Ein Ausstieg als Chance zum Umstieg

Fußball-Drittligist Großaspach plant neue Struktur für Vereinsspitze – Auf Präsident Werner Benignus soll ein ganzes Team folgen

Heute ab 19 Uhr kämpfen Großaspachs Drittliga-Fußballer beim KSC um drei Punkte auf dem Platz. Neben dem Spielfeld ist die SG Sonnenhof ebenfalls sehr rege. Am 19. April soll bei einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Umstrukturierung beschlossen werden. Im Rahmen der Nachfolgesuche für den scheidenden Werner Benignus wird aus dem bisher fünfköpfigen Präsidium ein Vorstandsteam mit sieben Personen.

Haben viel gehirnt und zahlreiche Gespräche geführt, um Fußball-Drittligist Großaspach weiterzuentwickeln: Werner Schmidgall, Uli Ferber und Andreas Möhle (von links). Die Pläne der Arbeitsgruppe sollen nun bei einer außerordentlichen Hauptversammlung abgesegnet werden. F oto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Jung, engagiert und mit viel Herzblut.“ So beschreiben Werner Schmidgall und Andreas Möhle nicht die Kicker, die heute im Karlsruher Wildparkstadion für eine Überraschung sorgen wollen, sondern auch die Zusammensetzung des neuen Führungsteams. Zusammen mit ihrem Mitstreiter im Aufsichtsrat, Uli Ferber, „beschäftigen wir uns als Arbeitsgruppe seit über einem Jahr mit einer Umstrukturierung“, erzählt Andreas Möhle und bekennt bereits vorab: „Es wird im Verein sehr viele Veränderungen geben.“

Das war zum Teil klar, nachdem Präsident Werner Benignus im Herbst erklärt hatte, dass zehn Jahre genug sind. Mit 66 Jahren ist für den alten Fahrensmann an der Spitze des Klubs aus dem Fautenhau Schluss. Für Ferber, Möhle und Schmidgall war dieser Ausstieg der Anfang einer Aufgabe, mussten sie doch die Nachfolge regeln. Sie nutzen dies als Möglichkeit, „den Verein an die sportliche Entwicklung weiter anzupassen“, wie der frühere Vorstandsvorsitzende der Volksbank Backnang, Werner Schmidgall, betont. Dabei sei klar gewesen, dass die SG auch in Zukunft ehrenamtlich geführt werden soll und damit ein „Alleinstellungsmerkmal im deutschen Profifußball erhalten bleiben soll“, erzählt Uli Ferber, der dank seiner Tätigkeit als Berater von Fußballstars wie Mario Gomez, Joshua Kimmich, Bernd Leno und anderen durchaus ein Kenner der Vereinslandschaft in den obersten deutschen Ligen ist.

Herausgekommen bei all den vielen Überlegungen und Gesprächen ist, dass die Vereinsführung vergrößert werden soll. Statt eines Präsidiums mit fünf Personen gibt es nun ein siebenköpfiges Vorstandsteam. Und während zuvor der Präsident gewählt und seine vier Mitstreiter vom Aufsichtsrat benannt wurden, wird das Vorstandsteam nun komplett vom Aufsichtsrat benannt und aus dem dann gleichberechtigten Gremium ein Sprecher gewählt. Ebenfalls neu: Ein Vereinsbeirat, der das Thema Klubleben und die Einbindung der Mitglieder, des Umfelds sowie Umlands im Auge haben und innerhalb der SG vertreten soll. „Schließlich wollen wir uns nicht nur als Dorfklub bezeichnen, sondern auch den Dorfklub mit Leben erfüllen und den Spagat zwischen eben jenem Dasein als Dorfklub und Profifußball schaffen“, erklären die drei von der Arbeitsgruppe dazu und hoffen, dass die Mitglieder bei der außerordentlichen Hauptversammlung den Plänen auch ihre Zustimmung geben.

Die Namen und Personen fürs Vorstandsteam stehen offensichtlich bereits fest. Nennen will sie das Trio allerdings noch nicht, da noch das eine oder andere Gespräch zu führen sei. Laut Informationen unserer Zeitung scheint aber sicher zu sein, dass mit Medien- und Marketingchef Philipp Mergenthaler und dem sportlichen Leiter Michael Ferber zumindest zwei Köpfe des bisherigen Präsidiums auch dem neuen Gremium angehören. Zudem ist es wahrscheinlich, dass Sportdirektor Ioannis Koukoutrigas ebenso wie Geschäftsführer Thomas Deters künftig eine noch wichtigere Rolle innerhalb des Vereins spielen werden. Auf alle vier treffen die erforderlichen Attribute jung, engagiert und viel Herzblut für die SG auf jeden Fall zu.

Einig sind sich Ferber, Möhle und Schmidgall, dass die neue Struktur den Verein „einen Schritt voranbringt“. Und, so Schmidgall: „Uns war nicht wichtig, dass wir einen neuen Kopf haben, sondern ein neues Team.“ Das auch weil es einer alleine nicht richten kann. Denn die Zugehörigkeit zur Dritten Liga sei für die SG keine Selbstverständlichkeit, wie Ferber, Möhle und Schmidgall unisono erklären. Einerseits. Andererseits muss der Klub weiterentwickelt werden, damit er sich im Profifußball mehr und mehr etablieret. Dazu gehört auch, dass der Gesamtetat, der trotz einer Zahl von beachtlichen drei Millionen Euro immer noch einer der niedrigsten der Liga sein dürfte, Schritt für Schritt gesteigert wird. Schmidgall weiß jedoch, „dass wir ihn sicher nicht verdoppeln und vom neuen Vorstandsteam keine Wunder erwarten können“. Was sich das Trio und der ganze Aufsichtsrat der SG Sonnenhof Großaspach aber erhoffen, das ist, dass die Mitglieder am Donnerstag, 19. April, der Umstrukturierung zustimmen. Denn, so Uli Ferber: „Wenn sich junge Leute, die allesamt schon gestandene Geschäftsleute sind, zusammenfinden und als ein Team für ihren Verein engagieren wollen, dann sollten wir diese Chance nutzen.“