Ursachenforschung wird länger dauern

Pokalpleite in Ilshofen: Fußball-Drittligist Großaspach will alles auf den Prüfstand stellen, um solche Blamagen künftig zu vermeiden

„Wir können nicht einfach zum Alltag übergehen.“ Michael Ferber, Vorstandsmitglied der SG Sonnenhof, macht klar, dass das 0:2 im WFV-Pokal-Halbfinale beim Fußball-Verbandsligisten Ilshofen mehr als eine Niederlage ist. Es ist der Anlass, über Grundsätzliches nachzudenken: Warum sind Pokal-Blamagen seit Großaspachs Drittliga-Aufstieg nicht die Ausnahme, sondern die Regel? Unter vier verschiedenen Trainern gab es vier mehr oder weniger peinliche Nummern.

Schmerzhafter Trip nach Ilshofen: Großaspachs Joseph-Claude Gyau wird von TSV-Spielertrainer Ralf Kettemann gestoppt und verliert das Pokalspiel mit seinen SG-Kollegen mit 0:2. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Auf die Frage, wie es am Morgen nach der bitteren Pokalpleite um sein Befinden bestellt ist, antwortet Michael Ferber: „Noch genauso schlecht wie gestern Abend.“ Ihm geht’s da nicht anders wie seinen Kollegen in der neuen Vereinsführung, die erst seit einer Woche im Amt ist und sofort die erste dunkle Stunde miterleben musste. „Wir sind alle brutal enttäuscht“, sagt Philipp Mergenthaler und spricht damit zugleich allen SG-Fans aus der Seele. Keine Frage: Das 0:2 beim drei Etagen tiefer um Punkte kämpfenden TSV Ilshofen, das für den haushohen Favoriten noch schmeichelhaft war, hat den Verein ins Mark getroffen.

„Unser klares Ziel in dieser Saison war es, den WFV-Pokal zu gewinnen“, ruft Ferber noch einmal in Erinnerung, „das haben wir auch klar kommuniziert.“ Nach dem Einzug ins Halbfinale sowie dem Aus des VfR Aalen, dem einzigen Drittliga-Rivalen im Wettbewerb, „war die Konstellation eigentlich wie gemalt für uns“. Erst den Verbandsligisten Ilshofen ausschalten, dann im Finale den Regionalligisten Ulm oder den Oberligisten Freiberg bezwingen und in den DFB-Pokal einziehen, um dort auf Losglück zu hoffen – das war der alles andere als verwegene Plan. Umso enttäuschender war die Leistung im Hohenlohischen, mit der Aspach diese ganzen Chancen durch die Lappen gegangen sind.

Die Ursachenforschung begann unmittelbar nach dem Abpfiff, abgeschlossen ist sie längst nicht. „Es bringt jetzt nichts, noch einmal öffentlich draufzuhauen. Wir müssen uns intern beraten, die Schlüsse daraus ziehen und dann auch wieder nach vorne blicken“, kündigt Mergenthaler an. Was Ferber auf keinen Fall als Entschuldigung gelten lässt, ist die Tatsache, dass sich die ohnehin noch angespannte Personalsituation durch die kurzfristigen Ausfälle von Kai Gehring und Yannick Thermann noch einmal verschärft hatte: „Das kann kein Grund sein, denn wir haben einen breiten Kader.“ Schon eher kristallisiert sich etwas als Problem heraus, was Routinier Julian Leist sofort nach der Partie angedeutet hatte: „Wir waren mit dem Kopf wohl schon eine Runde weiter.“

Anders ausgedrückt: Obwohl sich das Trainerteam offenbar den Mund fusselig geredet hatte, die Aufgabe tunlichst nicht zu unterschätzen und die SG-Verantwortlichen davon überzeugt waren, dass diese warnenden Worte auf fruchtbaren Boden gefallen sind, gingen Aspachs Kicker wohl völlig sorglos in das Duell – und so spielten sie dann auch. „Man hat schon in den ersten Minuten gemerkt, dass sie mit dem Kopf nicht bei der Sache waren“, schildert Ferber seinen Eindruck und ahnt, dass es vielleicht das 6:0 im vorherigen Drittliga-Punktspiel in Erfurt war, „das den Bruder Leichtfuß herauskommen hat lassen“.

Nicht mal der holprige Weg ins Halbfinale mit Stationen wie dem 10:9 nach Elfmeterschießen beim Verbandsligisten Hollenbach, dem 1:0 beim Oberligisten Bissingen oder dem 2:1 nach Verlängerung beim abstiegsgefährdeten Regionalligisten Stuttgarter Kickers schärfte die Sinne. „Das macht es noch verwunderlicher“, ärgert sich Ferber, „die Mannschaft wusste doch, was alles passieren kann – sie hat doch alles erlebt.“ Zudem war der eine oder andere auch schon bei den Pokalpleiten in den vergangenen drei Runden (siehe Info-Kasten) dabei, die den SG-Funktionär mitsamt der aktuellen Schlappe zu einem Fluch veranlassen: „Jedes Jahr der gleiche Mist.“ In der Dritten Liga erreicht Aspach die Ziele, im Pokal nicht – diesen Zwiespalt hatten vor Sascha Hildmann mit Uwe Rapolder, Rüdiger Rehm und Oliver Zapel schon drei andere Trainer zu verantworten, was den aktuellen Coach ein Stück weit aus der Schusslinie rückt.

Koukoutrigas: Viele Gespräche,

dann konsequente Entscheidungen

Ferber nimmt eher das Team ins Visier: „Vielleicht fehlt uns der eine oder andere Spieler, der an solchen Tagen den Karren aus dem Dreck ziehen und das Spiel noch mal in die richtige Richtung lenken kann. Spieler, die ein Zeichen setzen und die Mannschaft aufwecken.“ Daran etwas zu ändern, ist frühestens bei der Planung des Kaders im Sommer möglich, die dadurch nicht einfacher wird, dass die im Falle des DFB-Pokal-Starts sicheren rund 150000 Euro zuzüglich der Einnahmen aus dem Erstrundenspiel nun nicht in die Vereinskasse gespült werden. Sportchef Joannis Koukoutrigas kündigt auf alle Fälle „viele Gespräche und die eine oder andere konsequente Entscheidung“ an: „Wir werden alles hinterfragen und jeden Stein umdrehen.“ Trainerstab, Mannschaft, Vorstand – alle seien gefragt, die Ursachen für die bittere Pokalpleite herauszufiltern, um sicherzustellen, dass Koukoutrigas’ Versprechen in die Tat umgesetzt wird: „Solange ich hier das Sagen habe, wird es eine solche Vorstellung nicht mehr geben.“

Schon am Sonntag (14 Uhr, Mechatronik-Arena) im Heimspiel gegen Meppen erwartet der Sportchef, „dass wir uns wieder so präsentieren wie es sich gehört“. In den letzten drei Partien geht es darum, einen der anvisierten Plätze 8 bis 13 zu sichern und im Idealfall noch die 50-Punkte-Marke zu knacken. Doch selbst wenn das gelingt, wird das Pokal-Aus die Saison ein Stück weit überschatten. „Was von der Runde bleibt, ist, dass jeder ans Spiel in Ilshofen denkt“, ahnt Michael Ferber: „Es ist auch ein Imageschaden für uns.“