Tschertschessow: Torwart-Frage für Deutschland kein Problem

Moskau (dpa) - Trotz der Verletzung von Nationaltorhüter Manuel Neuer sieht Russlands Coach Stanislaw Tschertschessow keine Torwartprobleme für Bundestrainer Joachim Löw vor der Fußball-WM.

«Ich kann Löw in dieser Frage nichts empfehlen. Er hat gute Torwarte», sagte Tschertschessow der Deutschen Presse-Agentur in Moskau 100 Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in Russland.

«Klar, Neuer ist Neuer», sagte Tschertschessow. «Er hat nicht nur einmal gezeigt, dass er ein Top-Torwart ist. Er ist vielleicht der beste der Welt.» Derzeit befindet sich Neuer nach einem erneuten Fußbruch im Reha-Training. Er selbst rechnet mit einem WM-Einsatz.

Selbst wenn Neuer nicht fit wäre für die WM, hätte Deutschland viele Spitzentorwarte. «Deutschland hat auch beim Confed Cup mit Marc-André ter Stegen sehr gut gespielt - und gewonnen.» Ter Stegen spiele bei Barcelona. «Barcelona! Nicht irgendwo in der siebten Liga.» Auch Sven Ulreich spiele inzwischen permanent bei Bayern - als Ersatz für den verletzten Neuer - und mache eine gute Figur, meinte der Russe.

Tschertschessow war als Profi selbst Torwart und spielte 1993 bis 1995 für Dynamo Dresden in der Bundesliga. Später wechselte er zum FC Tirol Innsbruck, wo Löw 2001/2002 sein Trainer war. Er stehe mit Löw bis heute in Kontakt, sagte Tschertschessow. «Wir sehen uns immer gern.»

Von der Medien-Debatten über Doping will sich Tschertschessow indes nicht aus der Ruhe bringen lassen. «Uns betrifft das nicht», sagte er. «Ich bin zuständig für die Mannschaft, und darauf konzentriere ich mich. Jeder macht hier seinen Job.» Eine Antwort auf die Frage, wie er auf konkrete Doping-Vorwürfe reagieren würde, lehnte er als spekulativ ab.

In den vergangenen Monaten hatten westliche Medien Doping-Vorwürfe auch gegen Spieler der russischen WM-Mannschaft 2014 in Brasilien aufgegriffen. Die Debatten wurden aber nicht so konkret wie im russischen Wintersport und in der Leichtathletik. Unter dem Eindruck des russischen Doping-Skandals war Multifunktionär Witali Mutko im Dezember von seinen Posten als Chef des Fußballverbands und WM-Cheforganisator zurückgetreten, blieb aber Vizeregierungschef.

Zu Mutkos Rückzug sagte Tschertschessow: «Das hat keine Unruhe bei uns ausgelöst. Den Alltagsjob erledigt jetzt Alexander Alajew, der geschäftsführende Verbandspräsident, aber Mutko bleibt Mutko. Wir stehen permanent in Kontakt miteinander.» Mutko habe sich eine Auszeit von bestimmten Aufgaben genommen. Das wolle er nicht bewerten, er respektiere es einfach, sagte Tschertschessow.