Bürger sollen mitbestimmen

Sanierung des Rathausplatzes in Althütte erst 2019 – Bushaltestelle soll barrierefrei werden

Der Platz vor dem Rathaus in Althütte ist sanierungsbedürftig. Durch Frost und Tausalz sind Platten gesprungen, Treppenstufen haben sich gesenkt, breite Spalten klaffen. Ob jedoch nur die Mängel beseitigt werden oder ob der Rathausplatz insgesamt neu konzipiert wird, sollen die Bürger mitentscheiden.

Vorentwurf des Planers: So stellt sich Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank den Rathausplatz Althütte nach der Sanierung vor. Plan: W. Blank

Von Annette Hohnerlein

ALTHÜTTE. An der Erneuerung der maroden Bodenbeläge führt kein Weg vorbei, darin war man sich im Gemeinderat einig. Denn es handelt sich hier nicht nur um Schönheitsfehler, sondern fast schon um gefährliche Stolperfallen. Was dagegen bereits im vergangenen Jahr kontrovers diskutiert wurde, war eine komplette Neuanlage des Platzes, die mit Kosten von rund 224000 Euro netto verbunden wäre, von denen wohl 60 Prozent über Fördermittel finanziert werden könnten, wie Bürgermeister Reinhold Sczuka erläuterte. Ebenfalls förderfähig wäre eine barrierefreie Neugestaltung der Bushaltestelle am Rathaus, die mit rund 50000 Euro brutto angesetzt ist.

Wie das neue Gesicht des Rathausplatzes aussehen könnte, demonstrierte Landschaftsarchitekt Wolfgang Blank am Dienstagabend im Gemeinderat. Sein Entwurf zielt darauf ab, die Fläche großzügiger aufzuteilen und damit besser für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Zudem soll der Platz für Menschen mit eingeschränkter Mobilität leichter zu begehen sein. In seiner Bestandsaufnahme listete er neben dem schadhaften Bodenbelag auch eine ganze Reihe von funktionalen Mängeln auf. Es gebe keinen direkten ebenen Zugang von den Parkplätzen und der Bushaltestelle zum Rathauseingang. Die Rampe, die sich seitlich am Gebäude befindet, entspräche nicht mehr den aktuellen Richtlinien. „Das ist fast schon diskriminierend“, so der Fachmann. Das Kleinpflaster sei für Menschen mit eingeschränkter Mobilität schwer zu begehen und sei überdies für den Winterdienst aufwendig zu räumen. Die Aufteilung mit mehreren kleinteiligen Grünflächen sei bei Veranstaltungen auf dem Platz hinderlich. Zudem sprach Blank von einem „Pflegerückstand“ bei den Staudenflächen.

Sein Konzept sieht eine Unterteilung in zwei Ebenen vor. Direkt vor dem Eingang zum Rathaus soll eine 120 Quadratmeter große und sieben Meter tiefe Fläche entstehen, die direkt an die Bushaltestelle angebunden ist. Dort sei genug Platz beispielsweise für eine Hochzeitsgesellschaft, die nach der Trauung im Rathaus ein Foto machen wolle. Im Anschluss sieht der Plan eine großzügige Treppe mit Zwischenpodest vor, über die man auf eine tiefere, 200 Quadratmeter große gepflasterte Fläche gelangt, die von Grünflächen und einer Sitzmauer begrenzt wird. Im Treppenbereich kann eine Stellfläche für ein Kunstobjekt integriert werden. Die Rampe soll renoviert, die angrenzenden Fahrradstellplätze überdacht werden. Zudem soll der Platz eine neue Beleuchtungsanlage mit LED-Technik erhalten. Mit diesen Maßnahmen werde der Platz nicht nur leichter zugänglich, so Blank. Durch die großzügigere Aufteilung sei er auch leichter zu pflegen und für Veranstaltungen flexibler nutzbar.

Weil eine solche Umgestaltung im vergangenen Jahr im Gemeinderat aufgrund der Kosten auf Kritik gestoßen war (wir berichteten), schlug die Verwaltung dem Gremium vor, die Bürger bei dieser Entscheidung mit ins Boot zu holen. Im Rahmen einer Bürgerversammlung, in der das Konzept vorgestellt wird, sollen die Einwohner von Althütte die Möglichkeit bekommen, sich ein Bild vom neuen Rathausplatz zu machen und eigene Ideen einzubringen. Durch dieses Vorgehen, dem die Räte geschlossen zustimmten, wird sich die Sanierung des Platzes verschieben und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, 2018 umsetzen lassen. „Wir wollen nichts übers Knie brechen“, bekräftigte Bürgermeister Reinhold Sczuka und stellte eine Umsetzung frühestens für 2019 in Aussicht. Dies sei auch deshalb ein realistischer Zeitrahmen, weil das Areal zuvor aus dem Sanierungsprogramm der Gemeinde herausgenommen werden müsse, um Zuschüsse aus dem Leader-Programm zu erhalten. Die barrierefreie Umgestaltung der Bushaltestelle am Rathaus müsse als separates Projekt behandelt werden, weil dafür andere Zuschüsse beantragt werden müssten.

Gabriele Gabel vom Forum Althütte 2000 lobte die Idee der Bürgerbeteiligung, kritisierte aber erneut die hohen Kosten für die Umgestaltung. „89000 Euro für Befestigungen, das ist zu viel.“ „Wir haben keine Luxusplanung gemacht“, entgegnete der Landschaftsarchitekt. Ein Anliegen von Thomas Kuntz von der Bürgerliste war der Naturschutz. Dieser müsse bei der Planung berücksichtigt werden, etwa durch den Bau von Natursteinmauern und die naturnahe Bepflanzung von Grünflächen.

„Da sind wir uns alle einig:

Die Blechbüchse muss weg“

Peter Heinle von der Freien Wählervereinigung äußerte Bedenken, den Platz aus dem Sanierungsgebiet herauszunehmen. Er befürchtete, dass dann möglicherweise gar keine Zuschüsse fließen. Sczuka beruhigte: „Wir haben gute Chancen auf eine Förderung.“ Rudi Beck (FWA) ging auf die Elektro-Ladestation auf dem Rathausplatz ein, die im Zuge einer Umgestaltung wegfallen würde. Diese sei aber in der bestehenden Form sowieso nutzlos und nicht mehr zeitgemäß aufgrund ihrer geringen Ladegeschwindigkeit. „Da sind wir uns alle einig: Die Blechbüchse muss weg“, stimmte Sczuka zu. Als Ersatz sei eine neue Ladestation am Ärztehaus geplant, die Fördermittel dafür seien bereits zugesagt.