Zwei Baukörper statt großer Block

An der Backnanger Straße in Unterweissach will die Gemeinde Wohnungsbau ermöglichen

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Eine Baulücke an der Backnanger Straße in Unterweissach beschäftigt derzeit den Gemeinderat. Ein Investor möchte von dem gemeindeeigenen Gelände – es handelt sich dabei um das Flurstück mit der Nummer 71 gegenüber dem Sandberg, in der Mitte zwischen Einmündung Goethestraße und Abzweig Mühlweg – ein größeres Stück erwerben und darauf bauen.

In den ersten Überlegungen ging es um ein fünf Etagen hohes Mehrfamilienhaus. Darin – so sah es der Plan des ortsansässigen Rechtsanwalts Gunnar Stuhlmann vor – könnte bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Der Vorschlag stieß im Gemeinderat jedoch auf verhaltene Reaktionen. Zwar könne man sich dort grundsätzlich ein Projekt mit einem größeren Wohngebäude vorstellen, für das dann auch der relevante Bebauungsplan angepasst würde. Aber die anvisierten Dimensionen des Flachdachbaus gingen dem Gremium dann doch zu weit.

Da ging es zum einen um den optischen Eindruck, zum anderen aber auch konkret um die Stellplätze und um die Frage, wie groß der Anteil an bezahlbaren Wohnungen ausfiele. Auch Bürgermeister Ian Schölzel unterstrich, dass die Verwaltung das Konzept mit der vorgesehenen Gebäudehöhe und -länge nicht mittragen könne.

Um nun zu klären, was stattdessen auf der Fläche möglich wäre, arrangierte das Bürgermeisteramt einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern des Baurechtsamts und des Stadtplanungsamts Backnang sowie dem Investor und dessen Planungsbüro. Ergebnis der Beratungen: Die Baumasse muss reduziert werden. Wobei der Investor wiederum deutlich machte, dass dies finanziell vertretbar sein müsse.

Unterdessen hat sich die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum in Richtung Fuchsklinge verlagert, also auf das Gelände hinter dem Edeka-Markt. Das ermöglicht nun aus Verwaltungssicht eine modifizierte Planung im Rahmen konventionellen Wohnungsbaus mit einem Baukörper, der weniger massig erscheint.

Stadtplaner regt verträglichere

Gestaltung an

Vor diesem Hintergrund schaltete die Gemeinde den Rudersberger Stadtplaner Wolfgang Leissle ein. Er sollte sich die Baulücke unter städtebaulichen Aspekten vornehmen und eine verträgliche Gestaltung skizzieren. Seine Überlegungen präsentierte er jüngst im Gemeinderat. Leissle regte anstelle eines großen geschlossenen Baukörpers eine zweiteilige Bebauung mit gemeinsamer Tiefgarage an. Die beiden Gebäude sollen maximal vier Etagen haben, einschließlich Unter- und Dachgeschoss, und die Zufahrt zu den Stellplätzen soll in der Mitte zwischen den Gebäuden von der Backnanger Straße her angelegt werden. Für eine solche Bebauung würde der Investor, wie Bauamtsleiter Markus Stadelmann erklärt, eine Fläche von etwa 1000 Quadratmetern benötigen. Übrig blieben Teile des Flurstücks, auf denen die Gemeinde öffentliche Stellplätze oder auch einen Fußweg durchs Quartier schaffen würde.

Die Gemeinderäte begrüßten Leissles Konzept. Innerörtliche Baulücken zu schließen, sei allemal besser, als immer wieder hinaus ins Grüne zu gehen, machte Irmgard Hestler (SPD) deutlich. Unterstützung signalisierte auch Markus Keller (Weissacher Bürger). Allerdings forderte er zugleich ein Verfahren, das auch anderen Interessenten die Chance bietet, sich zu beteiligen. Dabei sollten für potenzielle Investoren vorab Kriterien festgelegt werden.

Das fand Dr. Carl Höfer (CDU/FWV) jedoch „ein bissle komisch“. Eine großartige öffentliche Ausschreibung mit Bewerbungsrunden sei nicht Sinn der Sache. Er warf deshalb die Frage auf, „ob wir uns da nicht ein Eigentor schießen“. Dagegen beharrte Keller darauf, dass man sich nicht dem Vorwurf der Mauschelei aussetzen dürfe: „Wir wollten mehrere Ideen einholen.“ Günter Sanzenbacher (CDU/FWV) befürchtete derweil: „Jetzt fangen wir wieder von vorne an.“

Der Bürgermeister versuchte, zu beschwichtigen. Es spreche doch nichts dagegen, so sagte er, dass auch andere Interessenten auf der Leissle-Grundlage eine Planung entwickeln und darstellen. So wurde es dann einstimmig beschlossen.