Ohne Hast durch die Ortsmitte

In Großaspach müssen die Verkehrsteilnehmer jetzt den Fuß vom Gaspedal nehmen – Seit Kurzem herrscht Tempo 30

Seit einer Woche darf in der Großaspacher Ortsdurchfahrt die Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern nicht überschritten werden. Zehn Jahre ist es her, dass im Gemeinderat diese Geschwindigkeitsbegrenzung erstmals gefordert wurde. Seit dieser Zeit tauchte diese Forderung jedes Jahr in den Haushaltsreden der Fraktionen auf. Jetzt ist es wahr geworden, aber es gibt noch Gewöhnungsbedarf.

Für manche wohl noch gewöhnungsbedürftig: In der Großaspacher Ortsmitte ist die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt worden. Foto: A. Becher

Von Renate Häußermann

ASPACH. Täglich fahren ungefähr 10000 Fahrzeuge durch die Großaspacher Ortsmitte. Diese Zahl stammt aus dem Jahr 2010, und bis heute dürften es nicht weniger geworden sein. Seit Dienstag vergangener Woche müssen nun die Verkehrsteilnehmer den Fuß vom Gaspedal nehmen, wenn sie zwischen dem Feuerwehrgerätehaus und der Lammkreuzung unterwegs sind. Viele von ihnen haben die neue Regelung nicht gleich bemerkt. Dass aber bereits am Mittwoch auf der Hauptstraße geblitzt wurde, sei „ein Gerücht“, unterstreicht der Aspacher Ordnungsamtsleiter André Eberle.

„Das erste Mal, dass wir die Geschwindigkeitsbeschränkung gefordert haben, war im Jahr 2008. Der Grund war schon damals der starke Verkehr in der Hauptstraße in Großaspach und die immer wieder festgestellten überhöhten Geschwindigkeiten“, sagt Gerd Raichle, Sprecher der Freien Wählervereinigung Aspach (FWA). Sein Kollege Peter Hanisch von der CDU/BWA weist darauf hin, dass die Geschwindigkeitsreduzierung von vielen Bürgern nicht nur gewünscht, sondern gefordert wurde. „Dies nicht nur, um den Lärm und die Abgase in der Ortsmitte zu reduzieren, sondern auch um Schulwege sicherer zu gestalten.“ Auch Wolfgang Schopf von der SPD-Fraktion begrüßt ausdrücklich „diese lang erwartete Einführung der Geschwindigkeitsreduzierung“. Er geht noch weiter: Die ausgewiesene Strecke sei zu kurz. „Im Lärmschutzplan sind Häuser davor und danach auch noch als hoch belastet eingezeichnet. Dazu kommt noch demnächst eine Wohnanlage für betreutes Wohnen in der Heilbronner Straße.“ Auf den von Schopf erwähnten Lärmaktionsplan heben auch Raichle und Hanisch ab. Selbiger war im Frühjahr 2016 Thema in Gemeinderatssitzungen in Aspach und Backnang. Schon damals sahen sich die drei Aspacher Wählerlisten in ihrer Forderung nach einer 30er-Zone in Großaspach bestätigt. „Laut der vorgelegten Studie ist diese Maßnahme zur Verbesserung der Lebensqualität in der Dorfmitte zu sehen“, erinnert Peter Hanisch. Auch Gerd Raichle bezieht sich auf das Lärmschutzgutachten: „Es forderte zur Verbesserung der Lärmsituation eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h.“

Kriterien zur Anordnung von

Tempo 30 sind nun erfüllt

Nun fragt man sich, warum es so lange gedauert hat, bis das, was der Lärmschutzplan empfiehlt, auch umgesetzt wurde. Zuständig ist die Verkehrsbehörde in Backnang, die im Übrigen darauf hinweist, dass es sich in Großaspach nicht um eine 30er-Zone handele, sondern um eine „Streckengeschwindigkeitsbeschränkung“. Wäre es eine 30er-Zone, gälte nämlich die Regelung rechts vor links. Tempo 30 in der Großaspacher Ortsmitte konnte jetzt angeordnet werden, weil die Kriterien dafür erfüllt waren, so die Auskunft von Hannes Östreich. Der Pressesprecher der Stadt Backnang macht darauf aufmerksam, dass bei Verkehrsschauen nach einem „vorgegebenen Kriterienkatalog“ gehandelt werden müsse. An diesen Verkehrsschauen nehmen pflichtgemäß Vertreter der Polizei, des Landratsamts, der Verkehrsbehörde und der Verwaltung der betreffenden Kommune teil. Gemeinderäte sind von der Runde ausgeschlossen, was die Aspacher Räte immer wieder monieren. Dass dem so ist, habe nichts mit „Geheimniskrämerei“ zu tun, sagt Östreich. Es gehe vielmehr um eine objektive Betrachtung. Entscheidungen aus dem Bauch heraus seien nicht möglich.

Mit der neuen Regelung erhoffen sich die drei Aspacher Fraktionsvorsitzenden auch eine Reduzierung des sogenannten Schleichverkehrs zwischen dem Autobahnzubringer und der B14 bei Strümpfelbach. Ob sich die betreffenden Fahrer von der reduzierten Geschwindigkeit abschrecken lassen, und ob sich auch die einheimischen Verkehrsteilnehmer bald ohne Hast durch die Großaspacher Ortsmitte bewegen, bleibt abzuwarten. „Wir werden es beobachten, und in nächster Zeit wird es auch Messungen geben“, kündigt Ordnungsamtsleiter Eberle an.