Konkretes Zeichen gegen Verkehrslärm

Rüttelstreifen für die Sulzbacher Steige – Aktion Gelbe Karte verwarnt Motorradfahrer zukünftig bei unnötigem Lärm

Der Rems-Murr-Kreis startet gleich zwei Projekte, die unmittelbar und mittelbar unnötigen Verkehrslärm eindämmen sollen: Das Pilotprojekt Rüttelstreifen und die Aktion Gelbe Karte sind Teil der Konzeption für mehr Verkehrssicherheit und gegen unnötigen Verkehrslärm.

An einigen Stellen im Umkreis sollen Rüttelstreifen zu schnelle Fahrer an ein ordnungsgemäßes Verhalten im Straßenverkehr erinnern.Foto: E. Layher

SULZBACH AN DER MURR (lra). „Mit den Projekten folgen auf die Konzeption jetzt konkrete Taten“, so Landrat Richard Sigel. „Die zahlreichen Beschwerden, die in Sachen Verkehrslärm bei uns ankommen, sind nicht verpufft. Nachdem die rechtlichen Möglichkeiten begrenzt sind, um unnötige Raserei einzudämmen, versuchen wir es jetzt ganz pragmatisch.“

In den kommenden Wochen werden auf ausgewählten Strecken im Landkreis sogenannte Rüttelstreifen angebracht, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Die ausgewählten Strecken – die Sulzbacher Steige sowie die K1819 bei Spiegelberg-Vorderbüchelberg – sind auffällig in der Unfallstatistik für Motorräder und bekannte Hotspots für illegale Rennen. Die Rüttelstreifen sind Strukturmarkierungen, die beim Überfahren eine spürbare Vibration des Reifens verursachen. Damit die Markierungen rechtzeitig erkannt werden, erhalten sie eine blaue Farbe.

Vor Kurven werden jeweils fünf Rüttelstreifen quer zur Fahrbahn angebracht, in Kurvenbereichen wird die Markierung als durchgezogene Linie auf dem Mittelstreifen befestigt – sofern eine Mindestfahrbahnbreite von 5,50 Metern vorliegt. Die Mittelmarkierung soll verhindern, dass Fahrzeuge die Kurve schneiden. Die Strukturmarkierung im Kurvenbereich soll Motorradfahrer einbremsen, die sich stark in die Kurve legen. Fahrer mit angemessener Fahrweise werden davon nicht beeinträchtigt.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es kein Spaß ist, wenn einem ein Motorradfahrer auf dem Mittelstreifen entgegenkommt.“ Sulzbachs Bürgermeister Dieter Zahn findet solche Aktionen nicht nur gefährlich, sondern auch grenzwertig, werden so immer wieder andere in Unfälle verwickelt, an denen sie gar nicht schuld sind.

Die Unfallzahlen auf solchen Strecken wie zwischen Sulzbach und Spiegelberg oder Großerlach oder bei Vorderbüchelberg sind hoch. Zahn weiß: „Die Strecke Richtung Berwinkel ist nicht ganz ungefährlich.“ Trotzdem macht ein kleiner Prozentsatz die Strecke sich zum eigenen kleinen Hockenheimring. Man müsse jedoch klar differenzieren, erklären die Bürgermeister: Es sind nicht alle, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, es handle sich in diesem Fall eben um einen gewissen Prozentsatz. Polizeikontrollen bringen in solchen Fällen nur wenig, denn die Motorradfahrer sind in Zeiten von Smartphone und Sozialen Medien ideal miteinander vernetzt. Deshalb musste eine längerfristige Lösung her.

Die Rüttelstreifen im Rems-Murr-Kreis sind ein Pilotprojekt, dessen Wirkung im Rahmen eines Monitorings untersucht wird. Wenn die Ergebnisse vorliegen, kann über eine Ausweitung des Pilotversuchs auf andere Strecken im Landkreis nachgedacht werden. Die Rüttelstreifen sollen in erster Linie die Verkehrssicherheit erhöhen und schwere Verkehrsunfälle verhindern – und ganz nebenbei den Verkehrslärm an den Motorrad-Hotspots verringern. Andernorts wurden mit dieser Maßnahme schon spürbare Erfolge erzielt.

Unter dem Problem der extremen Lautstärke leiden vor allem die Einwohner in Spiegelberg. „Die Probleme nehmen teilweise starkes Ausmaß an“, erklärt Bürgermeister Uwe Bossert, „der Lärm auf der L1066, vor allem zwischen Spiegelberg und Neulautern und auf der K1819, hallt durch die Tallage nach oben.“ Die Strecke zwischen Spiegelberg und Vorderbüchelberg wird häufig für Rennen genutzt.

Ein Wanderparkplatz ist Treffpunkt für Motorradfahrer

Beschwerden kamen dem Schultes ebenfalls zu Ohren, was den Parkplatz Linde betrifft, der für viele Biker Treffpunkt ist. Der Parkplatz ist oft so zugeparkt mit Motorrädern, dass Wanderer nicht mehr dort parken können und landwirtschaftlicher Verkehr nicht mehr auf seine Feldwege kommt.

Parallel zum Projekt Rüttelstreifen startet der Rems-Murr-Kreis die Aktion Gelbe Karte. Fahrer, die durch unnötigen Lärm auffallen, erhalten ein Gefährderanschreiben – quasi eine gelbe Karte: Darin wird der Fahrer auf den unnötigen Lärm und die vermeidbare Abgasbelästigung aufmerksam gemacht. Wenn der verwarnte Fahrer erneut auffällig wird, kann die Fahrerlaubnisbehörde überprüfen, ob er zum Führen eines Fahrzeugs geeignet ist. Als Grundlage für die Überprüfung dient eine Checkliste, die von der Führerscheinstelle im Landratsamt erarbeitet wurde.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen wurden probeweise die Sitzbänke an der sogenannten Applauskurve abmontiert. Der Rastplatz an der B14 zwischen Sulzbach und Großerlach ist dafür bekannt, dass sich Motorradfahrer dort gegenseitig ihre Fahrtkünste vorführen.

Die Bürgermeister sind sich einig, dass sie die Motorradfahrer keineswegs los haben wollen. Als Ausflugsziel dürfen Sulzbach, Spiegelberg und Co. weiterhin gerne frequentiert werden – aber bitte in angemessener Fahrweise.