Engpass bei Kinderbetreuung steht bevor

Gemeinde Oppenweiler sucht nach Übergangslösung im kommenden Frühjahr – Mehr Anmeldungen erwartet, als Kindergartenplätze zur Verfügung stehen

In der Kinderbetreuung in Oppenweiler kommt es voraussichtlich im kommenden Jahr zu einem Engpass. Der errechnete Bedarf an Plätzen steht derzeit nicht zur Verfügung und soll durch eine weitere Gruppe in der Kita am Schlossgarten überbrückt werden. Ein erweitertes Angebot ist jedoch in Planung.

Weil der Bedarf an Plätzen für die Kinderbetreuung in Oppenweiler voraussichtlich steigt, wird beim Neubau des Kindergartens Burgblick mit vier Gruppen gerechnet. Bisher gibt es nur drei. Archivfoto: A. Becher

Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. Mit 45 Geburten war das Jahr 2015 in Oppenweiler außergewöhnlich – normalerweise liegt die Zahl irgendwo zwischen 30 und 40. „Das schlägt sich jetzt nieder auf den Bedarf an Plätzen in der Kinderbetreuung“, erklärte die Leiterin der Kinderbetreuungseinrichtungen, Cornelia Köhnlein-Bass, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Sie stellte die Bedarfsplanung für 2018/19 vor und verwies auf einen steigenden Trend der Kinderzahlen in den Einrichtungen der Sturmfedergemeinde. Für die Kinder im Alter unter drei Jahren sei man gut aufgestellt. „So wie es ausschaut, wie der Bedarf angemeldet ist, bekommen wir alle Kinder unter“, sagte die Amtsleiterin. In diesem Bereich würde sie deshalb auch erst einmal alles weiterlaufen lassen wie bisher.

Schwieriger wird die Lage bei den Kindern über drei Jahren. Die Zahl der Kindergartenkinder wird dreimal im Jahr – im Januar, Juli und September – erhoben. Im Juli werden dabei die höchsten Werte erreicht, da im September dann einige Kinder in die Schule wechselten. Im Juli des Kindergartenjahres 2018/19 werden demnach 160 angemeldete Kinder erwartet. Gehe man von einer Inanspruchnahme von 95 Prozent aus, wie sie bisher in Oppenweiler üblich sei, komme man auf eine Zahl von 152 Kindern. Eine Herausforderung für die Gemeinde, denn bisher stehen in allen Einrichtungen in Oppenweiler nur 140 Plätze zur Verfügung. „Wir steuern ab April auf einen Engpass zu“, fasste Köhnlein-Bass zusammen. Dieser währe aber voraussichtlich nur wenige Monate, nämlich bis im September die ältesten Kinder zur Schule gingen.

Deshalb schlug die Leiterin der Kinderbetreuungseinrichtungen vor, nach Bedarf zwei Interimsgruppen mit bis zu zehn Kindern zu bilden. „Wo man sie dann angliedert, müssen wir noch in die Planung nehmen“, sagte sie. Außerdem seien Eltern gebeten, mit der Anmeldung der Kindergartenkinder noch bis nach den Sommerferien zu warten. „Dazu waren bisher auch schon einige Eltern bereit“, erzählte Köhnlein-Bass und lieferte auch sogleich die Erklärung dazu. Solange freie Plätze zur Verfügung stehen, haben die Eltern freie Wahl unter den Betreuungseinrichtungen. Steuere man auf einen Engpass zu, könnte nicht jeder Wunsch erfüllt werden. „Die Eltern haben dann bessere Chancen, wenn nach den Sommerferien wieder mehr Plätze frei sind.“

Doch die Prognosen für das Kindergartenjahr 2019/20 ähneln dem Vorjahr. Nach heutigem Stand sei dann von 162 Kindergartenkindern auszugehen. „Das bedeutet wieder einen Engpass ab Monat März 2020“, formulierte Köhnlein-Bass es in ihrer Bedarfsplanung. Warum nicht durchgängig eine weitere Gruppe angeboten werde, fragte Gemeinderätin Gerlinde Stahl (FWV). Momentan sei noch gar nicht sicher, ob es tatsächlich zu einem Engpass kommt, antwortete Bürgermeister Bernhard Bühler. Und wenn, dann sei dieser eben nur in der Zeit zwischen April und September 2019 gegeben. Danach würden sich die Reihen wieder lichten, eine weitere Kindergartengruppe sei deshalb vorerst nicht sinnvoll.

Dennoch müsse das Betreuungsangebot mittelfristig erweitert werden, da sind sich Köhnlein-Bass und Bühler einig. Denn die errechneten Zahlen müssen noch gar nicht alles sein. Bühler wies darauf hin, dass durch Zuzüge im Neubaugebiet Steinfeld zudem mit mehr Kindergartenkindern gerechnet werden müsse. Die Quote von 95 Prozent bei der Inanspruchnahme der Kindergartenplätze könne auch noch steigen. Zudem sei davon auszugehen, dass auch in der Gruppe der Flüchtlinge die Nachfrage nach Kinderbetreuungsangeboten steigen werde. „Eine Tendenz zur Ganztagsbetreuung ist allgemein spürbar“, sagte der Bürgermeister. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass der Bedarf steigt.“ Beim Kindergarten Burgblick werde deshalb mit vier Gruppen geplant, obwohl derzeit noch drei Gruppen ausreichten.

Was den Neubau des Kindergartens Burgblick betrifft, hatte Bühler gute Nachrichten in die Sitzung mitgebracht: Am gleichen Tag habe ihn ein Anruf des CDU-Landtagsabgeordneten Wilfried Klenk erreicht. Der neu ernannte Staatssekretär habe ihm mitgeteilt, dass für den Neubau des Kindergartens 594000 Euro aus dem Bund-Länder-Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ zugesagt wurden. Cornelia Köhnlein-Bass äußerte die Hoffnung, dass durch den Kindergarten Burgblick schon im zweiten Jahr der Engpass abgefangen werden könne. Damit sei aber noch nicht sicher zu planen, schränkte Bühler sogleich ein. „Ich freue mich aber darüber, dass wir schon so früh über die Lösungen des Problems nachdenken“, äußerte er im Hinblick auf die Bedarfsplanung.

Neben der Zahl der Plätze enthielt diese auch gleich verbindliche Regelungen zur Vergabe der Betreuungsplätze. Bisher erfolgte die Aufnahme im Kindergartenbereich nach dem Alter der Kinder, unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung. Künftig solle Geschwisterkindern und Wechselkindern beim Übergang von der U-3-Betreuung in den Kindergartenbereich ein Vorteil von zwei Monaten (Alter des Kindes) gewährt werden. Letzteres betreffe die Kindergärten Steinfeld und Reute-Törle, die Kinder von ein bis sechs Jahren betreuen. Die Bedarfsplanung wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.