rauer Whiskey-Stimme.

Bei „Firestone“ gibt die Band am Ende noch einmal richtig Vollgas. Die Besucher im ganzen Saal stehen auf. Sie klatschen mit, bewegen sich zum Rhythmus oder tanzen vor und neben der Bühne. Das Banjo gibt den Ton an, als die Melodie von Yankee Doodle angespielt wird und sich dann zu einer rasanten, rockigen Nummer steigert. Bei „All my Ghosts“ stimmen die Besucher in den Refrain ein. Bei den Zugaben ist die Stimmung auf dem Höhepunkt, und für die Tanzwilligen gibt es kein Halten mehr. Beste Stimmung herrschte bei der gut besuchten Veranstaltung des Vereins Kulturgut auf dem Hofgut Hagenbach mit frischem, ehrlichem Folk-Rock.