Gruschtelkammer sucht neue Bleibe

Fördervereins-Chef Charley Graf will beim Flair der Ersatzlösung für die legendäre Kleinkunstbühne keine Kompromisse eingehen

Noch steht die Zukunft der Gruschtelkammer in den Sternen. Fakt ist bisher nur, dass die alte Sängerhalle in Oberbrüden in drei Jahren dichtgemacht wird. Sollte in der Zwischenzeit passender Ersatz aufgetan werden, so könnte die Erfolgsgeschichte der beliebten Kleinkunstbühne durchaus weitergeschrieben werden. Aber eben diesen gleichwertigen Ersatz zu finden, ist das Problem. Gruschtelkammer-Chef Charley Graf macht klar: Es gibt keinen Kompromiss beim Flair der neuen Location.

Die Tage der Sängerhalle in Oberbrüden sind gezählt, in drei Jahren wird sie vermutlich dichtgemacht. Gruschtelkammerchef Charley Graf ist zuversichtlich, dass geeigneter Ersatz für die Kleinkunstbühne gefunden wird. Wenn nicht in Auenwald, dann eben in einer der Nachbarkommunen. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

AUENWALD.Der zehnköpfige Vorstand des Fördervereins Kleinkunstbühne hat am Dienstagabend getagt. Einziges Thema: Wie geht es mit der Gruschtelkammer weiter. Zur Erinnerung: Es bestand zuletzt die latente Gefahr, dass sich der Verein im 27. Jahr seines Bestehens auflöst. Doch Vorsitzender Charley Graf klang gestern kämpferisch, als er mitteilte, die Versammlung habe einstimmig beschlossen, alles daranzusetzen, die Gruschtelkammer am Leben zu erhalten. So wurde beschlossen, den Vorstand zu verjüngen und einen Nachfolger für den Vorsitzenden zu suchen. Solange die Suche andauert, wird Graf die Arbeit weiter verrichten. Und auch danach will er den neuen Chef tatkräftig unterstützen.

Doch Graf macht auch deutlich: „Die Zusammensetzung des Vorstands ist das kleinste Problem. Es steht und fällt alles mit der neuen Location. Wir suchen einen Ersatz für die Sängerhalle. Und zwar einen solchen Ersatz, der das gleiche Flair hat. Für die erfolgreiche Suche geben wir uns ein Jahr Zeit. Wenn bis dann nichts Passendes gefunden wurde, werden wir der Mitgliederversammlung vorschlagen, den Verein aufzulösen.“ Dieses Vorgehen wird Graf auch am 18. April bei der nächsten Mitgliederversammlung den Vereinsmitgliedern erläutern.

Noch aber denkt Graf nicht ans Aufhören. Bei der Standortfrage der Ersatzlösung ist er offen, „es muss nicht zwingend Auenwald sein“. Was aber gar nicht geht, ist eine Mehrzweckhalle oder so etwas Ähnliches, „wir brauchen das Flair der Sängerhalle und Platz für 200 bis 250 Gäste“. Um den Veranstaltungsort dieser Größenordnung zu finden, würde Graf mit der Kleinkunstbühne auch nach Backnang oder in eine Nachbarkommune umziehen. Weiter jedoch nicht. Eine Halle jenseits der Kreisgrenze etwa würde für Graf keine Alternative darstellen.

Der Kabarett-Experte kündigt an, auch nochmals mit Auenwalds Bürgermeister Karl Ostfalk sprechen zu wollen, schließlich habe dieser in einem Pressebericht angedeutet, in Auenwald eine solche Halle bauen zu wollen, insofern es staatliche Zuschüsse gebe. Unabhängig von diesen Verhandlungen mit Auenwalds Verwaltung ist der Vereinschef aber auch so sehr optimistisch, dass es weitergeht. Grund: Nach der Veröffentlichung, dass die Gruschtelkammer auf der Kippe stehe, sei er von unwahrscheinlich vielen Menschen angesprochen worden. „Mir wurde bisher schon etliches angetragen, aber es ist noch nichts darunter, was passt.“ Angerufen wurde er nicht nur von den Bürgermeistern der Nachbarkommunen, sondern auch von etlichen Privatleuten und Unternehmern. „Es gab ein unglaublich großes Echo auf den Zeitungsbericht. Und jetzt hoffe ich, dass sich Leute melden. Wer ein Domizil kennt, das unseren Ansprüchen genügt, soll sich melden“, sagt Graf.

Nachdem Graf als möglichen künftigen Standort für die Gruschtelkammer auch ganz konkret Backnang erwähnt hat, erklärte der städtische Pressesprecher Hannes Östreich gestern auf Nachfrage, es hätten noch keine Gespräche zu diesem Thema zwischen Graf und der Stadtverwaltung stattgefunden. Gleichzeitig betonte Östreich „den guten Kontakt“ zwischen Backnangs Oberbürgermeister Frank Nopper und dem Vorsitzenden des Auenwalder Fördervereins.

Dass Graf und seine Mitstreiter vor einem Jahr den Umzug der Gruschtelkammer in die derzeit im Bau befindliche neue Mehrzweckhalle in Hohnweiler kategorisch ausgeschlossen haben, versteht Bürgermeister Karl Ostfalk auch mit einem Jahr Abstand noch nicht. Er erinnert daran, dass es ausführliche Gespräche zwischen der Gemeinde, dem Gemeinderat und dem Verein gegeben habe. Der Verwaltung sei lange Zeit signalisiert worden, dass sich die Gruschtelkammer sehr wohl einen Umzug in die Mehrzweckhalle vorstellen könne, wenn einige Bedingungen erfüllt wären. Er listet auf: eine mobile Bühne über die gesamte Hallenbreite, Podeste für die Zuschauer, dass diese abgestuft wie im Kino freie Sicht auf die Akteure haben könnten, oder einen Vorhang an allen Hallenwänden, der eine heimelige Atmosphäre schaffen würde. Ostfalk räumt zwar ein, dass selbst dadurch das einzigartige Flair der Sängerhalle nicht erreicht werden könnte, aber Graf habe bis November 2016 gesagt, „wir können uns die Halle als künftigen Vorstellungsort vorstellen“. Erst danach sei der Meinungsumschwung gekommen. Laut Ostfalk vermutlich dadurch, dass dem Kulturschaffenden erst allmählich klar geworden sei, dass häufige Belegungen der Halle bei den Sportlern und Schulen zu Unfrieden führen würde. Ostfalk: „Das war ihm wohl vorher so nicht bewusst.“

Gleichwohl versteht Ostfalk die strikte Ablehnung der Mehrzweckhalle Hohnweiler nicht. „Klar, das besondere Flair wäre weg, aber die gesamten Rahmenbedingungen wären deutlich verbessert.“ Ostfalk verweist auf das künftige Foyer, auf die bessere Belüftung, auf die bessere Sicht aufgrund der Podeste und auf die Flexibilität, den Saal nur zu bestuhlen oder mit Tischen zu versehen. Der Rathauschef würdigt die „grandiose Leistung“, die das Team um die Gruschtelkammer in den vergangenen Jahren erbracht hat und betont: „Ich will, dass es weitergeht. Am liebsten in Auenwald. Aber ich kann auch damit leben, wenn es außerhalb der Gemeinde der Fall ist.“