Alle Spiele, alle Tore gemeinsam verfolgen

Public Viewing im großen Ausmaß ist für die Veranstalter ein Sicherheitsakt

Morgen beginnt sie, die Mission Titelverteidigung. Wenn in Russland 32 Mannschaften für ihr Land um den Weltmeistertitel kämpfen, fiebern wir hier mit. Und das am liebsten nicht allein, sondern zusammen – lauthals und emotionsgeladen. Die Fußball-Weltmeisterschaft findet auch in Backnang und Umgebung statt, und zwar in Form von Public Viewing.

Gemeinsam feiert es sich doch am besten, so wie hier 2014 im Merlin in Backnang, als Deutschland den Titel holte, den es nun zu verteidigen gilt. Foto: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Während Fußballlegende Lothar Matthäus bereits den WM-Pokal in Russland in Empfang genommen hat, steht Jogis Jungs und allen Unterstützern vor den Bildschirmen noch ein langer Weg bis zum Titel bevor. Zur Unterstützung werden Paninibilder gesammelt, Autos mit Fähnchen verziert, Blumenketten, Fanschminke, Perücken und Trikots gekauft. Und an einigen Orten werden Leinwände platziert. Denn morgen um 17.30 Uhr ist es so weit: Auf die Eröffnungsveranstaltung folgen 32 Mannschaften, die in 64 Fußballspielen um den einen Titel kämpfen.

Nur die wenigsten Zuschauer sind in den Stadien quer durch Russland dabei, Daheimgebliebene fiebern vor den Bildschirmen mit. Zusammen ist man weniger allein, lautet der Titel eines Films, und das trifft auch aufs Fußballschauen zu. Wer schaut schon gern allein zu Hause vorm Flimmerkasten – Public Viewing ist angesagt. Gemeinsam mitfiebern, jubeln, vor Freude dem Nebenmann in die Arme fallen. Aber auch Aufregung, Spannung und eventuell auch Enttäuschung sind im Rudel besser wegzustecken als allein. Hier trifft Hinz auf Kunz, während Emil Forsberg auf Toni Kroos trifft.

Deshalb haben wir uns umgehört: Wo kann man die WM in bester Gesellschaft verfolgen? Wo kann man in Backnang und Umgebung auf großem Bildschirm sehen, wenn Ronaldo, Messi und Müller ihre Tore schießen?

Der SV Unterweissach veranstaltet sein Public Viewing nun bereits zum siebten Mal auf dem Rathausplatz. Dort finden 200 bis 300 Leute Platz. „Wir sind da schon routiniert“, sagt Johannes Ruoff vom SVU. Ein Public Viewing zu veranstalten sei „relativ easy“. Denn bis zu einer gewissen Anzahl von Zuschauern hält sich der Aufwand an Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen. Die Polizei ist zwar vor Ort, Taschenkontrollen oder Weiteres müssten nicht gemacht werden.

„Das Ambiente ist schon besonders“, findet Ruoff. Da auf dem Weissacher Rathausplatz immer wieder Veranstaltungen stattfinden, wie beispielsweise das Open-Air-Kino, wäre gar kein anderer Ort infrage gekommen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde funktioniert gut, versichert er.

Was das Helfen betrifft, da seien die Vereinsmitglieder gefragt. Natürlich sind da nicht alle Feuer und Flamme, wenn sie bei einem Deutschlandspiel hinterm Grill oder am Ausschank stehen, aber am Ende packen alle mit an. Das sind immerhin zwischen 15 und 25 Leute pro Spiel, denn zu den Stationen, die während der 90 Minuten besetzt sein müssen, kommen noch Auf- und Abbau. Und wenn es mal regnet? „Kein Problem“, sagt Ruoff, „dann bauen wir wieder Lkw-Planen auf.“

Sicherheit hat hohe Priorität beim

Public Viewing auf dem Straßenfest

Weitaus aufwendiger gestalten sich da die Sicherheitsauflagen der Stadt Backnang, die während des Straßenfests gleich an zwei Plätzen die Partie Deutschland gegen Schweden (Samstag, 23. Juni, 20 Uhr) überträgt. Dieses Jahr ist nicht nur der Stiftshof Treffpunkt für Fußballbegeisterte, sondern auch die Bühne am Marktplatz. „Das Straßenfest ist ein Fest, wo man sich trifft, und das wollen wir zusammenbringen mit dem Fußball“, so Ralf Binder von der Stadt Backnang. Fußball hat die gleiche Wirkung: Er führt zusammen.

Doch so einfach, wie es in Unterweissach scheint, ist es in Backnang nicht. Auf beiden Plätzen wird ab 16 Uhr abgesperrt und es gilt ein Glasverbot. „Bierkrüge können da gegen eine Pfandmarke getauscht werden und werden bis zum Ende des Spiels aufbewahrt“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Gisela Blumer. Ab 17 Uhr wird es dann zusätzlich Einlass- und Taschenkontrollen an mehreren Eingängen geben. Denn beim Public Viewing ist die Gefahr groß, dass Pyrotechnik mit reingenommen wird, das will der Veranstalter mit gründlichen Kontrollen vermeiden. „Wir haben genug Kapazitäten für zwei Standorte“, ist sich Binder sicher. Denn die Stadt will sichergehen, dass möglichst alle Interessierten einen Platz beim Straßenfest-Public-Viewing finden. „Natürlich ist der Platz irgendwann begrenzt, dann können wir natürlich niemanden mehr reinlassen“, so Blumer. Doch dann wird sich hoffentlich noch ein Platz am Stiftshof finden. Trotzdem wird die Marktstraße, auch während der 90 Minuten, weiterhin für alle begehbar bleiben.

In jüngerer Zukunft hat es am Stiftshof bereits Public Viewing gegeben, die Situation ist für die Stadt also nicht neu. Doch haben sich die Bestimmungen und Voraussetzungen, so etwas zu veranstalten, seitdem verändert? Ist es schwieriger geworden, ein Public Viewing zu organisieren? „Grundsätzlich ist für uns, die Stadt Backnang, alles gleich geblieben“, erklärt die Leiterin des Ordnungsamts. Denn nun wird ab einer gewissen Anzahl von Besuchern auch ein gewisses Aufgebot an Sicherheitspersonal gefordert. „Wir haben schon immer im Vorfeld Gespräche mit der Stadtverwaltung, der Polizei, dem DLRG und dem DRK geführt“, so Blumer. Das „dicke Sicherheitsprinzip“ der Stadt werde immer wieder fortgeschrieben und verbessert.

Ab morgen heißt es Daumen drücken und immer fest an die Worte von Lothar Matthäus denken: „I hope we have a little bit lucky.“