«Niemals 2. Liga»: HSV vergrößert VfL-Not und hofft

Wolfsburg (dpa) - Der Hamburger SV ist auf dem besten Weg zur erneuten wundersamen Rettung im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga.

Dem Liga-Gründungsmitglied gelang am Samstag mit dem 3:1 (2:0) beim VfL Wolfsburg der dritte Sieg aus den vergangenen vier Spielen. Damit ist der Abstand auf den taumelnden und führungslosen VW-Club auf zwei Punkte verkürzt und der erste Bundesliga-Abstieg der HSV-Geschichte erneut um mindestens eine Woche verschoben.

Bobby Woods erstes Tor seit 246 Tagen (43. Minute/Foulelfmeter), Lewis Holtbys vierter Treffer aus den vergangenen fünf Spielen (45.) und Luca Waldschmidts später Nachschuss (90.+3) bescherten Hamburg den wichtigen Sieg. Vor dem letzten HSV-Treffer hatte Filip Kostic einen Foulelfmeter verschossen. Josip Brekalos Freistoßtreffer (78.) kam zu spät für Wolfsburg.

Bereits in der Vorsaison war der HSV zum Schrecken des VfL geworden, als die Hamburger am letzten Spieltag kurz vor Spielende das Siegtor zum 2:1 und Wolfsburg damit in die Relegation geschossen hatten. Diesmal droht den Niedersachsen sogar noch der direkte Abstieg. Auch für Wolfsburg wäre es der erste Abstieg aus der Bundesliga in der Club-Geschichte. Zum achten Mal am Stück blieb der VfL daheim ohne Sieg - das hatte es zuvor noch nie gegeben. Zu allem Überfluss fehlt Kapitän Paul Verhaegh kommende Woche gelbgesperrt in Leipzig.

Trainer Bruno Labbadia - der bereits dritte VfL-Coach in dieser Saison - schob einen Großteil der Situation auch auf äußere Umstände. «Das begleitet uns schon die ganze Zeit. Heute weiß ich gar nicht, ob es Malli oder Didavi überhaupt in den Kader schaffen», sagte Labbadia vor dem Spiel beim Pay-TV-Sender Sky. Daniel Didavi konnte aber trotz eines Infektes genauso wie Yunus Malli auf der Bank sitzen, der allerdings seit Wochen im Formtief steckt. Tatsächlich verletzt war dann aber Marcel Tisserand, der nach elf Minuten durch Riechedly Bazoer ersetzt wurde.

Neben den Personalsorgen meinte Labbadia indes auch das Bild, das sein Club in der Woche vor dem wichtigen Duell abgegeben hatte. Nur 20 Stunden vor dem Spiel hatte der VW-Club die Trennung von Sportchef Olaf Rebbe öffentlich gemacht. Vorausgegangen war eine wochenlange Demontage des seit langem kritisierten Managers, die die VW-Bosse im Aufsichtsrat in dieser Woche auf die Spitze getrieben hatten.

Labbadias Spieler bemühten sich um Normalität und versuchten das Spiel zu machen. Viel kam dabei nicht heraus. Vom HSV kam indes zunächst noch weniger. Spielerisch offenbarten die Hamburger einmal mehr, warum sie erneut den ersten Bundesliga-Abstieg fürchten müssen. Die Führung nach einem berechtigten Strafstoß fiel unerwartet. Wood nahm das Geschenk aber dankend an, das Josuha Guilavogui dem HSV mit seinem unnötigen Tritt im Strafraum gegen Tatsuya Ito gemacht hatte.

Die Euphorie über das unverhoffte Erfolgserlebnis nutzte der HSV für einen weiteren entscheidenden Tiefschlag für den VfL. Itos gefühlvolle Flanke köpfte Holtby sehenswert ins Netz. Danach ging es sofort in die Kabine und die HSV-Fans sangen: «Niemals 2. Liga!»

Wie so oft in der Vergangenheit wurden die Wolfsburger Fans in ihrer Hoffnung auf ein Aufbäumen nach einem Rückschlag bitter enttäuscht. Vom VfL kam im zweiten Durchgang erst ganz spät eine Reaktion. Die Fans brüllten verärgert: «Wir wollen euch kämpfen sehen» und «Wir haben die Schnauze voll!» Nur durch einen glücklichen Freistoßtor des eingewechselten Brekalo kam Wolfsburg noch einmal heran - zu spät.