Mehr Soldaten nach Afghanistan und Mali

Berlin (dpa) - Kundus gilt als Schicksalsort für die Bundeswehr. In der Provinz im Norden Afghanistans wurden deutsche Soldaten zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder in tagelange Gefechte verwickelt.

Hier hat die Bundeswehr zum ersten Mal in ihrer Geschichte offensive Bodenoperationen durchgeführt, um die radikalislamischen Taliban zurückzudrängen. Und hier wurden am Karfreitag 2010 erstmals Bundeswehrsoldaten im Kampf getötet.

Im Oktober 2013 reisten der damalige Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maizière gemeinsam nach Kundus, um feierlich den Abzug der Bundeswehr von dort zu besiegeln. Damals dachte man, es würde nicht mehr lange dauern, bis auch der letzte deutsche Soldat Afghanistan wieder verlassen würde.

Mit dem Kabinettsbeschluss vom Mittwoch ist dieser Tag in noch weitere Ferne gerückt. Das Rad wird für die Bundeswehr in Afghanistan wieder ein ganzes Stück zurückgedreht. Die Truppe wird von 980 auf 1300 Soldaten aufgestockt. Und sie kehrt nach Kundus zurück. Die Ausbilder der Bundeswehr sollen dort wieder durchgängig tätig sein.

Die Ausweitung des Einsatzes ist ein Stück weit das Eingeständnis eines Scheiterns. Als die Nato 2013 ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendete, ging sie davon aus, dass die afghanischen Streitkräfte selbst für die Sicherheit im Lande sorgen könnten. Jetzt müssen die Verantwortlichen im westlichen Militärbündnis sich eingestehen, dass sie sich getäuscht haben. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich kein Stück verbessert. Nur einer von vielen Indikatoren dafür ist die Zahl der getöteten und verletzten Zivilisten: Sie liegt Jahr für Jahr über 10 000.

Der komplette Abzug aus dem Land gerät immer weiter aus dem Blick. «Ein Ende des Einsatzes zum jetzigen Zeitpunkt wäre mit erheblichen negativen Folgen für das Land verbunden - und damit mittelbar auch für unsere Sicherheit und die Sicherheit unserer Partner», schrieben Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in einem Brief an die Bundestagsfraktionen zum Kabinettsbeschluss vom Mittwoch.

MALI: DER GRÖßTE EINSATZ WIRD NOCH GRÖßER

Afghanistan wird damit wieder zum größten Bundeswehreinsatz werden. Zwischenzeitlich hatte Mali diesen Rang eingenommen.

Auch der größte und gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr im westafrikanischen Krisenland Mali soll ausgeweitet werden - aber nur ein wenig. Statt bisher höchstens 1000 sollen sich künftig bis zu 1100 Soldaten an der UN-Mission zur Stabilisierung des Landes beteiligen. Die Ausweitung wird mit erhöhtem Schutzbedarf und hohem Aufwand für die Instandhaltung von Waffen und Gerät im Wüstenklima begründet.

Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2013 an dem UN-Einsatz zur Überwachung eines Friedensabkommens. Der Norden des Landes geriet 2012 nach einem Militärputsch vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen und konnten erst nach einer Intervention französischer Streitkräfte wieder befreit werden.

Die Bundeswehr ist in der früheren Rebellenhochburg Gao am Rande der Sahara stationiert. In der Region kommt es immer wieder zu Anschlägen und Angriffen von Rebellen. Der Einsatz gilt als der gefährlichste der Vereinten Nationen weltweit. Mehr als 100 Blauhelmsoldaten wurden bereits getötet.

ANTI-IS-KAMPF: AUSBILDUNG IM GESAMTEN IRAK

Die internationale Koalition gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat im Syrien und im Irak ganze Arbeit geleistet. Fast alle Gebiete, die einmal unter IS-Kontrolle waren, sind zurückerobert worden. Verschwunden ist der IS aber dennoch nicht. Um ein Wiedererstarken der Miliz zu unterbinden, will das Bündnis, dem 71 Länder angehören, aber weiter militärische Präsenz zeigen. Die Bundeswehr bleibt unverändert mit von Jordanien aus operierenden «Tornado»-Aufklärungsjets und einem Tankflugzeug beteiligt.

Eine weitreichende Änderung gibt es aber im Irak. Die bisher auf die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Norden des Landes beschränkte Ausbildung der Streitkräfte soll auf das ganze Land ausgeweitet werden. Der Schwerpunkt soll nun beim Training der Armee der irakischen Zentralregierung liegen, die nicht als die zuverlässigste gilt.

«SEA GUARDIAN»: SCHUTZ DER SEEWEGE IM MITTELMEER

Für die Nato-Operation «Sea Guardian», mit der die Seewege im Mittelmeer gesichert werden sollen, sind weiterhin bis zu 650 Soldaten vorgesehen. Dieser Einsatz entstand nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA, wurde aber später an veränderte Gegebenheiten angepasst.

SUDAN UND SÜDSUDAN: MILITÄRBERATER IM DIENSTE DER UN

Die beiden Friedensmissionen in den afrikanischen Krisenländern sind in Deutschland kaum bekannt. Kein Wunder: Im Südsudan sind nur 16, im Sudan nur drei drei deutsche Militärberater stationiert.