Hilfen für den Lebensweg

Sozialer Markt im Beruflichen Schulzentrum Backnang informiert über Unterstützungsangebote

Der Soziale Markt am Beruflichen Schulzentrum Backnang informiert über Unterstützungsangebote bei Konflikten und schwierigen persönlichen Situationen. Organisiert wird die jährliche Veranstaltung von der Jugendsozialarbeit. Gestern waren zwölf Anbieter vor Ort und suchten das Gespräch mit Schülern, Lehrern, Eltern und Vertretern aus Betrieben.

Gedränge beim Sozialen Markt im Beruflichen Schulzentrum Backnang: Die Veranstaltung gibt Schülern und anderen Interessierten Einblick in die vielfältigen Unterstützungsangebote bei Schwierigkeiten, Konflikten und persönlichen Krisen. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Beim Sozialen Markt können sich die Besucher ungezwungen einen Überblick über die verschiedenen Hilfsangebote im Netzwerk der Jugendsozialarbeit verschaffen. Zum Beispiel beim Internationalen Bund (IB). Dieser wurde gestern vertreten von Caroline Krebs und Julia Kurfeß. Sie gaben beispielsweise Auskunft über ausbildungsbegleitende Beihilfen wie Unterstützung in Form von Nachhilfe für Auszubildende, aber auch über die Vermittlung einer Ausbildung in schwierigen Fällen.

Ebenfalls berufsberatend steht die Agentur für Arbeit Interessierten zur Seite. Anke Ramirez: „Wir bieten unter anderem sowohl Sprechstunden als auch individuelle Termine im Berufsinformationszentrum (Biz) in Waiblingen an.“ Auch der Kreisjugendring Rems-Murr hat sich diesem Thema verschrieben. Ellen Klinger und Valeria Bieder informierten zudem über das freiwillige soziale Jahr und Jugendfreizeiten sowie viele Projekte mit Geflüchteten.

Vom Gesundheitsamt des Landkreises war die Schwangerenkonfliktberatung zum Sozialen Markt gekommen. Inge Rieschel und Petra Winkler umrissen das Beratungsspektrum: Elterngeld, Mutterschutzgesetz, Arbeitslosengeld II, Unterhaltsvorschuss und andere Hilfen für Alleinerziehende, Kindesrecht und vieles mehr. Auch Schulveranstaltungen zur Aufklärung und zu anderen sexualpädagogischen Themen werden angeboten. Nicht zuletzt berät die Einrichtung in Fällen von unerfülltem Kinderwunsch oder über pränatale Untersuchungen.

Diskriminierung und Abwertung begegnen und Rechtsextremismus sinnvoll bekämpfen – das möchte die Fachstelle Derex des Kreisjugendamtes. Derex steht für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention. Workshops sowie etwa ein Projekttag „Demokratiestärkendes Fußballturnier“ können von Schulen in Anspruch genommen werden. Und selbstverständlich beraten Sonja Großhans und ihr Team auch Einzelpersonen beziehungsweise (rechts)extrem orientierte junge Menschen.

Ebenfalls vom Kreisjugendamt entsandt war Marleen Vogt mit einem Stand der Beratungsstelle für Familien und Jugendliche (Obstmarkt 7). Deren bedürfnisorientierte Hilfe erstreckt sich auf Verhaltensprobleme bei Kindern oder Schulschwierigkeiten, Entwicklungsauffälligkeiten oder Krisen im Jugendalter, alle erdenklichen Fragen zur Erziehung, Konflikte in Familie und Partnerschaft, Trennung und Scheidung sowie auch Unterstützung und Hilfe für Kinder und Jugendliche bei häuslicher Gewalt.

Vom Kinderschutz bis zu

sexualisierter Gewalt

Ähnlichen Problemen widmet sich der Soziale Dienst, der ebenfalls beim Kreisjugendamt angesiedelt ist. Andrea Bubeck und Birgit Beck betonten, dass der Schutz von Kindern im Vordergrund ihrer Arbeit stehe und diese auf der Grundlage des Sozialgesetzbuches stattfinde. Die Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt – Hilfen für Mädchen und Jungen und junge Erwachsene –, ebenfalls eine Einrichtung des Kreisjugendamts, befasst sich mit einem sehr sensiblen und schambesetzten Thema. Wichtig ist den Mitarbeitern dort, Angebote sowohl für Betroffene als auch für Beschuldigte zu machen. Urban Spöttle-Krust weiß, dass dies umstritten ist, er steht aber dazu, dass junge Täter Hilfe benötigen, um nicht wiederholt Übergriffe beziehungsweise Straftaten zu begehen. Angela Gruber ergänzt, dass auch schon eine Aussprache zwischen Betroffenem und Beschuldigtem herbeigeführt werden konnte: „Und wenn dies gelingt, ist es eine Entlastung für beide Seiten.“ Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Pusteblume begleitet schwerstkranke Kinder und deren Geschwister sowie Familien, in denen jemand gestorben ist. Er hilft bei der Trauerarbeit und steht den Betroffenen oft über Jahre zur Seite. Mieke Müller-Nielsen informierte Interessierte gestern beispielsweise über ein Cajón-Projekt für trauernde Jugendliche.

Die Sozialpädagogin Simone Wieland betreute den Stand der mobilen Jugendarbeit in Backnang, die vom Verein Kinder- und Jugendhilfe betrieben wird. Vier Säulen habe die Tätigkeit dieser Initiative: Gruppenarbeit, Einzelfallhilfe, Streetwork und Gemeinwesenarbeit. Zum Beispiel gibt es Ende Juni für Jugendliche, die dann noch keinen Ausbildungsplatz haben, ein Handwerker-Speeddating zur direkten Vermittlung.

Der Kreisdiakonieverband hatte seinen Jugendmigrationsdienst ins berufliche Schulzentrum geschickt. Markus Knecht zufolge kümmert dieser sich um die Vermittlung von Deutschkursen und Zeugnisanerkennung ebenso wie um alle Prozesse beim Übergang zwischen Schule und Beruf. Und schließlich Yasemin. Dabei handelt es sich um eine Beratungsstelle für junge Migrantinnen, die ihren Sitz in Stuttgart hat, aber auch mobil arbeitet. Mädchen, die von Zwangsheirat oder Gewalt im Namen der Ehre betroffen oder bedroht sind, werden von dieser Stelle anonym und auch in türkischer Sprache beraten. Die beiden Betreuerinnen des Yasemin-Standes müssen aus Sicherheitsgründen ebenfalls anonym bleiben. Und auch die Beratungsstelle ist geschützt, ihre Adresse also nicht öffentlich bekannt.