Der Wechsel von der Rems zur Murr ist vollzogen

Oppenweilers Bürgermeister Bernhard Bühler feierlich ins Amt eingesetzt – Rund 500 Bürger und Gäste verfolgen in der Gemeindehalle die Verpflichtung

Am 14. Januar war Bernhard Bühler zum neuen Bürgermeister in Oppenweiler gewählt worden, jetzt am Dienstagabend wurde der 49-Jährige im Rahmen einer feierlichen Gemeinderatssitzung in sein Amt eingesetzt. Großer Dank wurde auch Wilfried Klenk zuteil, der ein Jahr lang kommissarisch die Amtsgeschäfte „nebenher“ geleitet hatte.

Bürgermeister Bernhard Bühler (rechts) spricht die Verpflichtungsformel nach, die ihm sein Stellvertreter Wilfried Klenk vorsagt. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

OPPENWEILER. Sein Versprechen, das er den rund 500 Bürgern und Gästen in der Gemeindehalle zu Beginn seiner Rede gab, konnte Wilfried Klenk letztlich auch halten. „Es wird heute eine angenehme Sitzung, ohne Sitzungsunterlagen, ohne Diskussionen, mit nur einem Tagesordnungspunkt“, hatte der stellvertretende Bürgermeister angekündigt. In seiner Begrüßung warf der Landtagsabgeordnete den beiden GroKo-Politikern Norbert Barthle und Christian Lange schmunzelnd und schnippisch einen Blick zu: „Wir in Oppenweiler waren schneller. Am 14. Januar war die Wahl, heute ist die Amtseinsetzung.“

Dann richtete Klenk seine Worte an den neuen Bürgermeister: „Bei drei, na ja, ich sage mal zweieinhalb Mitbewerbern“ sei Bühler mit hoher Stimmenzahl gleich im ersten Wahlgang gewählt worden. Er bringe eine solide Ausbildung „und ein ordentliches Maß an Lebenserfahrung mit“. In letzter Zeit sei oft zu hören gewesen: „Jetzt kehrt endlich Ruhe ein in die Gemeinde“, sagte Klenk, um dann darauf hinzuweisen: „Herr Bühler, nicht zu früh freuen, daraus wird nix. Jetzt geben wir zusammen mit dem Gemeinderat erst so richtig Gas.“

Anschließend sprach Klenk zunächst die Eides- und dann die Verpflichtungsformel, die Bühler wiederholte, jeweils unter Erhebung der rechten Hand.

Richard Sigel eröffnete anschließend „gerne den Reigen der Grußworte“ und begrüßte – wie bereits zuvor Klenk – die Schwiegermutter von Bühler, die extra aus Frankreich angereist war, auf Französisch. „In bewegter Zeit“, so sagte der Landrat weiter, habe die Gemeinde Oppenweiler „tatsächlich keinen Stillstand gehabt“. Als „mehr als beachtlich“ bezeichnete Sigel das Wahlergebnis von Bühler, der im ersten Anlauf 86,1 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Der Landrat bescheinigte dem Bürgermeister, im Wahlkampf „eine sehr gute Visitenkarte“ abgegeben zu haben. Jetzt gelte es, das Angekündigte umzusetzen. Sigel sagte seine Unterstützung zu und gratulierte Bühler schließlich zum vollzogenen „Wechsel von der Rems zur Murr“.

