Nur einer soll ins Gefängnis

Geldwäsche und Internet-Hehlerei zweier Brüder: Staatsanwältin beantragt mehr als vier Jahre Haft

Von Bernd S. Winckler

BACKNANG. Nur einer der beiden Zwillingsbrüder aus Backnang, die am Stuttgarter Landgericht wegen Geldwäsche und Internet-Hehlerei unter Anklage stehen, soll eine lange Haftstrafe verbüßen. So jedenfalls sieht es die Staatsanwältin und beantragte jetzt für den 27-jährigen Hauptangeklagten vier Jahre und drei Monate Haft, während sein Bruder mit zwei Jahren Bewährungsstrafe davonkommen soll.

Das Brüderpaar hatte durch Internet-Hehlereien und Geldwäsche-Aktionen mehr als 300000 Euro erbeutet (wir berichteten). Ein Urteil soll erst in der kommenden Woche verkündet werden.

Anhand der mehrfachen Vorstrafen ist laut dem gestern gehaltenen Plädoyer der Staatsanwältin bei dem Hauptangeklagten keine Bewährungsstrafe mehr möglich. Er hatte die jetzt abgeurteilten Delikte noch während einer laufenden Bewährungszeit begangen, und wird die damals verhängten zwei Jahre Haft jetzt noch zusätzlich zu verbüßen haben. Die Anklägerin hob beim Prozess hervor, dass das Brüderpaar auf Internetportalen hochwertige Waren geordert, mit falschen Personalien oder auch mit als gestohlen gemeldeten Kreditkarten bezahlt hatte. Dabei sind nicht nur den Banken, sondern auch den rechtmäßigen Kartenbesitzern hohe finanzielle Schäden entstanden.

Im Internet Waren angeboten,

die es gar nicht gab

Gleichfalls hatte das Brüderpaar im Internet Waren angeboten, die es gar nicht gab, für deren angebliche Lieferung aber Gelder kassiert wurden. Eine Betrugsmasche, die im großen Stil in der heutigen Zeit immer wieder anzutreffen sei. Die Staatsanwältin geht von rund 349000 Euro Schaden aus.

Die eingenommenen Gelder hätten die beiden dann – wieder über Internetportale – über die Kryptowährung Bitcoin eingetauscht und sich anschließend in Euro auszahlen lassen. Ein klassischer Fall von Geldwäsche, wie die Anklägerin feststellt.

179 Fälle der gemeinschaftlichen besonders schweren Geldwäsche, so ihr Antrag, dazu mehrfache gemeinschaftliche Datenhehlerei.

Ein fast schon kleiner Teil der Vorwürfe bezieht sich auf den Besitz einiger Gramm Marihuana, den die Staatsanwältin ebenfalls – in der Gesamtstrafe – abgeurteilt haben möchte.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger hatten bereits im letzten Termin eine Verständigung über das Strafmaß vereinbart, nachdem die beiden Angeklagten spontan Geständnisse abgelegt hatten. Demnach soll der Hauptangeklagte vier Jahre und drei Monate Haft verbüßen, betonte die Staatsanwältin nochmals. Der Bruder käme mit zwei Jahren Bewährungsstrafe davon, soll aber nach dem Antrag der Anklägerin dafür 10000 Euro Geldbuße als Auflage zahlen und gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten. Dazu beantragte die Staatsanwältin die Einziehung der erwirtschafteten Gelder im Bereich bis zu 349000 Euro. Am kommenden Mittwoch, 14. März, sollen die Urteile laut Gericht verkündet werden.