„Nicht mit der Kirche ums Dorf“

Gebiet Sandberg II in Unterweissach soll von der Backnanger Straße her erschlossen werden

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Der Gemeinderat hat jetzt in der leidigen Erschließungsfrage für das Gebiet Sandberg II in Unterweissach eine Entscheidung getroffen: Die geplanten Gebäude auf der innerörtlichen Baulücke, die ein Investor schließen will, werden von der Backnanger Straße her angefahren und nicht, wie zuerst angedacht, vom Sandberg her. Das ist zugleich auch die Variante, für die sich die Anwohner im Bereich Sandberg, Sandäcker, Bruckäcker und Mühlweg ausgesprochen hatten.

Um diese Lösung zu realisieren, muss gegenüber der Einmündung Goethestraße ein neuer Anschluss gebaut werden. Dabei ist es erforderlich, ein gutes Stück vom Hang abzugraben und die Straße nach einer scharfen Kurve aufwärts zum Bereich Sandberg II zu führen. Infolge des erheblichen Eingriffs muss, wie der Rudersberger Planer Wolfgang Leissle erläuterte, auf einer Länge von etwa 20 Metern eine bis zu fünf Meter hohe Mauer errichtet werden – „eine mächtige Wand“, wie er zu bedenken gab. Zudem kommt diese Lösung teurer als andere Varianten. Sie ist auf 520000 Euro veranschlagt. Dagegen käme beispielsweise die Erschließung vom Sandberg her mit neuem Fußweg zur Backnanger Straße und der Verbreiterung der Verbindung Richtung Bruckäcker auf 511000 Euro. Einfachere Varianten liegen sogar deutlich unter 500000 Euro. Der Planer wies gleichzeitig darauf hin, dass die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens leidet, je teurer die Erschließung wird. Die Stützmauer sei nicht die von ihm favorisierte Lösung, schon wegen der Gestaltung, aber auch aus ökologischen Gründen. Zudem habe der Hang prägenden Charakter, die Bebauung befinde sich oben auf einer Art Plateau, daher sei eine Erschließung außen herum sinnvoller.

Anwohner lehnen höhere

Verkehrsbelastung ab

Die Anwohner hielten ihre Position in einem Schreiben an Verwaltung und Gemeinderat fest. Danach sind für sie alle Vorschläge nicht akzeptabel, die zu einer höheren Verkehrsbelastung im Bereich der bestehenden Wohnbebauung führen. Der Mehraufwand für die Variante Backnanger Straße sei vertretbar, weil dies künftiges Konfliktpotenzial vermeide: „Sie alle kennen die Klagen der Anwohner am Mühlweg“, erklären die Unterzeichner des Schreibens und fordern mit Blick auf die Kostendifferenz „eine stärkere Verbundenheit zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger als zum Bauträger“.

Prinzipiell, so Wilhelm König (UBL), sei es richtig, so wenig Fläche wie möglich zu verbrauchen. Aber trotz der baulichen Schwierigkeiten sei die Lösung Backnanger Straße die beste. Sein Fraktionskollege Thomas Heller fand hingegen gerade diese Variante kritisch, auch aus optischen Gründen. Die Mauer stellt eine „enorme Wucht“ dar, fand auch Andreas Laruelle (CDU/FWV). Er kam aber zu dem Ergebnis, dass es besser sei, das Gebiet direkt anzufahren, „nicht mit der Kirche ums Dorf“. Die Erschließungskosten dürften kein Entscheidungskriterium für den Gemeinderat sein, sagte Markus Keller (Weissacher Bürger) und wies darauf hin, dass der Schulweg über den Sandberg verläuft. Bei vier Gegenstimmen sprach sich der Gemeinderat dann für die Variante Backnanger Straße aus.