Antwort auf Not und Elend in Manila

Vor 25 Jahren ist in Kleinaspach die Christliche Philippinen-Initiative entstanden – Verein kümmert sich um Straßenkinder

Aus bescheidenen Anfängen im Wohnzimmer des Kleinaspacher Pfarrers Imanuel Kögler und seiner Frau Barbara hat sich ein stattliches Hilfswerk entwickelt: die Christliche Philippinen-Initiative (CPI). Der Verein, der sich um Straßenkinder in Manila kümmert und dafür jährlich rund 200000 Euro Spendengelder verwaltet, feiert 25-jähriges Bestehen.

Leben in Schutt und Trümmern: Armut und Elend kennzeichnen die Kindheit in der philippinischen Hauptstadt. Foto: privat

Von Armin Fechter

ASPACH. „CPI ist für uns die Antwort auf die Not und das Elend, das wir bei den Kindern gesehen haben, die in Manila auf der Straße leben. Gott hat uns diese Kinder aufs Herz gelegt“, sagt Imanuel Kögler, der die Initiative seinerzeit angestoßen hat und seitdem ehrenamtlich als Vorsitzender des Vereins fungiert.

Das Elend in der philippinischen Metropole haben auch Gisela Österle und das Ehepaar Krautter aus Kleinaspach mit eigenen Augen gesehen: Kinder leben in der 13-Millionen-Stadt zwischen Bretterverschlägen, Blechhütten und Betontrümmern. Schulbesuch? Fehlanzeige. Lungern sie auf den Straßen herum, werden sie kurzerhand auf Veranlassung der Stadtverwaltung eingesammelt, auf Lastwagen gepackt und in Zentren verfrachtet, wo sie wie in geschlossenen Anstalten gehalten werden. Solche Eindrücke aus den Slums bleiben haften und fordern zum Engagement heraus.

Erste Kontakte nach Manila entstanden in den 80er-Jahren, es gab Patenschaften für Straßenkinder. Um die Hilfe auf eine breitere Basis zu stellen und mehr Bedürftige zu erreichen, rief Kögler die Christliche Philippinen-Initiative ins Leben. Die Vereinsgründung fand am 30.März1993 im Wohnzimmer des Pfarrhauses in Kleinaspach statt.

Kleiner Verein wird zu wichtigem

Missions- und Sozialwerk

Seit diesen ersten Anfängen hat sich die CPI zu einem bedeutenden Missions- und Sozialwerk entwickelt. Es gehört der Württembergischen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission an und wird somit auch bei Spendenaufrufen der Kirchengemeinden berücksichtigt. Kögler selbst war bis 2000 Pfarrer in Kleinaspach, heute arbeitet er als Geschäftsführer des Kinderwerks Lima.

Von Anfang an gehörte Gisela Österle zum CPI-Team; das Ehepaar Krautter ist nach einer ersten Reise nach Manila 1997 dazugestoßen. Rolf Krautter, von Beruf Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, engagierte sich dann von 1998 bis 2012 als Zweiter Vorsitzender. Das Spendenaufkommen hat sich mit den Jahren enorm entwickelt: von etwa 35000 auf nunmehr rund 200000 Euro im Jahr.

Die große Herausforderung für die Verantwortlichen besteht nach Krautters Worten darin, dass von Deutschland aus praktisch zwei Vereine zu führen sind: die CPI und die philippinische Partnerorganisation SPECS – abgekürzt für „Social – Physical – Educational – Cultural – Spiritual“. Gemeinsames Ziel ist es, bedürftigen Kindern und Familien Hoffnung und Perspektive auf eine Zukunft außerhalb ihres täglichen Elends zu geben. Dazu werden zwei Heime für Straßenkinder betrieben. Zudem gibt es eine offene Einrichtung, in der Kinder aus den Slums versorgt, aufgebaut und begleitet werden. In der Kooperation treten immer wieder auch schwierige Situationen auf. So 1997, als Krautter vor Ort den Rohbau sah, an dem die Arbeiten aus Geldmangel eingestellt worden waren. Um das geplante Home for Boys zu realisieren, war ein Kraftakt vonnöten. Doch mit den eingegangenen Spenden von 85000 Mark konnte sogar ein Erweiterungsbau in Angriff genommen werden.

Krautter unterstreicht, dass die Spendengelder nahezu vollständig in Manila ankommen, weil in Deutschland alle 20 Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. So fallen lediglich Verwaltungskosten in Höhe von etwa 6000 Euro jährlich an.

Der kleine Verein mit seinen 39 Mitgliedern schafft dank der Spenden enorm viel: 25 Jungs im Alter zwischen 7 und 13 Jahren leben im „Home for Boys“, 9 weitere im Teenageralter werden in einer Wohngemeinschaft betreut. 300 Patenkindern wird der tägliche Schulbesuch ermöglicht. Darüber hinaus werden viele Familien und Jugendliche begleitet. Über 50 Praktikanten haben sich in die Arbeit in Manila eingebracht, eine Helferin, die Erbstettenerin Sabine Hamann, blieb sogar zehn Jahre. 500 ehemalige Patenkinder haben inzwischen graduiert. Mit ihnen soll ein neues Spendernetzwerk auf den Philippinen aufgebaut werden. Denn die Hilfe aus Deutschland ist kein Automatismus, sondern Hilfe zur Selbsthilfe, wie Gisela Österle unterstreicht.