Backnang im Facebook-Fokus

Stadtmarketingverein will fast 30000 Euro ins Standortmarketing investieren – Neue Webseite, emotionale Bilder und ein Blog

Tulpenfrühling, Gänsemarkt und Laufsteg trifft Wochenmarkt, Straßenfest, Wirtschaftsgespräche und weihnachtliches Backnang – die Murr-Metropole hat eine Menge zu bieten. Der Stadtmarketingverein will die Stadt jetzt noch bekannter machen und fast 30000 Euro ins Standortmarketing investieren. Stichwort digitale Medien: neue Webseite, emotionale Bilder und ein Blog.

„Das Bild vom Straßenfest ist beispielhaft dafür, dass auch wir Backnang noch mit anderen Augen sehen können.“ Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

BACKNANG. Was hat sich der Stadtmarketingverein für dieses Jahr vorgenommen? „Wir machen Dinge, die bewährt sind, weiter. Wir machen aber auch Dinge anders und neu“, begann Dr. Ralf Binder bei der Mitgliederversammlung des Stadtmarketingvereins am Montagabend im Hofgut Hagenbach seinen Ausblick auf 2018. Der Wirtschaftsbeauftragte der Stadt und Leiter der Stadtmarketing-Geschäftsstelle präsentierte auf der Leinwand ein stimmungsgeladenes Foto vom Straßenfest. „Warum zeigen wir Ihnen dieses Bild?“, fragte er in die Runde der 60 Mitglieder. „Wir glauben, dass Backnang noch eine ganze Menge unentdecktes Potenzial hat, dass Backnang begeistern kann, dass Backnang Emotionen weckt und dass Backnang an vielen Stellen einfach noch viel zu wenig wahrgenommen wird.“ Das Bild sei beispielhaft dafür, dass „auch wir Backnang noch mit anderen Augen sehen können“. Aus diesem Grund werde der Verein in diesem Jahr massiv ins Standortmarketing investieren.

Beispiel Internetauftritt. „Unsere Webseite ist nicht mehr zeitgemäß“, so Binder. Das Design sei acht Jahre alt. Mit einem Smartphone ließen sich die Inhalte gar nicht beziehungsweise nur lückenhaft abrufen. „In Internetzeiträumen gedacht liegen wir in der Steinzeit.“ Zwar habe man im vergangenen Jahr den Facebook-Auftritt „weit nach vorne gehoben“, aber Binder stellte auch fest: „Wir sind digital bisher schwach aufgestellt.“ So sollen die sozialen Netzwerke gepusht werden. Der Wirtschaftsbeauftragte will Fotografen ansprechen, die nicht alltägliche Fotos schießen, die Backnang aus einer anderen Sicht zeigen, witzig sind, Emotionen wecken, die zeigen: in der Stadt tut sich was.

Und Binder wünscht sich einen Blogger, jemanden, der professionell über Backnang schreibt. Die entsprechende Leistung will er einkaufen. Er verwies auf die positiven Erfahrungen von Julia Emer. Die 34-jährige Mutter zweier Söhne eröffnete im Juni vergangenen Jahres den Kinder- und Babyausstattungsladen „Pünktchen und Anton“ in der Dilleniusstraße 11. Bis zur Geschäftsgründung war sie bereits auf Facebook aktiv, aber nur privat. Den Rat von Freunden, auch mit ihrem Laden in die sozialen Netzwerke zu gehen und einen Online-Shop aufzubauen, hat sie befolgt. Mit Erfolg. Den Stein ins Rollen brachte ein Blog. Sie selbst sei auf die Bloggerin Schwaben-Mom zugegangen. Für einen Besuch hatte die Stuttgarterin zwar keine Zeit, aber per E-Mail-Kontakt schrieb die Bloggerin, die für „moderne Mütter in Stuttgart und Region“ schreibt, ein Interview mit Julia Emer (siehe Link auf der Webseite www.puenktchenanton.de). Über diesen Blog ist das Stuttgarter Lift-Magazin auf die junge Unternehmerin aufmerksam geworden. Im Sonderheft „Stuttgart für Kinder“ (erscheint am 20. März) wird über die Backnangerin und ihre Familie berichtet.

Solch einen Blog-Erfolg wünscht sich Binder auch für Backnang. Der Geschäftsstellenleiter kündigte zudem weitere Neuigkeiten an. Der Verein arbeite derzeit an einer papierlosen Abwicklung der Veranstaltungen. Das System läuft online. Der Name „Online-Shop“ sei nur ein technischer und führe auf eine falsche Fährte. Stadtmarketingvorstand Martin Windmüller stellte klar: „Es ist in keinster Weise daran gedacht, dass der Stadtmarketingverein an den Endverbraucher verkauft.“

Ein weiteres Thema für den Verein sind laut Binder die Einkaufsgutscheine. Dass das Geschäft mit den Bons gut läuft, hatte zuvor Stadtmarketing-Manager Simon Köder anhand von Zahlen erläutert. Demnach haben Volksbank und Kreissparkasse im vergangenen Jahr Gutscheine im Wert von 172810 Euro verkauft (Vorjahr: 127064 Euro). Eingelöst worden waren 2017 Gutscheine im Wert von 133320 Euro (Vorjahr: 120840 Euro). Man habe auch genügend Rücklagen gebildet, für den Fall, dass auf einen Schlag alle ausstehenden Gutscheine eingelöst werden sollten. In seinem Tätigkeitsbericht hatte Köder über das vergangene Jahr berichtet. So hat der Verein Stadtmarketing Backnang, der vor 14 Jahren ins Leben gerufen worden war, derzeit über 120 Mitglieder, darunter Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, Banken, Industrieunternehmen, die Stadt und den Gewerbeverein Backnang bis hin zum interessierten Bürger. 2017 habe es acht Austritte und neun Eintritte gegeben.

Insgesamt, so der Stadtmarketing-Manager, habe der Verein im vergangenen Jahr sparsam gewirtschaftet, ohne dass die Veranstaltungen darunter gelitten hätten. Für das weihnachtliche Backnang mit den Einzelveranstaltungen Weihnachtsmarkt, Weihnachtskino und Stiefelfüllen habe man kräftig die Werbetrommel gerührt und sei in Vorleistung getreten. Hinsichtlich der Hauptveranstaltungen will man Farben noch mehr etablieren und herausstellen. So ist das Grün für den Tulpenfrühling angesagt, während die Werbemaßnahmen und Plakate für den Gänsemarkt in Bronze- und Goldtönen gehalten werden sollen.

Vereinsvorsitzende Sigrid Göttlich hatte das vergangene Jahr als ein gutes bezeichnet. Und wenn alle im Verein zusammenhalten würden, dann werde dieses Jahr ein mindestens ebenso gutes.