Der Weg einer Tänzerin

Silke Abendschein stellt im Universum-Kino ihre Dokumentation „El Séptimo Sentido“ vor

Die aus Oberrot stammende Filmemacherin Silke Abendschein hat drei Tänzerinnen auf ihrem Weg begleitet und gibt Einblicke auch hinter die Kulissen des Kultursektors. Foto: J. Fiedler

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. „El Séptimo Sentido. I am a Dancer. Von der Kunst zu leben“ ist der Titel des Dokumentarfilms. Ganz bewusst hat Silke Abendschein ihn in drei Sprachen gehalten. In Spanien, England und Deutschland hat sie mit den Tanzkünstlerinnen gedreht. Der spanische Teil des Titels bezeichnet, was Tanz für Avatâra Ayuso bedeutet: Der siebte Sinn.

Den oft steinigen Weg dieser spanischen Choreografin sowie der Ballettlehrerin und Bühnenbildnerin Eugenia Morales und der Tänzerin Alejandra Bano hat Silke Abendschein in ihrem Dokumentarfilm nachgezeichnet. Filmsequenzen zeigen Situationen aus ihrem Alltag, etwa Eugenias Arbeit als Ballettlehrerin in Barcelona mit Kindern und Jugendlichen. Wenig glamourös sieht es in den Räumlichkeiten aus, in denen hart trainiert wird. Sie erzählt auf Spanisch von den Schwierigkeiten der Eltern, ihre Kinder zum Tanzunterricht zu schicken, in Zeiten der Wirtschaftskrise. Deutsche Untertitel sind im Film eingefügt.

Es geht nach London, wo Avatâra versucht, als Choreografin Fuß zu fassen. Szenen zeigen auch Bilder der Stadt. „London ist für mich der Inbegriff an Choreografie“, ist auf den Untertiteln zu lesen. Tanzszenen auf der Bühne oder bei den Proben werden gezeigt. Die Choreografin lässt den Zuschauer an ihrer Ideenfindung teilhaben, die zum Teil aus Beobachtungen in der Natur stammt. Etwa aus der Unterwasserwelt, wo Fischschwärme in Sekundenschnelle gleichzeitig die Richtung wechseln. Wie sie dieses Phänomen choreografisch umsetzt, ist in Tanzszenen zu sehen. Aber es geht auch darum, dass bei erfolgreichen Choreografen immer noch die Männer dominieren und um fehlende Fördergelder, um Tanzprojekte umsetzen zu können.

Die Tänzerin Alejandra erzählt davon, wie schwierig es sei, eine Möglichkeit zum Vortanzen zu bekommen, um ihr Können zu beweisen. Sie zeigt private Fotos oder ihr beengtes Zimmer, in dem sie gemeinsam mit ihrer Schwester wohnt. Und sie spricht von Zukunftsplänen, etwa eine Familie zu gründen oder ihr Geld als Yogalehrerin zu verdienen. Die Leidenschaft für das Tanzen wird bei allen drei Frauen in der Dokumentation deutlich, aber es klingt auch Frustration an: „Es ist ein ständiger Kampf – das Leben als freischaffende Künstlerin.“

Im Anschluss an den knapp 80-minütigen Film hatten die Besucher im Universum-Kino die Möglichkeit, der Regisseurin Fragen zu stellen. Wie sie auf die Idee zu dieser Dokumentation gekommen sei, erkundigte sich eine Zuschauerin. Die Idee für das Filmprojekt entstand, als Silke Abendschein die drei Tanzkünstlerinnen 2009 im Festspielhaus Hellerau in Dresden kennenlernte, so die Filmemacherin, die inzwischen in Berlin lebt. Ein Besucher war überrascht, dass es nur wenige weibliche Choreografen gibt. Ihn interessierte, ob sich daran etwas ändere. Sie denke schon, so Abendschein, aber es werde wohl noch eine Weile dauern. Avâtara sei auf einem guten Weg. Auch der Bereich der Fördergelder war ein Thema. In Spanien gebe es gar keine Unterstützung, informierte Silke Abendschein. In London habe man schon bessere Möglichkeiten, aber man müsse sich immer wieder beweisen. Für einen Besucher war das verwunderlich, da man gerade Spanien mit Tanz in Verbindung bringe. Besonders spannend bei der Dokumentation über das Tanzen fanden die Zuschauer die Einblicke hinter die Kulissen.

  Der Film „El Séptimo Sentido. I am a Dancer. Von der Kunst zu leben“ wird von Montag 12. März bis Mittwoch 14. März jeweils um 18.30 Uhr im Universum-Kino gezeigt. Näheres und eventuell weitere Termine gibt es unter www.backnangerkinos.de.