Ohne Angst berichten

Gymnasiasten beschäftigen sich mit Pressefreiheit – BKZ-Redaktionsleiter Fritz und Agenturmitarbeiterin Kundigraber referieren

Der 3. Mai ist der „Internationale Tag der Pressefreiheit“. Mit diesem Tag wird auf Verletzungen der Pressefreiheit sowie auf die Bedeutung derselben für Demokratien hingewiesen. Das Gymnasium in der Taus in Backnang nutzte diesen Tag für eine Veranstaltung rund um dieses Thema im Rahmen des Deutschunterrichts.

„Mit der Tageszeitung erhält man komprimierte und recherchierte Informationen und keine Flut derselben wie im Internet. Das kann kein Algorithmus!“ Kornelius Fritz im Tausgymnasium. Foto: A. Becher

Von Andreas Ziegele

BACKNANG.Der Schulleiter des Tausgymnasiums, Udo Weisshaar, begrüßte die beiden Gäste und die Schüler mit ihren Deutschlehrerinnen mit einer klaren Botschaft: „Jeder Journalist muss das Recht haben, ohne Angst berichten zu dürfen!“ Rund 50 Schüler aus den elften Klassen mit ihren Deutschlehrerinnen waren gespannt, was ihnen an diesem Tag an Informationen vermittelt würde. Das übernahmen die beiden Referenten: Claudia Kundigraber von der Stuttgarter Agentur k.u.k. kommunikation und der Redaktionsleiter der Backnanger Kreiszeitung, Kornelius Fritz. Beide gelernte Journalisten, die mit Grundsätzen ausgebildet wurden, die in der heutigen Zeit nicht mehr immer Beachtung finden. Quellen auf ihre Seriosität abzuklopfen und immer alle Seiten zu befragen sowie „wer sagt was und warum“ deutlich zu machen, sind für Claudia Kundigraber unter anderem Voraussetzungen für seriösen Journalismus.

Kundigraber verwies gleich zu Beginn auf die im Artikel fünf des deutschen Grundgesetzes verankerte Pressefreiheit. Dass dies nicht überall so ist, ergänzte Kornelius Fritz, indem er als Beispiel die Türkei nannte: „In diesem Land müssen Journalisten um ihre Freiheit kämpfen.“

„Wo informiert ihr euch?“, fragte die Agenturchefin die Schüler. Die nicht ganz überraschende Antwort: „Online natürlich.“ Aber bemerkenswert war dann, dass sich der Großteil auf seriösen News-Portalen wie beispielsweise Spiegel online oder die Tagesschau auf Instagram verlässt. Und dass sie das wirklich tun und gut informiert sind, zeigte sich, als nach den Schlagzeilen des Vortags gefragt wurde. Nahezu alle hatten diese, wenn auch unterschiedliche, sofort parat.

Nachdem die Schüler die Titelseiten der aktuellen Ausgaben von Stuttgarter und Süddeutscher Zeitung sowie der Bild-Zeitung gezeigt bekommen hatten, erläuterte Kornelius Fritz den Aufbau der Titelseite bei der Backnanger Kreiszeitung und die Entscheidungsgründe, was in die Zeitung kommt und was nicht. Kundigraber hatte hier eine kleine Anekdote von einem ihrer früheren Chefredakteure zu erzählen: „Komm zu Fuß in die Redaktion, dann bringst du die erste Geschichte schon mit.“ Ein wichtiger Punkt, insbesondere für Lokalzeitungen.

Dass es einen Recherche-Kodex gibt, war nicht allen Schülern bewusst. Die Kennzeichnung eines Berichts mit der Quelle der Information und der Herkunft der Fotos, „das ist unter anderem das, was den seriösen Journalismus ausmacht“, ließ Kornelius Fritz wissen.

„In Backnang haben wir Verleger, die hinter diesen

Grundsätzen stehen“

Dass die Pressefreiheit gewissen Störfaktoren unterliegt, erläuterte Claudia Kundigraber an den Beispielen der Ressourcenknappheit in den Redaktionen, aber auch der versuchten politischen und wirtschaftlichen Einflussnahme. Einige Beispiele, wie selbst im Lokaljournalismus versucht wird, Einfluss zu nehmen, hatte Fritz mitgebracht. „Da sind zum einen die Interviews zu nennen, wo im Nachgang versucht wird, die Inhalte zu ändern.“ Oder aber auch Anzeigenkunden, die meinen, das Recht zu haben, auf die redaktionelle Arbeit einzuwirken. „In Backnang haben wir Verleger, die hinter den Grundsätzen der Pressefreiheit stehen“, sagte BKZ-Redaktionsleiter Fritz. „So etwas gibt es bei uns nicht!“

„Der Populismus und Fake-News sind Erscheinungen, die wesentlich auf die Pressefreiheit wirken“, so Kundigraber. Durch die sozialen Medien ist es leicht, Informationen ungefiltert zu streuen. Aber auch die sogenannten Influencer nehmen hier Einfluss. Dadurch verschwinden die Grenzen zwischen Redaktion und Werbung und sind von den Konsumenten fast nicht mehr auseinanderzuhalten. Einige Schüler bestätigten, dass auch sie schon Käufe auf einen Impuls von YouTube oder Instagram getätigt haben. Dass manche Blogger für einen Post bis zu 12000 Euro erhalten, das erstaunte dann nicht wenige im Saal.

Ein Plädoyer für die gedruckte Zeitung gab es dann am Ende durch Kornelius Fritz: „Mit der Tageszeitung erhält man komprimierte und recherchierte Informationen und keine Flut derselben wie im Internet. Das kann kein Algorithmus!“ Ergänzend fügte der Redaktionsleiter hinzu, dass die Backnanger Kreiszeitung auch grundsätzlich auf keine anonymen Quellen zurückgreift.

Der Applaus der Schüler zeigte, dass man mit dieser Veranstaltung „ins Schwarze getroffen“ hat und die Schüler vieles mitnehmen, was sie 90 Minuten zuvor noch nicht wussten.