Kernens Bürgermeister Stefan Altenberger, der für die Städte und Gemeinden sprach, begann seine Rede mit einem Zitat von Ernst Reinhardt: „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.“ Vor 17 Jahren habe sein ehemaliger Haupt- und Personalamtsleiter und Pressesprecher in Kernen ein schweres Erbe angetreten, denn der seitherige Amtsleiter war überraschend gestorben. „Bernhard Bühler sprang ins kalte Wasser und schwamm sich frei“, sagte Altenberger. Und weiter: „Heute hinterlässt ER große Fußstapfen.“ Die Zusammenarbeit in der Verwaltungsspitze habe hervorragend geklappt. So ists kein Wunder, dass der Bürgermeister aus Kernen zugibt: „Ich lasse ihn nur ungern ziehen.“

Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Rauh, die für den Gemeinderat sprach, wies darauf hin, dass der Termin der Übergabe der Amtsgeschäfte schon stattgefunden habe und sehr arbeitsintensiv war: „Zehn Stunden haben da fast nicht gereicht.“ Günter Wolf hieß Duzfreund Bernhard Bühler im Namen der Vereine „in unserer Mitte“ herzlich willkommen. Er sei immer nah dran, nicht nur als Ordner, und er kenne „die Sorgen und Nöte der Vereine aus eigener Erfahrung“. Die Kenntnis reiche allerdings nicht aus, man müsse jetzt auch anpacken und umsetzen. Drei Wünsche gab Pfarrerin Franziska Beller-Preuschoft, die für die Kirchen sprach, dem neuen Rathauschef mit auf den Weg. Er möge doch bitte niemals seine Motivation vergessen, warum er Bürgermeister werden wollte, er möge herzlich in der Gemeinde aufgenommen werden und die Pfarrerin wünschte ihm Gottes Segen für seinem Weg. Und für Momente, in denen gar nichts mehr klappt, übergab sie ihm eine Postkarte mit dem Spruch: „Mir reicht’s, ich geh’ jetzt beten!“

Rektor Siegfried Bubeck wünscht sich vom Bürgermeister und vom Gemeinderat ausreichend Räumlichkeiten für seine Schüler, damit diese „wachsen und gedeihen können“. Hauptamtsleiter Pascal Schwinger würdigte zunächst im Namen aller Mitarbeiter die Verdienste von Wilfried Klenk sowie der gesamten Rathaus-Riege: „Wir haben über das normale Maß hinaus zusammengehalten.“ Es sei ein konstruktives und kollegiales Miteinander gewesen. „Es hat uns alle zusammengeschweißt.“ Spontan gab es Applaus, als Schwinger über Klenk sagte: „Die Gemeinde kann sich glücklich schätzen, so eine Person als stellvertretenden Bürgermeister zu haben.“ Auf ihren neuen Bürgermeister freue sich das ganze Rathaus. Bereits beim BKZ-Wahlpodium sei deutlich geworden: „Dieser Mann weiß, wovon er spricht.“

Bühler, der das Schlusswort hatte, freut sich sehr auf seine neue Aufgabe: „Ich möchte gerne dazu beitragen, unsere Sturmfedergemeinde Oppenweiler weiter voranzubringen.“ Die Sicherstellung der Grundversorgung, die bisher hauptsächlich von Wasser, Elektrizität und Bildung geprägt gewesen sei, werde in den Fokus rücken und geprägt sein von zusätzlichen Themen wie Digitalisierung, Mobilität, Gesundheitsversorgung und der Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

„In Oppenweiler selbst rücken zunächst aber weitere Bereiche in den Vordergrund“, sagte Bühler. Er nannte die Vollendung des Hochwasserschutzes und die B-14-Verlegung. Schon immer ein „heißes Eisen“. Es will geschmiedet werden. Auf der Suche nach Schmieden denke er an „beide Herren Staatssekretäre“ Barthle und Lange: „Ich baue in dieser Sache auf Sie. (...) Bitte enttäuschen Sie mich nicht.“ Viele weitere Themen, die vorangetrieben werden, listete Bühler auf, die er bereits bei seinen Wahlkampfauftritten genannt hatte. Der Bürgermeister, der zusammen mit dem Gemeinderat moderne Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung einführen möchte, kündigte an, „die anstehenden Aufgaben mit eigenem Stil anzupacken und eigene Wege zu gehen“.

Für musikalische Beiträge sorgten der Musikverein Reichenberg und auch der Gospelchor Oppenweiler.