Bewährungsstrafe für Unternehmer

Urteil im Waiblinger Schwarzarbeiter-Fall – Mitangeklagte tauchen während des Prozesses unter

Von Bernd S. Winckler

WAIBLINGEN. Mit einer Überraschung ist jetzt das Strafverfahren gegen einen 49-jährigen Waiblinger Unternehmer zu Ende gegangen, der wegen illegaler Schwarzarbeit und Vorenthaltens von Lohn angeklagt war. Der Mann wurde vom Stuttgarter Landgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Seine beiden Mittäter hatten es unterdessen jedoch vorgezogen, vor der Urteilsverkündung in ihre türkische Heimat abzutauchen.

Mitte Januar dieses Jahres hatte die 13. Große Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts das Verfahren gegen den promovierten und diplomierten türkischen Ingenieur aus Waiblingen und seine beiden 45- und 55-jährigen Helfer begonnen. Es ging um illegal beschäftigte Arbeiter aus Bulgarien, die in dem vom Hauptangeklagten betriebenen Unternehmen in Waiblingen für Billiglöhne arbeiteten. Um die Gewinne zu erhöhen, wurden kurzerhand von Juli 2011 bis Dezember 2013 keine Beiträge zu den Krankenkassen entrichtet, ebenso keine Sozialabgaben. Die Arbeiter in dem Betrieb, der Teile für die Autoindustrie zulieferte, erhielten ihren Lohn jeweils in bar. Den Schaden hatte der Staatsanwalt auf nahezu eine Million Euro beziffert. Alle Angeklagten – der Unternehmer selbst und die beiden Mitangeklagten – befanden sich auf freiem Fuß.

Zwei Helfer entziehen sich

einer möglichen Haftstrafe

Nach vier Verhandlungstagen dann die Überraschung: Die beiden Mitangeklagten, darunter einer ohne Beruf, der andere ein Kraftfahrzeugmechaniker, ließen das Gericht warten. Als sie auch nach einer Viertelstunde nicht erschienen waren, wurde nur noch gegen den Hauptangeklagten weiterverhandelt.

Auch am Tag danach blieben die Plätze der Mitbeschuldigten leer. Über Recherchen hatte der Staatsanwalt herausgefunden, dass die beiden Männer in ihre türkische Heimat abgetaucht sind, aus Angst, eine Freiheitsstrafe absitzen zu müssen. Das Verfahren gegen die beiden wurde sodann abgetrennt, während der Waiblinger Unternehmer vor den Wirtschaftsrichtern ein Geständnis ablegte.

Dadurch ersparte er der Justiz nicht nur Zeit und aufwendiges Verhandeln, sondern auch sich selbst eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren. Die zweijährige Freiheitsstrafe, die ihm die Richter gestern wegen Vorenthaltens von Arbeitgeberanteilen sowie gewerbsmäßiger illegaler Beschäftigung von Ausländern in 51 Fällen auferlegten, wurde zur Bewährung ausgesetzt. Jedoch mit einem Wermutstropfen: Er muss als Bewährungsauflage 250 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Wenn dies geschehen ist, dann ist die Auflage auch erfüllt.